Meine Leseliste für die klassische Literatur ist nach wie vor lang, trotzdem wurde sie gerade in den letzten 10 Jahren durchaus überschaubarer. Mittlerweile kann ich doch auch schon ein ordentliches Kontingent an bereits gelesenen Büchern in diesem Bereich vorweisen. Viele große Meilensteine stehen natürlich dennoch aus, aber immerhin darf ich nun stolz meine erste Austen präsentieren.
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Sonntag, 29. April 2018
Sonntag, 12. Juni 2016
Die Welt von gestern [Rezension]
Liebe Literaturliebhaber! Karg war es in den letzten Wochen zwischen den Regalen meiner virtuellen Bibliothek. Momentan befinde ich mich wieder in einer bloggermäßigen Down-Phase, die bei mir nunmal genauso zu diesem Hobby gehört. Zudem musste ich mir letzte Woche vier Weisheitszähne heraus operieren lassen, die bisher weder zu meiner Weisheit, noch meiner Kiefergesundheit beitragen konnten. Meine Genesungsstunden verbrachte ich dabei lieber gemütlich offline. Heute nehme ich mir aber für ein wichtiges Buch des letzten Monats Zeit.
Auch wenn Stefan Zweig kein Freund biographischer Texte war, beschreibt er in diesem Werk ausführlich in Auszügen sein eigenes Leben. Dabei konzentriert er sich hauptsächlich auf die literarischen Einflüsse seiner Zeit, die durch viele wichtige Schriftsteller, Dichter und andere Künstler einhergingen. In einfühlsamen Anekdoten und ausführlicheren Beschreibungen berichtet Zweig über die vielen Freundschaften vor und während der beiden Weltkriege und gibt dem Leser Einblicke in die Welt von gestern.
Passend zum Film Vor der Morgenröte, habe ich ich im Mai gleich zwei Werke Stefan Zweigs gelesen (vom Erscheinen des Filmes habe ich aber erst im Anschluss erfahren). Neben Sternstunden der Menschheit das mir ausgesprochen gut gefallen hat, wollte ich auch endlich Die Welt von gestern gelesen haben.
Abgesehen von der fast parallelen Erscheinung des Films habe ich dieses Buch auch zu einem politisch mehr als passendem Zeitpunkt gelesen. So begann in Österreich kurz nach Beginn der Lektüre die Stichwahl der beiden sehr konträren Bundespräsidentschaftskandidaten. Ich war ohnehin schon durch die vielen grauenhaften Parolen und Kommentare auf Facebook aufgewühlt, doch nebenbei noch dieses Buch zu lesen hat mich wirklich sehr beschäftigt. Wie sehr sich gewisse Vorgänge der Geschichte zu wiederholen scheinen empfand ich dabei als ebenso gespenstisch wie beängstigend. So wollten auch Zweigs Zeitgenossen weder vor dem Ersten, noch vor dem Zweiten Weltkrieg die politischen Umbrüche so recht ernst nehmen und wurden in ihrem Glauben "soetwas könne in einer zivilisierten europäischen Gesellschaft doch gar nicht passieren" wiederholt vor den Kopf gestoßen.
Abgesehen von seiner einfühlsamen Schreibweise konnte ich persönlich gut sehr gut nachempfinden wie sehr Zweig, der nicht nur als Pazifist, sonder vor allem als Europäer auftrat an der zunehmenden Ab- und Ausgrenzung zu leiden hatte. Entsprechend furchtbar fand ich selbst dabei die Vorstellung unser Land könne wieder in diesen Zustand zurückfallen. Abgesehen von den politischen Vorgängen dieser Zeit, die ein jeder Leser so viel oder so wenig auf die heutige Zeit beziehen kann wie er möchte sind vor allem Zweigs Bekanntschaften in diesem Buch besonders interessant. Zwar war mir durchaus bekannt, dass er viele Kontakte zu anderen Literaten und Künstler pflegte, doch ich wusste natürlich nichts genaueres um die die zum Teil sehr engen Freundschaften.
So kam ich mittels seines sprachlich ausgefeilten Schreibstils etwa in den Genuss über einige Anekdoten aus Rilkes Leben lesen zu dürfen. Neben Rilkes Texte habe ich mir natürlich schon einige biographische Fakten aus seinem Leben angeeignet, eine lebensnahe Beschreibung durch einen Freund wie Stefan Zweig spielt diesbezüglich aber natürlich auf einer vollkommen anderen Ebene und ich las die jeweiligen Passagen mehrmals begeistert.
Natürlich bleibt Rilke dabei weit nicht der einzige Dichter, dem Zeilen gewidmet werden, Zweig greift auf unheimlich viele andere wichtige Persönlichkeiten seiner Zeit zurück, die natürlich nicht minder interessant sind (aber ein jeder hat nunmal seine persönlichen "Literatur-Heiligen"). Jedenfalls gelingt es ihm wundervoll einen lebendigen Rückblick in die Zeit vor-und nach der Jahrhunderwende zu geben und sich dabei nicht nur auf Österreich, sondern ganz Europa zu beziehen.
Eine ausführliche, gefühlvolle Schilderung, die sehr viele Einblicke in die Vorgänge und Umfelder von Stefan Zweigs Leben gibt. Weltliteratur, die sehr gut auch auf heute bezogen werden kann und auch soll!
--------------------------------------------------------
Titel: Die Welt von gestern
Autor: Stefan Zweig
Sprache: Deutsch
Verlag: Anaconda
Gebundene Ausgabe: 575 Seiten
Inhalt:
Auch wenn Stefan Zweig kein Freund biographischer Texte war, beschreibt er in diesem Werk ausführlich in Auszügen sein eigenes Leben. Dabei konzentriert er sich hauptsächlich auf die literarischen Einflüsse seiner Zeit, die durch viele wichtige Schriftsteller, Dichter und andere Künstler einhergingen. In einfühlsamen Anekdoten und ausführlicheren Beschreibungen berichtet Zweig über die vielen Freundschaften vor und während der beiden Weltkriege und gibt dem Leser Einblicke in die Welt von gestern.
Mistys Meinung:
Passend zum Film Vor der Morgenröte, habe ich ich im Mai gleich zwei Werke Stefan Zweigs gelesen (vom Erscheinen des Filmes habe ich aber erst im Anschluss erfahren). Neben Sternstunden der Menschheit das mir ausgesprochen gut gefallen hat, wollte ich auch endlich Die Welt von gestern gelesen haben.
Abgesehen von der fast parallelen Erscheinung des Films habe ich dieses Buch auch zu einem politisch mehr als passendem Zeitpunkt gelesen. So begann in Österreich kurz nach Beginn der Lektüre die Stichwahl der beiden sehr konträren Bundespräsidentschaftskandidaten. Ich war ohnehin schon durch die vielen grauenhaften Parolen und Kommentare auf Facebook aufgewühlt, doch nebenbei noch dieses Buch zu lesen hat mich wirklich sehr beschäftigt. Wie sehr sich gewisse Vorgänge der Geschichte zu wiederholen scheinen empfand ich dabei als ebenso gespenstisch wie beängstigend. So wollten auch Zweigs Zeitgenossen weder vor dem Ersten, noch vor dem Zweiten Weltkrieg die politischen Umbrüche so recht ernst nehmen und wurden in ihrem Glauben "soetwas könne in einer zivilisierten europäischen Gesellschaft doch gar nicht passieren" wiederholt vor den Kopf gestoßen.
Abgesehen von seiner einfühlsamen Schreibweise konnte ich persönlich gut sehr gut nachempfinden wie sehr Zweig, der nicht nur als Pazifist, sonder vor allem als Europäer auftrat an der zunehmenden Ab- und Ausgrenzung zu leiden hatte. Entsprechend furchtbar fand ich selbst dabei die Vorstellung unser Land könne wieder in diesen Zustand zurückfallen. Abgesehen von den politischen Vorgängen dieser Zeit, die ein jeder Leser so viel oder so wenig auf die heutige Zeit beziehen kann wie er möchte sind vor allem Zweigs Bekanntschaften in diesem Buch besonders interessant. Zwar war mir durchaus bekannt, dass er viele Kontakte zu anderen Literaten und Künstler pflegte, doch ich wusste natürlich nichts genaueres um die die zum Teil sehr engen Freundschaften.
So kam ich mittels seines sprachlich ausgefeilten Schreibstils etwa in den Genuss über einige Anekdoten aus Rilkes Leben lesen zu dürfen. Neben Rilkes Texte habe ich mir natürlich schon einige biographische Fakten aus seinem Leben angeeignet, eine lebensnahe Beschreibung durch einen Freund wie Stefan Zweig spielt diesbezüglich aber natürlich auf einer vollkommen anderen Ebene und ich las die jeweiligen Passagen mehrmals begeistert.
Natürlich bleibt Rilke dabei weit nicht der einzige Dichter, dem Zeilen gewidmet werden, Zweig greift auf unheimlich viele andere wichtige Persönlichkeiten seiner Zeit zurück, die natürlich nicht minder interessant sind (aber ein jeder hat nunmal seine persönlichen "Literatur-Heiligen"). Jedenfalls gelingt es ihm wundervoll einen lebendigen Rückblick in die Zeit vor-und nach der Jahrhunderwende zu geben und sich dabei nicht nur auf Österreich, sondern ganz Europa zu beziehen.
Fazit:
Eine ausführliche, gefühlvolle Schilderung, die sehr viele Einblicke in die Vorgänge und Umfelder von Stefan Zweigs Leben gibt. Weltliteratur, die sehr gut auch auf heute bezogen werden kann und auch soll!
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Titel: Die Welt von gestern
Autor: Stefan Zweig
Sprache: Deutsch
Verlag: Anaconda
Gebundene Ausgabe: 575 Seiten
Donnerstag, 26. Mai 2016
The Bell Jar [Rezension]
In letzter Zeit habe ich mich leider wieder ein wenig von der regen Bloggerwelt isoliert, weil ich meine wenigen freien Tage wieder ein wenig ungezwungener verbringen wollte. Eine Rezension bedeutet doch einiges an Arbeit (selbst wenn ich persönlich meine Beiträge nicht einmal Korrektur lese...Vielleser dürften sich häufig an all meinen Tippfehlern stören) und dafür hatte ich in den letzten 10 Tagen schlichtweg keine Lust mehr. Dafür raffe ich mich heute zur Rezension eines Buches auf, dass die Isolation in seinen Mittelpunkt stellt.
Die 19-jährige Schülerin Esther, die ihr bisheriges Leben stets emsig und strebsam ihre schulischen Ziele verfolgte, verfällt -ihrem neuem Leben ausgesetzt- einer schweren Depression. Die Ursachen finden sich keineswegs individuell sondern vielmehr gesellschaftlich begründet. Ihren Krankheitsverlauf beschreibt sie dabei auf anschauliche Art und Weise.
Seit Jahren, Jahren, Jahren, Jahren habe ich dieses Buch bereits auf meiner "MUSS!"-Leseliste und doch habe ich es erst in meiner diesjährigen Klassiker-Phase erst geschafft es überhaupt einmal zu besorgen. Einmal in Händen hatte ich es dafür dann innerhalb von zwei Tagen -trotz normaler Arbeitszeit- ausgelesen. Eigentlich zieht es mich immer wieder sehr stark zu solch interessanter aber natürlich auch sehr schwerer Frauenliteratur (da ich ja auch sehr von Bachmann, Mitgutsch, Brigitte Schwaiger angezogen fühle).
Lesern genannter Autorinnen kann ich dieses Büchlein auf jeden Fall auch empfehlen. Ich persönlich muss zwar psychisch in guter Verfassung sein, dass ich eine solche Erzählung vertrage, wenn dies der Fall ist werde ich von vielen Passagen enorm angesprochen.Wie ich schon mehrmals erwähnt habe, habe ich kein Interesse Werke klassischer Literatur literaturwissenschaftlich aufzuschlüsseln, ich möchte lediglich darlegen, wie sie auf mich individuell gewirkt haben. So fand ich diesen Roman in vielen Strecken aufgrund der angesprochenen schweren Depression und den Schwierigkeiten der Hauptfigur mit ihrem "Frausein" sehr beklemmend, aber genau dieses Gefühl soll eine solche Lektrüe für mich auch auslösen. So erlag ich schon häufig der Annahme ab dem Jahre 1950 wäre es für die Frauen in unserer Gesellschaft schon längst bergauf gegangen -was faktisch so natürlich auch stimmt-, aber gerade Bücher wie diese legen einem sehr offen, dass es weiterhin einen enormen Konflikt zwischen Selbstverwirklichung und Anpassung gegeben hat. Dieser Umstand mag sich im Laufe der Jahrzehnte dank der vielen feministischen Strömungen abgeschwächt haben, jedoch besteht diese Schwierigkeit in meinen Augen bis heute.
So fällt es mir überhaupt nicht schwer, mich in vielen Überlegungen und Stimmungen von Esther selbst zu finden und mir Probleme vor Augen zu rufen, die ich im Laufe des Erwachsenwerdens mittlerweile eigentlich schon hingenommen hatte. Neben den Schwierigkeiten der weiblichen Selbstfindung -bzw. möglicherweise als darauffolgendes Resultat- nimmt das Thema Depression einen Großteil der Geschichte ein. Gerade wegen der damligen Verhältnisse (das Buch wurde 1963 erstveröffentlicht) wird diese Thematik umso spannender. Mir die damligen Nervenheilanstalten inklusive der Behandlungsmethoden wie Elektroschocks und des Schreckenwortes Lobotomie vorzustellen jagte mir wirklich Schauer über den Rücken.
Plath konnte mich mit ihrer distanzierten, genauen Schreibweise eigentlich ideal an ihre weibliche Hauptfigur heran führen und erinnerte mich im Stil sehr an die Figuren von Brigitte Schwaiger. Diese unglücklichen und zugleich so phlegmatischen Charaktere der Weltliteratur finde ich für sich einfach ebenso faszinierend wie tragisch. Dass die Autorin sich kurz nach Erscheinen ihres Buches das Leben nahm finde ich für die Lektüre dieses Buches auch alles andere als unerheblich. Allerdings sollte ein jeder Leser selbst entscheiden, wie sehr ihn dies beeinflussen möchte.
Wenngleich im Laufe der Jahre nun sowohl in Bezug auf Depressionen, als auch dem Feminismus viele Schritte in die richtige Richtung erfolgt sind, zeigt mir dieses Buch trotzdem -gerade weil ich mich sehr angesprochen fühlte- dass der Fortschritt in beiderlei Hinsicht beiweitem noch nicht abgeschlossen ist.
Ein wirklich schnell lesbarer, ausgesprochen wichtiger Roman, der natürlich sehr beklemmend wirkt, aber gerade damit unheimlich wichtige Themen darstellt.
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Titel: The Bell Jar
Autorin: Sylvia Plath
Verlag: faber and faber
Sprache: Englisch
Taschenbuch: 234 Seiten
Inhalt:
Die 19-jährige Schülerin Esther, die ihr bisheriges Leben stets emsig und strebsam ihre schulischen Ziele verfolgte, verfällt -ihrem neuem Leben ausgesetzt- einer schweren Depression. Die Ursachen finden sich keineswegs individuell sondern vielmehr gesellschaftlich begründet. Ihren Krankheitsverlauf beschreibt sie dabei auf anschauliche Art und Weise.
Mistys Meinung:
Seit Jahren, Jahren, Jahren, Jahren habe ich dieses Buch bereits auf meiner "MUSS!"-Leseliste und doch habe ich es erst in meiner diesjährigen Klassiker-Phase erst geschafft es überhaupt einmal zu besorgen. Einmal in Händen hatte ich es dafür dann innerhalb von zwei Tagen -trotz normaler Arbeitszeit- ausgelesen. Eigentlich zieht es mich immer wieder sehr stark zu solch interessanter aber natürlich auch sehr schwerer Frauenliteratur (da ich ja auch sehr von Bachmann, Mitgutsch, Brigitte Schwaiger angezogen fühle).
Lesern genannter Autorinnen kann ich dieses Büchlein auf jeden Fall auch empfehlen. Ich persönlich muss zwar psychisch in guter Verfassung sein, dass ich eine solche Erzählung vertrage, wenn dies der Fall ist werde ich von vielen Passagen enorm angesprochen.Wie ich schon mehrmals erwähnt habe, habe ich kein Interesse Werke klassischer Literatur literaturwissenschaftlich aufzuschlüsseln, ich möchte lediglich darlegen, wie sie auf mich individuell gewirkt haben. So fand ich diesen Roman in vielen Strecken aufgrund der angesprochenen schweren Depression und den Schwierigkeiten der Hauptfigur mit ihrem "Frausein" sehr beklemmend, aber genau dieses Gefühl soll eine solche Lektrüe für mich auch auslösen. So erlag ich schon häufig der Annahme ab dem Jahre 1950 wäre es für die Frauen in unserer Gesellschaft schon längst bergauf gegangen -was faktisch so natürlich auch stimmt-, aber gerade Bücher wie diese legen einem sehr offen, dass es weiterhin einen enormen Konflikt zwischen Selbstverwirklichung und Anpassung gegeben hat. Dieser Umstand mag sich im Laufe der Jahrzehnte dank der vielen feministischen Strömungen abgeschwächt haben, jedoch besteht diese Schwierigkeit in meinen Augen bis heute.
So fällt es mir überhaupt nicht schwer, mich in vielen Überlegungen und Stimmungen von Esther selbst zu finden und mir Probleme vor Augen zu rufen, die ich im Laufe des Erwachsenwerdens mittlerweile eigentlich schon hingenommen hatte. Neben den Schwierigkeiten der weiblichen Selbstfindung -bzw. möglicherweise als darauffolgendes Resultat- nimmt das Thema Depression einen Großteil der Geschichte ein. Gerade wegen der damligen Verhältnisse (das Buch wurde 1963 erstveröffentlicht) wird diese Thematik umso spannender. Mir die damligen Nervenheilanstalten inklusive der Behandlungsmethoden wie Elektroschocks und des Schreckenwortes Lobotomie vorzustellen jagte mir wirklich Schauer über den Rücken.
Plath konnte mich mit ihrer distanzierten, genauen Schreibweise eigentlich ideal an ihre weibliche Hauptfigur heran führen und erinnerte mich im Stil sehr an die Figuren von Brigitte Schwaiger. Diese unglücklichen und zugleich so phlegmatischen Charaktere der Weltliteratur finde ich für sich einfach ebenso faszinierend wie tragisch. Dass die Autorin sich kurz nach Erscheinen ihres Buches das Leben nahm finde ich für die Lektüre dieses Buches auch alles andere als unerheblich. Allerdings sollte ein jeder Leser selbst entscheiden, wie sehr ihn dies beeinflussen möchte.
Wenngleich im Laufe der Jahre nun sowohl in Bezug auf Depressionen, als auch dem Feminismus viele Schritte in die richtige Richtung erfolgt sind, zeigt mir dieses Buch trotzdem -gerade weil ich mich sehr angesprochen fühlte- dass der Fortschritt in beiderlei Hinsicht beiweitem noch nicht abgeschlossen ist.
Fazit:
Ein wirklich schnell lesbarer, ausgesprochen wichtiger Roman, der natürlich sehr beklemmend wirkt, aber gerade damit unheimlich wichtige Themen darstellt.
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Titel: The Bell Jar
Autorin: Sylvia Plath
Verlag: faber and faber
Sprache: Englisch
Taschenbuch: 234 Seiten
Sonntag, 8. Mai 2016
Sternstunden der Menschheit [Rezension]
Zwar bin ich im Mai noch nicht wirklich zum Bloggen gekommen, dafür habe ich in der letzten Woche tatsächlich schon zwei Bücher gelesen. Somit war der Monat bis jetzt vollkommen nach meinem Geschmack. Sonnenstunden auf dem Balkon sorgten jedenfalls dafür, dass ich stets ein Buch brauchte, um mein Gesicht vor der Sonne abzuschirmen. Und da ich von meinem Balkon aus einen wunderbaren Blick auf den Kapuzinerberg habe, wurde es wieder einmal Zeit ein wenig Stefan Zweig zu lesen, der auch schon dort oben residierte.
Dieses Buch ist eine kleine Sammlung an 14 Kurzkapiteln, die sich jeweils den wichtigsten Entdeckungs-/Erfindungs- und Schaffensperioden berühmter Menschen widmet. Stefan Zweig pickt sich dabei wirklich nur ausschnitthaft die wichtigsten Momente der jeweiligen Persönlichkeiten heraus, die dazu führten, dass derjenige für immer in die Geschichte der Menschheit einging.
Klassische Literatur habe ich in letzter Zeit wirklich sehr vernachlässigt, zu groß ist der Sog rund um die Neuerscheinungen der Unterhaltungsliteratur (die ich ja enorm liebe und hoch schätze). Doch zu diesem wundervollen Buch musste ich mir spontan aus der Arbeit mit nach Hause nehmen, um es sogleich "ein wenig" anzulesen. Aus dem wenigen wurde natürlich schnell mehr und es dauerte kaum ein Wochenende, da hatte ich es auch schon ausgelesen.
Ich schätze den Schreibstil Zweigs wirklich sehr und konnte seine wunderbare, gewählte Sprache nebst den vielen abenteuerlichen Romanen der letzten Zeit wirklich sehr schätzen. Zudem sind auch viele Geschichten dieses Buches sehr abenteuerlich von ihm inszeniert! Literatur, die sich der Menschheitsgeschichte widmet wird mitunter schnell einmal unterstellt, sie sei trocken. Dieses Vorurteil trifft in keiner Hinsicht auf dieses Werk zu, es wirft dem Leser nämlich förmlich die Wellen des letzten entdeckten Ozeans vor die Füße (...soll heißen: nicht trocken!).
Zweig gelingt es wirklich sehr gut die Charaktere und Stimmungen der Zeit wiederzubeleben und den Leser für die Ereignisse zu begeistern und gleichzeitig gut recherchiertes Wissen zu transportieren. Besonders spannend fand ich dabei, dass er sich nicht nur auf die allbekannten großen künsterlischen/kriegerischen/erfinderischen Genies konzentriert, sondern auch für einige "Nebencharaktere" der Geschichte viel Platz einräumt. Selbst wenn man sich in der Schule freudig in dieses Fach gestürzt hat, so würde ich doch behaupten, dass den wenigsten bekannt sein dürfte, wer eigentlich der wirkliche Verfasser der Marseillaise gewesen ist. Irre ich?
Einzig bei den Schriftstellern bzw. Dichtern übertreibt er es meiner Ansicht nach ein wenig mit seinem Pathos. Ein großes Maß an Wertschätzung und Ehre sei einem Goethe natürlich immer entgegen gebracht, nur ergießt Zweig sich wirklich sehr in seiner grenzenlosen Begeisterung gegenüber dessen Schaffen und was er glaubt, dass den großen Dichter dazu bewegt haben mag. Die überschwänglichen Lobesworte muss man als Lesern dann wohl mit einem Schmunzeln hinnehmen (so habe ich es zumindest getan). Bei den anderen historischen Figuren konnte er mich dafür derart mit seiner Begeisterung anstecken, dass ich selbst um jene Momente bangte, da ich doch genau den Ausgang kannte. Genau das macht dann in meinen Augen einen wirklich guten Erzähler aus; eine bzw. die Geschichte so gut widerbeleben zu können, dass man wiederholt mitgerissen wird und nicht umhin kommt mitzufühlen.
Eine wundervoll gelungene Aufstellung geschichtlicher Ereignisse, die zwar sehr viel Information bieten, aber dabei gleichzeitig so abenteuerlich geschildert wird, dass man sich ihr kaum entziehen kann.
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Titel: Sternstunden der Menschheit
Autor: Stefan Zweig
Verlag: Marix
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Inhalt:
Dieses Buch ist eine kleine Sammlung an 14 Kurzkapiteln, die sich jeweils den wichtigsten Entdeckungs-/Erfindungs- und Schaffensperioden berühmter Menschen widmet. Stefan Zweig pickt sich dabei wirklich nur ausschnitthaft die wichtigsten Momente der jeweiligen Persönlichkeiten heraus, die dazu führten, dass derjenige für immer in die Geschichte der Menschheit einging.
Mistys Meinung:
Klassische Literatur habe ich in letzter Zeit wirklich sehr vernachlässigt, zu groß ist der Sog rund um die Neuerscheinungen der Unterhaltungsliteratur (die ich ja enorm liebe und hoch schätze). Doch zu diesem wundervollen Buch musste ich mir spontan aus der Arbeit mit nach Hause nehmen, um es sogleich "ein wenig" anzulesen. Aus dem wenigen wurde natürlich schnell mehr und es dauerte kaum ein Wochenende, da hatte ich es auch schon ausgelesen.
Ich schätze den Schreibstil Zweigs wirklich sehr und konnte seine wunderbare, gewählte Sprache nebst den vielen abenteuerlichen Romanen der letzten Zeit wirklich sehr schätzen. Zudem sind auch viele Geschichten dieses Buches sehr abenteuerlich von ihm inszeniert! Literatur, die sich der Menschheitsgeschichte widmet wird mitunter schnell einmal unterstellt, sie sei trocken. Dieses Vorurteil trifft in keiner Hinsicht auf dieses Werk zu, es wirft dem Leser nämlich förmlich die Wellen des letzten entdeckten Ozeans vor die Füße (...soll heißen: nicht trocken!).
Zweig gelingt es wirklich sehr gut die Charaktere und Stimmungen der Zeit wiederzubeleben und den Leser für die Ereignisse zu begeistern und gleichzeitig gut recherchiertes Wissen zu transportieren. Besonders spannend fand ich dabei, dass er sich nicht nur auf die allbekannten großen künsterlischen/kriegerischen/erfinderischen Genies konzentriert, sondern auch für einige "Nebencharaktere" der Geschichte viel Platz einräumt. Selbst wenn man sich in der Schule freudig in dieses Fach gestürzt hat, so würde ich doch behaupten, dass den wenigsten bekannt sein dürfte, wer eigentlich der wirkliche Verfasser der Marseillaise gewesen ist. Irre ich?
Einzig bei den Schriftstellern bzw. Dichtern übertreibt er es meiner Ansicht nach ein wenig mit seinem Pathos. Ein großes Maß an Wertschätzung und Ehre sei einem Goethe natürlich immer entgegen gebracht, nur ergießt Zweig sich wirklich sehr in seiner grenzenlosen Begeisterung gegenüber dessen Schaffen und was er glaubt, dass den großen Dichter dazu bewegt haben mag. Die überschwänglichen Lobesworte muss man als Lesern dann wohl mit einem Schmunzeln hinnehmen (so habe ich es zumindest getan). Bei den anderen historischen Figuren konnte er mich dafür derart mit seiner Begeisterung anstecken, dass ich selbst um jene Momente bangte, da ich doch genau den Ausgang kannte. Genau das macht dann in meinen Augen einen wirklich guten Erzähler aus; eine bzw. die Geschichte so gut widerbeleben zu können, dass man wiederholt mitgerissen wird und nicht umhin kommt mitzufühlen.
Fazit:
Eine wundervoll gelungene Aufstellung geschichtlicher Ereignisse, die zwar sehr viel Information bieten, aber dabei gleichzeitig so abenteuerlich geschildert wird, dass man sich ihr kaum entziehen kann.
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Titel: Sternstunden der Menschheit
Autor: Stefan Zweig
Verlag: Marix
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Samstag, 11. April 2015
Judas [Rezension]
Wenn ich auch schon wieder mal nicht selbst auf die Leipziger Buchmesse fahren konnte, so habe ich es dieses Jahr zumindest geschafft, einen der Messegewinner zu lesen. Judas kommt aus der Kategorie der besten Übersetzung und konnte mich so ein wenig darüber hinweg trösten, dass ich zuhause bleiben musste, während andere die Messe in vollen Zügen genießen konnten.
Das Leben des jungen Studenten Schmuel Asch ändert sich mit einem Male, als ihn seine Freundin im Winter 1959 verlässt, um ihren Exfreund zu heiraten und gleichzeitig müssen Schmuels Eltern die finanzielle Unterstützung für sein Studium streichen. Aus der Not heraus nimmt er daher eine Anstellung in einem alten jerusalemer Haus an, die darin besteht, dass er den alten Hausherrn pflegt und ihm Gesellschaft leistet. Dadurch findet er wieder die Gelegenheit sich mit seiner Forschungsarbeit "Jesus in der Perspektive der Juden" zu beschäftigen und findet in dem alten Mann einen rhetorischen Widersacher.
Ich selbst habe mich bisher ehrlich gesagt noch recht wenig mit dem Judentum beschäftigt und mein weniges Wissen beschränkt sich auf den kurzen Jiddisch-Unterricht, den ich auf der Universität einmal versucht habe. Insofern enthielt dieses Buch viele wissenswerte Informationen und der Autor geht mithilfe seiner Figuren der Frage nach, ob sich ein Jerusalemer Judenstaat friedvoll hätte errichten lassen und geht in den Argumentationen dabei bis zu den Ursprüngen des Neuen Testaments zurück. Diese Aufbearbeitung hielt ich für sehr gelungen, wobei ich zugegebenermaßen nicht alle Themengebiete davon verstanden habe - doch der Autor nennt einige Quellen, mit denen man sich als Leser im Anschluss durchaus noch beschäftigen könnte.
Abgesehen von diesen recht geschickt verarbeiteten Fragestellungen ist dieses Wekr vor allem aber auch ein fiktiver Roman, der seine Figuren, darunter natürlich vor allem den Protagonisten Schmuel, vielfältig auftreten lässt. Schmuel ist ein liebenswerter Antiheld, dessen Marotten man zu schätzen lernt, wobei man nicht umhin kommt ihn für seine Lage mehrfach zu bemitleiden. Interessant und gleichzeitig abwechslungsreich fand ich es, dass der Autor dank der Figur von Atalja (die verwitwete Schwiegertochter des Mannes in dessen Haus Schmuel einzieht) auch eine Liebesgeschichte in die Handlung einflicht, wodurch ein spannender und zugleich irgendwie merkwürdiger Konstrast zum restlichen Inhalt geschaffen wird. Diese Beziehung wirkt jedoch nicht profan, vielmehr wird sie den zu den den vielen Konflikten von Schmuel hinzugefügt.
Dies alles geschieht jedenfalls in einer für mich recht faszinierenden und schönen Sprache, definitiv ein Lob also für die Übersetzerin - ich kann mich nicht erinnern schonmal eine Übersetzung aus dem Hebräischen gelesen zu haben, aber dieses Werk ist im Deutschen sehr schön zu lesen.
Für diese hochinteressante, inhaltlich sowieso sprachlich etwas andere Geschichte sollte man sich definitiv ein wenig Zeit nehmen, um all den informationsreichen Diskussionen der Figuren und deren politischen Umfeld folgen zu können, dann kommt man als Leser auf jeden Fall auf seine Kosten.
Ein sowohl sprachlich als auch inhaltlich sehr interessantes Buch, dessen Figuren und Inhalt zum Nachdenken anregen und viel spannende Informationen für den Lesen bereit halten.
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Titel: Judas
Autor: Amos Oz
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 335 Seiten
Inhalt:
Das Leben des jungen Studenten Schmuel Asch ändert sich mit einem Male, als ihn seine Freundin im Winter 1959 verlässt, um ihren Exfreund zu heiraten und gleichzeitig müssen Schmuels Eltern die finanzielle Unterstützung für sein Studium streichen. Aus der Not heraus nimmt er daher eine Anstellung in einem alten jerusalemer Haus an, die darin besteht, dass er den alten Hausherrn pflegt und ihm Gesellschaft leistet. Dadurch findet er wieder die Gelegenheit sich mit seiner Forschungsarbeit "Jesus in der Perspektive der Juden" zu beschäftigen und findet in dem alten Mann einen rhetorischen Widersacher.
Mistys Meinung:
Ich selbst habe mich bisher ehrlich gesagt noch recht wenig mit dem Judentum beschäftigt und mein weniges Wissen beschränkt sich auf den kurzen Jiddisch-Unterricht, den ich auf der Universität einmal versucht habe. Insofern enthielt dieses Buch viele wissenswerte Informationen und der Autor geht mithilfe seiner Figuren der Frage nach, ob sich ein Jerusalemer Judenstaat friedvoll hätte errichten lassen und geht in den Argumentationen dabei bis zu den Ursprüngen des Neuen Testaments zurück. Diese Aufbearbeitung hielt ich für sehr gelungen, wobei ich zugegebenermaßen nicht alle Themengebiete davon verstanden habe - doch der Autor nennt einige Quellen, mit denen man sich als Leser im Anschluss durchaus noch beschäftigen könnte.
Abgesehen von diesen recht geschickt verarbeiteten Fragestellungen ist dieses Wekr vor allem aber auch ein fiktiver Roman, der seine Figuren, darunter natürlich vor allem den Protagonisten Schmuel, vielfältig auftreten lässt. Schmuel ist ein liebenswerter Antiheld, dessen Marotten man zu schätzen lernt, wobei man nicht umhin kommt ihn für seine Lage mehrfach zu bemitleiden. Interessant und gleichzeitig abwechslungsreich fand ich es, dass der Autor dank der Figur von Atalja (die verwitwete Schwiegertochter des Mannes in dessen Haus Schmuel einzieht) auch eine Liebesgeschichte in die Handlung einflicht, wodurch ein spannender und zugleich irgendwie merkwürdiger Konstrast zum restlichen Inhalt geschaffen wird. Diese Beziehung wirkt jedoch nicht profan, vielmehr wird sie den zu den den vielen Konflikten von Schmuel hinzugefügt.
Dies alles geschieht jedenfalls in einer für mich recht faszinierenden und schönen Sprache, definitiv ein Lob also für die Übersetzerin - ich kann mich nicht erinnern schonmal eine Übersetzung aus dem Hebräischen gelesen zu haben, aber dieses Werk ist im Deutschen sehr schön zu lesen.
Für diese hochinteressante, inhaltlich sowieso sprachlich etwas andere Geschichte sollte man sich definitiv ein wenig Zeit nehmen, um all den informationsreichen Diskussionen der Figuren und deren politischen Umfeld folgen zu können, dann kommt man als Leser auf jeden Fall auf seine Kosten.
Fazit:
Ein sowohl sprachlich als auch inhaltlich sehr interessantes Buch, dessen Figuren und Inhalt zum Nachdenken anregen und viel spannende Informationen für den Lesen bereit halten.
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Titel: Judas
Autor: Amos Oz
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 335 Seiten
Montag, 19. Januar 2015
Die Blechtrommel [Rezension]
Manche Bücher hat man einfach jahrelang ungelesen im Regal stehen und freundet sich bereits mit der Befürchtung an, dass sie diesen Status auf ewig behalten werden. Dann jedoch folgt man einem spontanen Anreiz und zieht den traurigen SuBler plötzlich doch ganz motiviert aus dem Regal. In meinem Falle wollte ich der "Ran an den Sub"-Challenge nachkommen, die für den Januar nunmal Wälzer vorsieht. Mit 778 Seiten darf sich nämlich auch dieses Buch so titulieren.
Als Oskar seinen Eltern, die beide Kolonialwarenhändler sind, geboren wird, legen diese auch bereits seine Zunkunft fest; sobald er groß ist, soll er das elterliche Geschäft übernehmen. In seinem dritten Lebensjahr jedoch beschließt Oskar diesem Schicksal zu entgehen, indem er schlichtweg sein Wachstum einstellt, da er keine Lust empfindet je der Welt der Erwachsenen anzugehören. Während seine Umwelt recht unglücklich über seinen Zustand ist, zieht zufrieden mit sich und seiner Blechtrommel umher und ist selbst immer wieder der Auslöser für allerlei Unglück.
Eigentlich hätte ich dieses Buch bereits zu Beginn meines Studiums lesen sollen und nicht erst jetzt, da ich dieses bereits vor einer Weile abgeschlossen habe. Allerdings war mir ein Großteil der Geschichte um Oskar bereits aus der Schule bekannt und so habe ich mich anderen Bücher zugewandt, die mir unbekannt waren. Aus schlechtem Gewissen heraus, habe ich jedoch bereits einmal das Günter Grass Lesebuch gelesen, das vor allem auch einige politische Texte des Autors enthält. Schon damals war ich von seiner Sprache angetan und diese Erfahrung motivierte mich ebenfalls zur Blechtrommel zu greifen.
Auch diesmal konnte ich mich von Beginn an an der wunderbaren Sprache des Autors erfreuen und diese Freude hielt sich auch das ganze Buch über. Nach vielen Jugendbüchern und allerlei Abenteuerliteratur ist ein solcher Schriftsteller wie Günter Grass nunmal unverkennbar genial in seinem Schreibstil. Neben seinen gelungenen, langen Satzkonstruktionen haftet sehr vielen Passagen immer auch einiges an (Wort-)Witz an, was den Lesefluss sehr erleichtert und voran treibt. Seine Beschreibungen sind dabei meist sehr genau bishin zu minutiös, doch wirken sie auf mich keineswegs ausufernd, sondern sorgen dafür, dass man als Leser die Welt von Oskar sehr intensiv miterlebt. Etwas überrascht war ich, dass der Autor bzw. die Figur auch nicht vor obszönen Bemerkungen und Begriffen halt macht, doch auch diese entbehrten meist nicht eines gewissen Sprachwitzes und werden auch oft geschickt mit Metaphern ausgeschmückt.
Was die Figuren betrifft, sind diese ebenso gelungen und dank der vielen Beschreibungen sehr gut greifbar mit ihren individuellen Besonderheiten und Schwächen. Ich komme wohl nicht umhin zu erwähnen, dass es sich bei dem Protagonisten Oskar um einen Schelm handelt, allerdings möchte ich mich darin jetzt nicht ergehen, darüber finden sich in zahlreicher Sekundärliteratur trefflichere Ausführungen. Ich habe die Geschichte in gewisserweise auch immer mit einem Blick auf die biographischen Anteile gelesen, wenngleich ich solch eine Lesart eigentlich gerne vermeide. Doch in diesem Fall schienen mir die Beschreibungen von Danzig einfach so persönlich und dabei auch noch so gelungen, dass ich nicht umhin konnte, gewisse Parallelen erkennen zu wollen. Gerade die unschöneren Details der Handlungsumgebung sorgten dafür, dass die Geschichte immer sehr real und keineswegs zu schelmisch wirkte. Gerade durch diesen Umstand erhält sich auch einen mahnenden Charakter.
Trotz all dieser positiver Bemerkungen zum Buch möchte ich darauf hinweisen, dass es mir doch Konzentration abverlangt hat, und ich nach vielen Stellen auch pausieren musste, da man wirklich eine Vielzahl an Eindrücken erhält, die natürlich zum Teil auch schockierend wirken.
Ein überaus gelungenes Stück Literatur, das der Autor mit sehr viel sprachlicher Feinheit und Sinn für widersprüchliche Figuren geschaffen hat. Wenn man sich die Zeit dafür nehmen kann definitiv eine Empfehlung wert!
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Autor: Günter Grass
Titel: Die Blechtrommel
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 778 Seiten
Reiheninfo: Band 1/3 der Danziger Trilogie
Inhalt:
Als Oskar seinen Eltern, die beide Kolonialwarenhändler sind, geboren wird, legen diese auch bereits seine Zunkunft fest; sobald er groß ist, soll er das elterliche Geschäft übernehmen. In seinem dritten Lebensjahr jedoch beschließt Oskar diesem Schicksal zu entgehen, indem er schlichtweg sein Wachstum einstellt, da er keine Lust empfindet je der Welt der Erwachsenen anzugehören. Während seine Umwelt recht unglücklich über seinen Zustand ist, zieht zufrieden mit sich und seiner Blechtrommel umher und ist selbst immer wieder der Auslöser für allerlei Unglück.
Mistys Meinung:
Eigentlich hätte ich dieses Buch bereits zu Beginn meines Studiums lesen sollen und nicht erst jetzt, da ich dieses bereits vor einer Weile abgeschlossen habe. Allerdings war mir ein Großteil der Geschichte um Oskar bereits aus der Schule bekannt und so habe ich mich anderen Bücher zugewandt, die mir unbekannt waren. Aus schlechtem Gewissen heraus, habe ich jedoch bereits einmal das Günter Grass Lesebuch gelesen, das vor allem auch einige politische Texte des Autors enthält. Schon damals war ich von seiner Sprache angetan und diese Erfahrung motivierte mich ebenfalls zur Blechtrommel zu greifen.
Auch diesmal konnte ich mich von Beginn an an der wunderbaren Sprache des Autors erfreuen und diese Freude hielt sich auch das ganze Buch über. Nach vielen Jugendbüchern und allerlei Abenteuerliteratur ist ein solcher Schriftsteller wie Günter Grass nunmal unverkennbar genial in seinem Schreibstil. Neben seinen gelungenen, langen Satzkonstruktionen haftet sehr vielen Passagen immer auch einiges an (Wort-)Witz an, was den Lesefluss sehr erleichtert und voran treibt. Seine Beschreibungen sind dabei meist sehr genau bishin zu minutiös, doch wirken sie auf mich keineswegs ausufernd, sondern sorgen dafür, dass man als Leser die Welt von Oskar sehr intensiv miterlebt. Etwas überrascht war ich, dass der Autor bzw. die Figur auch nicht vor obszönen Bemerkungen und Begriffen halt macht, doch auch diese entbehrten meist nicht eines gewissen Sprachwitzes und werden auch oft geschickt mit Metaphern ausgeschmückt.
Was die Figuren betrifft, sind diese ebenso gelungen und dank der vielen Beschreibungen sehr gut greifbar mit ihren individuellen Besonderheiten und Schwächen. Ich komme wohl nicht umhin zu erwähnen, dass es sich bei dem Protagonisten Oskar um einen Schelm handelt, allerdings möchte ich mich darin jetzt nicht ergehen, darüber finden sich in zahlreicher Sekundärliteratur trefflichere Ausführungen. Ich habe die Geschichte in gewisserweise auch immer mit einem Blick auf die biographischen Anteile gelesen, wenngleich ich solch eine Lesart eigentlich gerne vermeide. Doch in diesem Fall schienen mir die Beschreibungen von Danzig einfach so persönlich und dabei auch noch so gelungen, dass ich nicht umhin konnte, gewisse Parallelen erkennen zu wollen. Gerade die unschöneren Details der Handlungsumgebung sorgten dafür, dass die Geschichte immer sehr real und keineswegs zu schelmisch wirkte. Gerade durch diesen Umstand erhält sich auch einen mahnenden Charakter.
Trotz all dieser positiver Bemerkungen zum Buch möchte ich darauf hinweisen, dass es mir doch Konzentration abverlangt hat, und ich nach vielen Stellen auch pausieren musste, da man wirklich eine Vielzahl an Eindrücken erhält, die natürlich zum Teil auch schockierend wirken.
Fazit:
Ein überaus gelungenes Stück Literatur, das der Autor mit sehr viel sprachlicher Feinheit und Sinn für widersprüchliche Figuren geschaffen hat. Wenn man sich die Zeit dafür nehmen kann definitiv eine Empfehlung wert!
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Autor: Günter Grass
Titel: Die Blechtrommel
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 778 Seiten
Reiheninfo: Band 1/3 der Danziger Trilogie
Donnerstag, 13. November 2014
Das Ungeheuer [Rezension]
Da suche ich einige Zeit auf diversen Buchseiten nach einem Buch, das den Tag "Roadtrip" für meine Challenge trägt und dann entdecke ich zufällig, dass ich ja bereits ein Buch angelesen habe, welches ja genau einen solchen Roadtrip enthält. Allerdings ist mir das zunächst gar nicht aufgefallen, da es grundsätzlich einen sehr ernsten Inhalt hat, was jedoch auch nichts daran ändert, dass die Hauptfigur das ganze Buch mit dem Auto durch die Gegend reist. Somit also ein weiterer Challengepunkt abgeschlossen.
Nach dem Selbstmord seiner Frau gibt sich Darius Kopp zunächst ganz seinem Kummer hin, wird lethargisch und verlässt das Haus nicht mehr. Nach einem Jahr macht er sich jedoch mit ihrer Asche auf um sie an einem passenden Ort zu verstreuen. Auf seiner Reise erfährt der Leser Stück für Stück über die Vergangenheit der beiden tragischen Figuren.
Ich fand dieses Buch eigentlich von Anfang an sehr faszinierend und war besonders vom eigentümlichen Format begeistert. Zunächst war ich sehr verwundert, warum denn die Seiten nur in der oberen Hälfte bedruckt waren, bis ich feststellte, dass an manchen Stellen des Buches auch die untere Seite -abgetrennt von der oberen- gefüllt ist und zwar mit der Geschichte der weiblichen Hauptfigur, sodass auch sie zur Sprache kommt.
Eine solche tolle Aufteilung ist mir bisher noch nie begnet und ich finde die Idee wirklich brilliant, wobei sie den Leser natürlich vor die knifflige Entscheidung stellt, wie man beim Lesen denn nun vorgehen soll. Zunächst den gesamten Teil des männlichen Protagonisten lesen, oder eher etappenweise von beiden? Ich denke es ist egal für welche Lesart man sich schließlich entscheidet, die Geschichte funktioniert in jedem Fall sehr gut. Allerdings ist sie auch von einer Schwere, die mich zunächst mehrmals so einschüchterte, dass ich das Buch einige Zeit wieder zur Seite legte.
Das Kernthema dieses Buches ist nämlich die schwere Depression, an der Flora, die Frau von Darius leidet und entsprechend traurig und hoffnungslos erscheinen auch jene Teile des Buchs, die aus ihrer Sicht beschrieben sind. Zudem ist auch Darius kein positiver Gegenpol, auch er verliert sich in seiner Verwirrung und Hoffnungsloskeit. Die Autorin beschreibt dies jedoch auf sehr wunderbare Art und Weise, sodass mich ihre Ausführungen wirklich sehr fesseln konnten. Ich musste mich dabei mehrmals wundern, ob sie selbst schon persönlich mit dem Thema in Berührung gekommen ist, oder sich einfach nur wirklich gut informiert hat. Es geht mir bei dieser Frage nicht darum, ob sich ein biographischer Anteil von ihr finden lässt, sondern mir selbst lief an manchen Stellen eine Gänsehaut über den Rücken, so treffend waren die Gedanken und die Verzweiflung von Flora formuliert. Ich denke sehr viele Leser, die selbst davon betroffen sind oder waren, werden sich sehr gut mit zahlreichen Textpassagen identifizieren können.
Neben den vielen traurigen Beschreibungen, die man von Floras Beschreibungen erhält finden sich jedoch auch einige treffende zynische Bemerkungen, die -zumindest in dieser Geschichte- aufzeigen, wie einem Menschen in ihrer Situation von Seiten der Gesellschaft begegnet wird. Auf jeden Fall auch eine Anregung zum Nachdenken wert.
Überaus interessante Aufteilung der Geschichte zweier Figuren, die auf ihre Art versuchen sich dem Leben zu stellen. Für jeden, den das Thema der Depression nicht abschreckt eine interessante (Lese-)Erfahrung.
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Titel: Das Ungeheuer
Autorin: Thérezia Mora
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 688 Seiten
Inhalt:
Nach dem Selbstmord seiner Frau gibt sich Darius Kopp zunächst ganz seinem Kummer hin, wird lethargisch und verlässt das Haus nicht mehr. Nach einem Jahr macht er sich jedoch mit ihrer Asche auf um sie an einem passenden Ort zu verstreuen. Auf seiner Reise erfährt der Leser Stück für Stück über die Vergangenheit der beiden tragischen Figuren.
Mistys Meinung:
Ich fand dieses Buch eigentlich von Anfang an sehr faszinierend und war besonders vom eigentümlichen Format begeistert. Zunächst war ich sehr verwundert, warum denn die Seiten nur in der oberen Hälfte bedruckt waren, bis ich feststellte, dass an manchen Stellen des Buches auch die untere Seite -abgetrennt von der oberen- gefüllt ist und zwar mit der Geschichte der weiblichen Hauptfigur, sodass auch sie zur Sprache kommt.
Eine solche tolle Aufteilung ist mir bisher noch nie begnet und ich finde die Idee wirklich brilliant, wobei sie den Leser natürlich vor die knifflige Entscheidung stellt, wie man beim Lesen denn nun vorgehen soll. Zunächst den gesamten Teil des männlichen Protagonisten lesen, oder eher etappenweise von beiden? Ich denke es ist egal für welche Lesart man sich schließlich entscheidet, die Geschichte funktioniert in jedem Fall sehr gut. Allerdings ist sie auch von einer Schwere, die mich zunächst mehrmals so einschüchterte, dass ich das Buch einige Zeit wieder zur Seite legte.
Das Kernthema dieses Buches ist nämlich die schwere Depression, an der Flora, die Frau von Darius leidet und entsprechend traurig und hoffnungslos erscheinen auch jene Teile des Buchs, die aus ihrer Sicht beschrieben sind. Zudem ist auch Darius kein positiver Gegenpol, auch er verliert sich in seiner Verwirrung und Hoffnungsloskeit. Die Autorin beschreibt dies jedoch auf sehr wunderbare Art und Weise, sodass mich ihre Ausführungen wirklich sehr fesseln konnten. Ich musste mich dabei mehrmals wundern, ob sie selbst schon persönlich mit dem Thema in Berührung gekommen ist, oder sich einfach nur wirklich gut informiert hat. Es geht mir bei dieser Frage nicht darum, ob sich ein biographischer Anteil von ihr finden lässt, sondern mir selbst lief an manchen Stellen eine Gänsehaut über den Rücken, so treffend waren die Gedanken und die Verzweiflung von Flora formuliert. Ich denke sehr viele Leser, die selbst davon betroffen sind oder waren, werden sich sehr gut mit zahlreichen Textpassagen identifizieren können.
Neben den vielen traurigen Beschreibungen, die man von Floras Beschreibungen erhält finden sich jedoch auch einige treffende zynische Bemerkungen, die -zumindest in dieser Geschichte- aufzeigen, wie einem Menschen in ihrer Situation von Seiten der Gesellschaft begegnet wird. Auf jeden Fall auch eine Anregung zum Nachdenken wert.
Fazit:
Überaus interessante Aufteilung der Geschichte zweier Figuren, die auf ihre Art versuchen sich dem Leben zu stellen. Für jeden, den das Thema der Depression nicht abschreckt eine interessante (Lese-)Erfahrung.
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Titel: Das Ungeheuer
Autorin: Thérezia Mora
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 688 Seiten
Mittwoch, 24. September 2014
Siddhartha [Rezension]
Für meine zweite Wortkur nach Camus entschied ich mich ohne lange zu überlegen für Herman Hesse. Ich liebe die Sprache in seinen Büchern schlichtweg und war mir auch bei diesem Buch sicher, dass ich diesbezüglich auf meine Kosten kommen würde.
Der junge Siddhartha lebt in Indien als Sohn eines Brahmanen und ist für die anderen, insbesondere seinen loyalen Freund Govina eine besondere Ausnahme an Begabtheit dar. Er selbst ist jedoch trotz seines Lernfortschritts mit sich selbst nicht zufrieden und entscheidet sich dafür sein Zuhause zu verlassen und sich einer Gruppe von Asketen anzuschließen. Einzig sein treuer Freund Govina begleitet ihn auf diese Reise, deren Ziel das Nirwana sein soll.
Ich muss gestehen, dass ich gleich zu Beginn überfordert war von den vielen Begriffen, die sich auf die indische Kultur und Religion beziehen. Im Gegensatz zu Hesse verfüge ich auch über keinerlei Wissen über buddhistisches und taoistisches Gedankengut und in dieser Hinsicht erschien mir die Geschichte auch recht fremd. Allerdings könnte ich mir auch keine bessere Einführung als durch Herman Hesse wünschen.
Sprachlich ist die Geschichte natürlich wie immer einwandfrei und ich habe mir wie üblich zahlreiche schöne Formulierungen unterstrichen. Auch diese Erzählung ist mit vielen philosophischen Gedanken gespickt und einige Passagen musste ich mir dabei mehrmals durchlesen, um den Ideen folgen zu können, fühlte mich jedoch nur mit ganz wenigen überfordert. Ich denke der Autor hat darauf geachtet die altindische Philosophie vereinfacht darzustellen, was mithilfe der Figuren auch sehr gut funktioniert.
Die beiden Hauptfiguren Siddhartha und Govina hatten für mich gerade in ihrer Verbundenheit eine große Ähnlichkeit zu Narziß und Goldmund, was ihnen für mich definitiv zu Gute kam, da dieses Buch zu meinen großen Lieblingen gehört. Wie auch in diesem hat es mich erstaunt mit wieviel versteckter und offener Erotik der Autor seine Figuren versieht. Merkwürdigerweise bin ich -trotz sovieler gegenteiliger Erfahrungen- noch immer der Ansicht die Literatur vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wäre vollkommen von Keuschheit geprägt gewesen. Sollte jemand ebenfalls diesem "falschen" Glauben erlegen sein kann ich wirklich nur Hesse empfehlen.
Eine wunderbare kleine Einführung in die altindische Philosophie durch den sprachlichen Meister Hesse. Sofern man ein wenig Konzentration aufbringen möchte sehr empfehlenswert!
"»Frage den Fluß darüber, Freund! Höre ihn darüber lachen! Glaubst du denn wirklich, daß du deine Torheiten begangen habest, um sie dem Sohn zu ersparen? [...]Glaubst du denn, Lieber, dieser Weg bleibe irgend jemanden vielleicht erspart? Vielleicht deinem Söhnchen, weil du es liebst, weil du ihm gern Leid und Schmerz und Enttäuschung ersparen möchtest? Aber auch wenn du zehnmal für ihn stürbest, würdest du ihm nicht den kleinsten Teil seines Schicksals abnehmen können.«"*
*Hermann Hesse: Siddhartha. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2013, S.97 f.
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Titel: Siddhartha
Autor: Herman Hesse
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 121 Seiten
Inhalt:
Der junge Siddhartha lebt in Indien als Sohn eines Brahmanen und ist für die anderen, insbesondere seinen loyalen Freund Govina eine besondere Ausnahme an Begabtheit dar. Er selbst ist jedoch trotz seines Lernfortschritts mit sich selbst nicht zufrieden und entscheidet sich dafür sein Zuhause zu verlassen und sich einer Gruppe von Asketen anzuschließen. Einzig sein treuer Freund Govina begleitet ihn auf diese Reise, deren Ziel das Nirwana sein soll.
Mistys Meinung:
Ich muss gestehen, dass ich gleich zu Beginn überfordert war von den vielen Begriffen, die sich auf die indische Kultur und Religion beziehen. Im Gegensatz zu Hesse verfüge ich auch über keinerlei Wissen über buddhistisches und taoistisches Gedankengut und in dieser Hinsicht erschien mir die Geschichte auch recht fremd. Allerdings könnte ich mir auch keine bessere Einführung als durch Herman Hesse wünschen.
Sprachlich ist die Geschichte natürlich wie immer einwandfrei und ich habe mir wie üblich zahlreiche schöne Formulierungen unterstrichen. Auch diese Erzählung ist mit vielen philosophischen Gedanken gespickt und einige Passagen musste ich mir dabei mehrmals durchlesen, um den Ideen folgen zu können, fühlte mich jedoch nur mit ganz wenigen überfordert. Ich denke der Autor hat darauf geachtet die altindische Philosophie vereinfacht darzustellen, was mithilfe der Figuren auch sehr gut funktioniert.
Die beiden Hauptfiguren Siddhartha und Govina hatten für mich gerade in ihrer Verbundenheit eine große Ähnlichkeit zu Narziß und Goldmund, was ihnen für mich definitiv zu Gute kam, da dieses Buch zu meinen großen Lieblingen gehört. Wie auch in diesem hat es mich erstaunt mit wieviel versteckter und offener Erotik der Autor seine Figuren versieht. Merkwürdigerweise bin ich -trotz sovieler gegenteiliger Erfahrungen- noch immer der Ansicht die Literatur vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wäre vollkommen von Keuschheit geprägt gewesen. Sollte jemand ebenfalls diesem "falschen" Glauben erlegen sein kann ich wirklich nur Hesse empfehlen.
Fazit:
Eine wunderbare kleine Einführung in die altindische Philosophie durch den sprachlichen Meister Hesse. Sofern man ein wenig Konzentration aufbringen möchte sehr empfehlenswert!
Leseprobe:
"»Frage den Fluß darüber, Freund! Höre ihn darüber lachen! Glaubst du denn wirklich, daß du deine Torheiten begangen habest, um sie dem Sohn zu ersparen? [...]Glaubst du denn, Lieber, dieser Weg bleibe irgend jemanden vielleicht erspart? Vielleicht deinem Söhnchen, weil du es liebst, weil du ihm gern Leid und Schmerz und Enttäuschung ersparen möchtest? Aber auch wenn du zehnmal für ihn stürbest, würdest du ihm nicht den kleinsten Teil seines Schicksals abnehmen können.«"*
*Hermann Hesse: Siddhartha. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2013, S.97 f.
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Titel: Siddhartha
Autor: Herman Hesse
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 121 Seiten
Montag, 22. September 2014
Der Fremde [Rezension]
Da ich nach einem ausgesprochen schlechten eBook (darüber werde ich Ende des Monats in meiner Statistik berichten) eine kleine literarische Vergiftung erlitten habe, brauchte ich dringend ein paar saubere Klassiker um mich einer ausführlichen Wortkur unterziehen zu können. Dabei griff ich unter anderem wieder zu Camus, da ich mir nach Die Pest auch von diesem Buch einiges versprach.
Der junge Franzose Mersault lebt in Algerien, wo er auch seinen Lebensunterhalt beschreitet. Als seine Mutter im Altersheim verstirbt nimmt er an der Beerdigung teil ohne aufrichtigen Kummer zu empfinden. Doch da ahnt er noch nicht, dass ihm dies später von der Justiz bedrohlich zur Last gelegt werden kann...
Wie auch bei Die Pest war ich bei diesem Buch sofort sehr mit dem Schreibstil zufrieden. Camus erzählt in einer sehr klaren, wenig schnörkellosen Sprachen und trotzdem finden sich zahlreiche geschickte Formulierungen, die ich mir während des Lesens immer wieder unterstreichen musste. Ich betone diese sprachliche Basis gleich zu Beginn, da nach einer sehr schlechten Lektüre diesen Autor nun primär gewählt habe, da ich in dieser Hinsicht meine Ansprüche erfüllt sehen wollte - und wurde wirklich nicht enttäuscht.
Inhaltlich funktioniert diese Geschichte natürlich vollkommen anders als Die Pest und ist auch auf weit weniger Charaktere reduziert, was der Erzählung jedoch keineswegs zu Schaden kommt. Der Protagonist wirkt zwar zunächst erschreckend gleichgültig auf Einflüsse von außen, doch akzeptiert man sein Innenleben recht schnell, da der Autor beharrlich zum Ausdruck bringt, dass die Figur sich selbst keineswegs daran stört. Auch die Nebencharaktere erhalten ihre gelungene Ausführung und bieten einige interessante Anekdoten.
Schließlich findet auch die Handlung eine ausgesprochen geschickte spannungsmäßige Zuspitzung und ich war wirklich erstaunt wie gut Camus zuletzt die Fäden zusammen führt und Wendungen einbringt, die ich vorher wirklich nicht erwartet hätte. Letztlich fließen somit auch kleinere Erwähnungen geradewegs zum letzten finalen Punkt.
Dieser Spannungshöhepunkt empfand ich als äußerst zufrieden stellend, da tatsächlich ein Fazit gezogen wird und sich nicht einfach von selbst langsam auflöst, wie das ja bei den klassischen Werken gerne einmal vorkommt.
Sprachlich hochwertige Erzählung, die auch inhaltlich sehr gelungen verläuft und auch dank der wenigen Seiten definitiv eine Leseempfehlung von mir verdient.
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Titel: Der Fremde
Autor: Albert Camus
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 159 Seiten
Inhalt:
Der junge Franzose Mersault lebt in Algerien, wo er auch seinen Lebensunterhalt beschreitet. Als seine Mutter im Altersheim verstirbt nimmt er an der Beerdigung teil ohne aufrichtigen Kummer zu empfinden. Doch da ahnt er noch nicht, dass ihm dies später von der Justiz bedrohlich zur Last gelegt werden kann...
Mistys Meinung:
Wie auch bei Die Pest war ich bei diesem Buch sofort sehr mit dem Schreibstil zufrieden. Camus erzählt in einer sehr klaren, wenig schnörkellosen Sprachen und trotzdem finden sich zahlreiche geschickte Formulierungen, die ich mir während des Lesens immer wieder unterstreichen musste. Ich betone diese sprachliche Basis gleich zu Beginn, da nach einer sehr schlechten Lektüre diesen Autor nun primär gewählt habe, da ich in dieser Hinsicht meine Ansprüche erfüllt sehen wollte - und wurde wirklich nicht enttäuscht.
Inhaltlich funktioniert diese Geschichte natürlich vollkommen anders als Die Pest und ist auch auf weit weniger Charaktere reduziert, was der Erzählung jedoch keineswegs zu Schaden kommt. Der Protagonist wirkt zwar zunächst erschreckend gleichgültig auf Einflüsse von außen, doch akzeptiert man sein Innenleben recht schnell, da der Autor beharrlich zum Ausdruck bringt, dass die Figur sich selbst keineswegs daran stört. Auch die Nebencharaktere erhalten ihre gelungene Ausführung und bieten einige interessante Anekdoten.
Schließlich findet auch die Handlung eine ausgesprochen geschickte spannungsmäßige Zuspitzung und ich war wirklich erstaunt wie gut Camus zuletzt die Fäden zusammen führt und Wendungen einbringt, die ich vorher wirklich nicht erwartet hätte. Letztlich fließen somit auch kleinere Erwähnungen geradewegs zum letzten finalen Punkt.
Dieser Spannungshöhepunkt empfand ich als äußerst zufrieden stellend, da tatsächlich ein Fazit gezogen wird und sich nicht einfach von selbst langsam auflöst, wie das ja bei den klassischen Werken gerne einmal vorkommt.
Fazit:
Sprachlich hochwertige Erzählung, die auch inhaltlich sehr gelungen verläuft und auch dank der wenigen Seiten definitiv eine Leseempfehlung von mir verdient.
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Titel: Der Fremde
Autor: Albert Camus
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 159 Seiten
Montag, 18. August 2014
Herr der Fliegen [Rezension]
Hier noch schnell ein Buch, dass aufgrund meiner anfänglichen Sommerfreude in die persönliche Meeres/Strand/Schiffbruch Lektüre eingeordnet wurde und zudem dafür sorgte, dass sich meine Klassiker-Liste weiter füllen kann. Es passt außerdem noch gleich in die Kategorie "ein Buch, in dem das Element Wasser eine Rolle spielt".
Nach einem Flugzeugabsturz auf einer kleinen Insel sind eine Gruppe englischer Jungen vorerst auf sich allein gestellt. Sie ernennen Ralph -einen der älteren unter ihnen- zum Anführer um Ordnung in das vorherrschende Chaos zu bringen. Die Aufgabenverteilung scheint ihnen zunächt zu gelingen, allerdings bilden sich um Jack, einen Feind Ralphs, rebellische Gruppen, die einen Umsturz herbei führen wollen.
Dieses Buch hat es mir von Beginn an nicht ganz einfach gemacht, sowohl im Bezug auf die Charaktere als auch auf den Handlungsverlauf. Ralphs Auftreten, sowie seine Gedanken wirkten mitunter recht abstrakt und er war daher schwer greifbar als Leser. Was die Handlung angeht, sind die Geschehnisse, die auf einer Insel eintreten können bzw. die Möglichkeit für die Figuren sehr beschränkt, womit sich die Handlung mitunter doch sehr gezogen hat.
Andererseits besitzt das Buch einen ausgesprochen gelungenen sprachlichen Stil, der meiner Meinung nach auch in dieser Übersetzung nicht zu kurz kommt. Die Umgebung und die Geschehnisse erhalten dabei etwas sehr Athmosphärisches, dass die Handlung gerade zum Schluss hin wirklich sehr aufwertet und es dem Leser wiederum sehr leicht macht sich in die Ausschweifungen und Regungen der Jungen einzufühlen.
Zugleich kam ich mir beim Lesen mehrmals vor als hätte ich ein typisches Schulbuch in Händen, dessen aufgeworfenen Fragen sich ideal in der nächsten Deutschstunden verarbeiten lassen würden. Ich werde mir selbst nicht ganz einig, ob ich das positiv oder lieber negativ bewerten sollte (-tatsächlich erfuhr ich im Nachwort übrigens, dass es wiederholt in Lehrplänen auftauchte). Es soll jedenfalls nicht bedeuten, dass es vom Niveau her zu niedrig gewesen wäre, es regt durchaus an vielen Stellen zum Nachdenken an bzw. bleibt der Inhalt etwas ungelöst. Gleichzeitig musste ich mir jedoch vorstellen, welche sinnlosen Diskussionen bzw. Metaphern in andere Textpassagen hineingelesen werden können bzw. sicherlich absichtlich vom Autoren so festgelegt wurden um der Romanhandlung größere gesellschaftliche Bedeutung beizumessen.
Ein durchaus gut lesbarer Klassiker, der einen besonders gelungenen athmosphärischen Schreibstil aufweist, bei vielen Passagen jedoch wie ein typischer Schulroman wirkt - ein jeder Lese möge selbst entscheiden ob ihn dies anspricht oder eher nicht.
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Titel: Herr der Fliegen
Autor: William Golding
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 247
Inhalt:
Nach einem Flugzeugabsturz auf einer kleinen Insel sind eine Gruppe englischer Jungen vorerst auf sich allein gestellt. Sie ernennen Ralph -einen der älteren unter ihnen- zum Anführer um Ordnung in das vorherrschende Chaos zu bringen. Die Aufgabenverteilung scheint ihnen zunächt zu gelingen, allerdings bilden sich um Jack, einen Feind Ralphs, rebellische Gruppen, die einen Umsturz herbei führen wollen.
Mistys Meinung:
Dieses Buch hat es mir von Beginn an nicht ganz einfach gemacht, sowohl im Bezug auf die Charaktere als auch auf den Handlungsverlauf. Ralphs Auftreten, sowie seine Gedanken wirkten mitunter recht abstrakt und er war daher schwer greifbar als Leser. Was die Handlung angeht, sind die Geschehnisse, die auf einer Insel eintreten können bzw. die Möglichkeit für die Figuren sehr beschränkt, womit sich die Handlung mitunter doch sehr gezogen hat.
Andererseits besitzt das Buch einen ausgesprochen gelungenen sprachlichen Stil, der meiner Meinung nach auch in dieser Übersetzung nicht zu kurz kommt. Die Umgebung und die Geschehnisse erhalten dabei etwas sehr Athmosphärisches, dass die Handlung gerade zum Schluss hin wirklich sehr aufwertet und es dem Leser wiederum sehr leicht macht sich in die Ausschweifungen und Regungen der Jungen einzufühlen.
Zugleich kam ich mir beim Lesen mehrmals vor als hätte ich ein typisches Schulbuch in Händen, dessen aufgeworfenen Fragen sich ideal in der nächsten Deutschstunden verarbeiten lassen würden. Ich werde mir selbst nicht ganz einig, ob ich das positiv oder lieber negativ bewerten sollte (-tatsächlich erfuhr ich im Nachwort übrigens, dass es wiederholt in Lehrplänen auftauchte). Es soll jedenfalls nicht bedeuten, dass es vom Niveau her zu niedrig gewesen wäre, es regt durchaus an vielen Stellen zum Nachdenken an bzw. bleibt der Inhalt etwas ungelöst. Gleichzeitig musste ich mir jedoch vorstellen, welche sinnlosen Diskussionen bzw. Metaphern in andere Textpassagen hineingelesen werden können bzw. sicherlich absichtlich vom Autoren so festgelegt wurden um der Romanhandlung größere gesellschaftliche Bedeutung beizumessen.
Fazit:
Ein durchaus gut lesbarer Klassiker, der einen besonders gelungenen athmosphärischen Schreibstil aufweist, bei vielen Passagen jedoch wie ein typischer Schulroman wirkt - ein jeder Lese möge selbst entscheiden ob ihn dies anspricht oder eher nicht.
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Titel: Herr der Fliegen
Autor: William Golding
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 247
Montag, 21. Juli 2014
Die Schatzinsel [Rezension]
Endlich Sommer! Wenngleich das für mich leider nicht gleichbedeutend mit Ferien ist juckt es mich ordentlich doch wenigstens "ferientaugliche" Literatur zu lesen. Das heißt jetzt momentan bei mir im Klartext, dass mir jene Bücher aus den Regalreihen entgegen segeln, deren Inhalt sich mit Schiffsreisen, Meer, Strand und am besten konkret mit Südseeinseln beschäftigt. Da sich das allzu trivial und natürlich nach billigster Unterhaltung anhört möchte ich sofort einlenken, dass ich mir als erstes immerhin den wohlbekannten Klassiker "Treasure Island" bzw. die Schatzinsel geschnappt habe. (Und trotzdem lässt sich dieses Buch praktischerweise für meine Olympia-Challange für den Punkt "Lies ein Buch, das am Meer / Strand spielt.)
Nachdem der junge Jim Hawkins durch den Tod eines alten Piraten, der im Gasthaus seiner Eltern quartierte, an eine Schatzkarte gelangt wird er unversehens in ein großes Abenteuer gerissen. Durch die Hilfe eines befreundeten Artztes heuert er auf einem Schiff an und begibt sich auf der Suche nach der erträumten Schatzinsel, nicht ohne dabei sogleich hinterhältigen Matrosen ausgeliefert zu werden.
Dieses Buch gehörte für mich, ebenso wie Dr.Jekyll and Mr.Hyde zuvor, zu den Büchern, die man doch mal gelesen haben sollte. Da mich letzteres jedoch nicht sonderlich begeistern konnte -was nunmal leider daran liegt, dass man durch Filmmaterial als Leser nunmal schon im Vorhinein weiß, wie Dr.Jekyll und Hyde denn zusammenhängen- hatte ich so meine Bedanken bei Die Schatzinsel. Doch hatte ich von Vornherein gleich einen besseren Start mit diesem Buch, was nicht zuletzt daran gelegen haben mag, dass ich dieses Buch von Stevenson nicht im Original sondern in einer -für mich- recht guten Übersetzung vor mir hatte.
Der Schreibstil -soweit anhand der Übersetzung beurteilbar- ist jedoch um einiges angenehmer lesbar und für mich auf jeden Fall auch fesselnder als bei Jekyll und Hyde. Natürlich wimmelt es nur so von archaischen Begriffen und Formulierungen, allerdings machen diese auch den Charme solcher Geschichten für heute aus.
Die Handlung wird schnell voran getrieben und hält sich an keiner Stelle unnötig auf. Was die Spannung betrifft hat es der Autor jedoch scheinbar den Wunsch vieles in der Erzählung vorauszunehmen. So erfährt man als Leser bereits wenn der Protagonist zum ersten Mal auf neue Figuren trifft ob diese später einen negativen Einfluss auf das Abenteuer haben werden. Insofern erhält man an vielen Stellen später lediglich eine genauere Ausführung, erlebt jedoch keinen richtigen Überraschungsmoment.
Da ich solche Vorausnahmen jedoch eigentlich von vielen Texten dieser Zeit gewöhnt bin störten sie mich weniger und ich konnte die Geschichte dennoch in vollen Zügen genießen.
Sehr gelungene und auch heute noch bestens lesbare Abenteuergeschichte mit entsprechender Anzahl an Gefahren auf See, Piraten und Schätzen.
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Titel: Die Schatzinsel
Autor: Robert Louis Stevenson
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 322
Inhalt:
Nachdem der junge Jim Hawkins durch den Tod eines alten Piraten, der im Gasthaus seiner Eltern quartierte, an eine Schatzkarte gelangt wird er unversehens in ein großes Abenteuer gerissen. Durch die Hilfe eines befreundeten Artztes heuert er auf einem Schiff an und begibt sich auf der Suche nach der erträumten Schatzinsel, nicht ohne dabei sogleich hinterhältigen Matrosen ausgeliefert zu werden.
Mistys Meinung:
Dieses Buch gehörte für mich, ebenso wie Dr.Jekyll and Mr.Hyde zuvor, zu den Büchern, die man doch mal gelesen haben sollte. Da mich letzteres jedoch nicht sonderlich begeistern konnte -was nunmal leider daran liegt, dass man durch Filmmaterial als Leser nunmal schon im Vorhinein weiß, wie Dr.Jekyll und Hyde denn zusammenhängen- hatte ich so meine Bedanken bei Die Schatzinsel. Doch hatte ich von Vornherein gleich einen besseren Start mit diesem Buch, was nicht zuletzt daran gelegen haben mag, dass ich dieses Buch von Stevenson nicht im Original sondern in einer -für mich- recht guten Übersetzung vor mir hatte.
Der Schreibstil -soweit anhand der Übersetzung beurteilbar- ist jedoch um einiges angenehmer lesbar und für mich auf jeden Fall auch fesselnder als bei Jekyll und Hyde. Natürlich wimmelt es nur so von archaischen Begriffen und Formulierungen, allerdings machen diese auch den Charme solcher Geschichten für heute aus.
Die Handlung wird schnell voran getrieben und hält sich an keiner Stelle unnötig auf. Was die Spannung betrifft hat es der Autor jedoch scheinbar den Wunsch vieles in der Erzählung vorauszunehmen. So erfährt man als Leser bereits wenn der Protagonist zum ersten Mal auf neue Figuren trifft ob diese später einen negativen Einfluss auf das Abenteuer haben werden. Insofern erhält man an vielen Stellen später lediglich eine genauere Ausführung, erlebt jedoch keinen richtigen Überraschungsmoment.
Da ich solche Vorausnahmen jedoch eigentlich von vielen Texten dieser Zeit gewöhnt bin störten sie mich weniger und ich konnte die Geschichte dennoch in vollen Zügen genießen.
Fazit:
Sehr gelungene und auch heute noch bestens lesbare Abenteuergeschichte mit entsprechender Anzahl an Gefahren auf See, Piraten und Schätzen.
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Titel: Die Schatzinsel
Autor: Robert Louis Stevenson
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 322
Mittwoch, 9. April 2014
Schuld und Sühne [Rezension]
So, letztlich habe ich es also doch noch geschafft diesen Brummer auszulesen. Allerdings habe ich dafür jetzt insgesamt wohl über ein Monat lang gebraucht. Natürlich habe ich nebenbei einige andere Bücher gelesen, was ich übrigens eigentlich normalerweise nicht so gerne tue, aber in diesem Fall war es mir dann als Ausgleich doch ganz recht. Für die Olympia-Challenge erscheint es mir tatsächlich nur für den Punkt "Lies ein Buch in dem ein Liebesdreieck vorkommt" passend. In diesem Fall besteht dieses zwischen Raskolinikows Schwester, dessen Freund Rasumichin und ihrem aufdringlichen Verehrer Swidrigailow.
Der verarmte, ehemalige Student Raskolinikow lebt in einem heruntergekommenen Zimmer in Petersburg und hat große Schwierigkeiten seine Lage zu ertragen. Er verbringt die Zeit hungernd mit Spaziergängen und brütet dabei ärgerlich vor sich hin. Dabei beginnt er Pläne zu schmieden, die darauf abzielen die Wucherin, bei der auch er Kredite zu begleichen hat zu ermorden.
Als ich dieses Buch in dieser schönen Ausgabe, die dabei durchaus erschwinglich ist, in einem Buchladen entdeckte dachte ich bei mir: "Jetzt wird es aber wirklich einmal Zeit die russische Literatur anzugehen!". Welch tapferer Plan! Überhaupt da von allen Seiten immer mal wieder gerne von diesen als "seeehr schweeeerer" Lektüre gewarnt wird. Doch dies stachelte mich in diesem Fall sogar noch mehr an, da ich mich selbst davon überzeugen wollte ob Dostojewksi und Tolstoi nun wirklich so schweeeer sind wie alle behaupten.
Nun, die ersten 400 Seiten fand ich die Vorurteile diesen Büchern gegenüber wirklich nicht gerechtfertigt und die Geschichte des geistig verwirrten, grimmigen Raskolnikow sehr interessant. Mir sind ja schon sehr viele, nennen wir sie einfach "Miesepeter"-Figuren in meinen bisherigen Lesejahren begegnet, etwa bei Kafka oder Thomas Bernhard, aber ich würde mich wirklich behaupten trauen, dass Raskolnikow sie alle mit Abstand schlägt. Ich war jedesmal wieder erstaunt, wenn sich etwas Positives (meist in Form von finanzieller Unterstützung) für ihn auftat, das er jedoch immer wider Erwarten ignorierte oder ablehnte.
Die Gedanken und Erkenntnisse dieser durchaus genialen Figur waren dabei ebenfalls sehr spannend und ich hatte kaum jemals das Gefühl (möglicherweise auch wegen der guten Übersetzung), dass es sich dabei um einen Roman von 1860 handelt. Nach den ersten 400 Seiten wurde ich jedoch den ausschweifenden Dialogen, die mir anfangs noch zugesagt hatten, etwas müde. Zudem fand ich schließlich Raskolnikow -wie wohl auch so intendiert- wirklich anstrengend. Seine Phantasien von großen historischen Figuren, denen es erlaubt ist über das Gesetz hinwegzusteigen und es selbst zu gestalten wiederholen sich schließlich ebenfalls etwas zu viel.
Die Schilderung der gesellschaftlichen Verhältnisse und Ungerechtigkeiten durch Armut bleiben jedoch bis zuletzt ebenso interessant wie erschreckend und dabei kommen immer wieder neue Facetten zum Vorschein. Auch als Kriminalroman bleibt die Geschichte an sich eigentlich spannend, da die aufreibenden verbalen Auseinandersetzungen Raskolnikows mit dem Polizeibeamten Petrowitsch immer gekonnt erneuern. Da ich selbst jedoch kein großes Interesse an Kriminalgeschichten habe wurde mir diese mit ihren Ausschweifungen schließlich zu lang.
An sich spannender Roman, der sich auf einen ebenso genialen wie wahnsinnigen Protagonisten stützt, der die Handlung an den meisten Stellen auch trägt. Allerdings bewahrheiten sich für mich einige der Vorurteile gegenüber den russischen Klassikern, namentlich die vorhandene Schwermütigkeit und die etwas ermüdende Länge.
Inhalt:
Der verarmte, ehemalige Student Raskolinikow lebt in einem heruntergekommenen Zimmer in Petersburg und hat große Schwierigkeiten seine Lage zu ertragen. Er verbringt die Zeit hungernd mit Spaziergängen und brütet dabei ärgerlich vor sich hin. Dabei beginnt er Pläne zu schmieden, die darauf abzielen die Wucherin, bei der auch er Kredite zu begleichen hat zu ermorden.
Mistys Meinung:
Als ich dieses Buch in dieser schönen Ausgabe, die dabei durchaus erschwinglich ist, in einem Buchladen entdeckte dachte ich bei mir: "Jetzt wird es aber wirklich einmal Zeit die russische Literatur anzugehen!". Welch tapferer Plan! Überhaupt da von allen Seiten immer mal wieder gerne von diesen als "seeehr schweeeerer" Lektüre gewarnt wird. Doch dies stachelte mich in diesem Fall sogar noch mehr an, da ich mich selbst davon überzeugen wollte ob Dostojewksi und Tolstoi nun wirklich so schweeeer sind wie alle behaupten.
Nun, die ersten 400 Seiten fand ich die Vorurteile diesen Büchern gegenüber wirklich nicht gerechtfertigt und die Geschichte des geistig verwirrten, grimmigen Raskolnikow sehr interessant. Mir sind ja schon sehr viele, nennen wir sie einfach "Miesepeter"-Figuren in meinen bisherigen Lesejahren begegnet, etwa bei Kafka oder Thomas Bernhard, aber ich würde mich wirklich behaupten trauen, dass Raskolnikow sie alle mit Abstand schlägt. Ich war jedesmal wieder erstaunt, wenn sich etwas Positives (meist in Form von finanzieller Unterstützung) für ihn auftat, das er jedoch immer wider Erwarten ignorierte oder ablehnte.
Die Gedanken und Erkenntnisse dieser durchaus genialen Figur waren dabei ebenfalls sehr spannend und ich hatte kaum jemals das Gefühl (möglicherweise auch wegen der guten Übersetzung), dass es sich dabei um einen Roman von 1860 handelt. Nach den ersten 400 Seiten wurde ich jedoch den ausschweifenden Dialogen, die mir anfangs noch zugesagt hatten, etwas müde. Zudem fand ich schließlich Raskolnikow -wie wohl auch so intendiert- wirklich anstrengend. Seine Phantasien von großen historischen Figuren, denen es erlaubt ist über das Gesetz hinwegzusteigen und es selbst zu gestalten wiederholen sich schließlich ebenfalls etwas zu viel.
Die Schilderung der gesellschaftlichen Verhältnisse und Ungerechtigkeiten durch Armut bleiben jedoch bis zuletzt ebenso interessant wie erschreckend und dabei kommen immer wieder neue Facetten zum Vorschein. Auch als Kriminalroman bleibt die Geschichte an sich eigentlich spannend, da die aufreibenden verbalen Auseinandersetzungen Raskolnikows mit dem Polizeibeamten Petrowitsch immer gekonnt erneuern. Da ich selbst jedoch kein großes Interesse an Kriminalgeschichten habe wurde mir diese mit ihren Ausschweifungen schließlich zu lang.
Fazit:
An sich spannender Roman, der sich auf einen ebenso genialen wie wahnsinnigen Protagonisten stützt, der die Handlung an den meisten Stellen auch trägt. Allerdings bewahrheiten sich für mich einige der Vorurteile gegenüber den russischen Klassikern, namentlich die vorhandene Schwermütigkeit und die etwas ermüdende Länge.
Montag, 7. April 2014
Für den Herrscher aus Übersee [Rezension]
Ja, zugegeben, den Monat geht schon wieder gar nichts voran!! Ich hänge einfach noch immer an Schuld und Sühne, das sich momentan nur quälend langsam abarbeiten lässt. Zudem fehlt mir im Moment wirklich die Leselust. Ich denke es würde definitiv Zeit werden wieder ein Buch zum perönlichen Amusement zu lesen und etwas weniger tiefgründige Klassiker. Wenn ich mir die Rezensionen der anderen Blogger ansehe reizt es mich schon sehr. Nun gut, zu diesem Buch; da ich es für die Uni lesen musste und gemeinsam mit anderen Studierenden in einem Kurs besprochen habe nehme ich es für die Kategorie "Synchronschwimmen" der Olympia-Challenge.
Zwei von den Eltern zurück gelassene Kinder bekommen von ihrem Großvater die Geschichte erzählt, wie er einst versuchte einer abgestürzten Japanerin das Flugzeug zu reparieren, während eine emsige Fliegerin versucht ihre aufgezogenen Zugvögel in deren Winterreservoir zu bringen. Auch die beiden Kinder verbringen einen Großteil ihrer Freizeit damit sich der Pflege von Vögeln zu widmen und erste Flugversuche zu unternehmen.
Ich muss gestehen, dass mir dieses Buch zwar sehr gut gefallen hat, ich aber nicht einmal genau sagen kann warum das so ist. Zunächst war ich etwas verwirrt von den Übergängen zwischen den einzelnen Figuren, doch war mit der hohen sprachlichen Qualität sehr zufrieden. Mir gefielen die Formulierungen und verschiedenen Verbindungen die thematisch mit Fliegen verknüpft waren. Die Übergänge zwischen den Kapiteln sind ebenfalls mit gelungenen Wortwiederholungen bzw. Ähnlichkeiten verbunden, was mir sehr zusagte.
Die Charakterzüge und Reaktionen des Großvaters erschreckten mich an vielen Stellen und auch die Geschichte mit der Japanerin fand ich mitunter sehr seltsam. Generell lässt mich das Buch insofern etwas ratlos zurück und ich versuche mich damit anzufreunden, dass viele Texte eben kein großes Rufzeichen mit sich herumtragen, das dem Leser hingehalten wird, sondern vielmehr einige kleine Fragezeichen über der Geschichte schweben.
Dafür finden sich einige märchenhafte Elemente, die eigentlich zum angenehmen Lesevergnügen beitragen. Insofern kann ich das Buch als quasi luftige wenn auch nicht immer leichte Lektüre empfehlen, da es auch nur wenige Seiten hat. Mehr kann ich tatsächlich dazu nicht sagen.
Nicht immer eindeutige, wenn gleich sprachlich sehr schön gestaltete Geschichte, die sich schnell lesen lässt.
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Titel: Für den Herrscher aus Übersee
Autorin: Teresa Präauer
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 137 Seiten
Inhalt:
Zwei von den Eltern zurück gelassene Kinder bekommen von ihrem Großvater die Geschichte erzählt, wie er einst versuchte einer abgestürzten Japanerin das Flugzeug zu reparieren, während eine emsige Fliegerin versucht ihre aufgezogenen Zugvögel in deren Winterreservoir zu bringen. Auch die beiden Kinder verbringen einen Großteil ihrer Freizeit damit sich der Pflege von Vögeln zu widmen und erste Flugversuche zu unternehmen.
Mistys Meinung:
Ich muss gestehen, dass mir dieses Buch zwar sehr gut gefallen hat, ich aber nicht einmal genau sagen kann warum das so ist. Zunächst war ich etwas verwirrt von den Übergängen zwischen den einzelnen Figuren, doch war mit der hohen sprachlichen Qualität sehr zufrieden. Mir gefielen die Formulierungen und verschiedenen Verbindungen die thematisch mit Fliegen verknüpft waren. Die Übergänge zwischen den Kapiteln sind ebenfalls mit gelungenen Wortwiederholungen bzw. Ähnlichkeiten verbunden, was mir sehr zusagte.
Die Charakterzüge und Reaktionen des Großvaters erschreckten mich an vielen Stellen und auch die Geschichte mit der Japanerin fand ich mitunter sehr seltsam. Generell lässt mich das Buch insofern etwas ratlos zurück und ich versuche mich damit anzufreunden, dass viele Texte eben kein großes Rufzeichen mit sich herumtragen, das dem Leser hingehalten wird, sondern vielmehr einige kleine Fragezeichen über der Geschichte schweben.
Dafür finden sich einige märchenhafte Elemente, die eigentlich zum angenehmen Lesevergnügen beitragen. Insofern kann ich das Buch als quasi luftige wenn auch nicht immer leichte Lektüre empfehlen, da es auch nur wenige Seiten hat. Mehr kann ich tatsächlich dazu nicht sagen.
Fazit:
Nicht immer eindeutige, wenn gleich sprachlich sehr schön gestaltete Geschichte, die sich schnell lesen lässt.
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Titel: Für den Herrscher aus Übersee
Autorin: Teresa Präauer
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 137 Seiten
Donnerstag, 27. März 2014
Anatomie einer Nacht [Rezension]
Und schon herrschte auch schon wieder Stille auf meinem Blog. Grabesstille. Ha!
Waren nunmal Seminararbeiten für die Uni fertig zu stellen, daher wurde dieses Monat zunächst nur sehr wenig gelesen. Mittlerweile habe ich aufgeholt, aufgrund einer gehörigen Erkältung bin ich jedoch mit den Rezensionen tatsächlich am Hinterherhinken (wenn das gerade ein Neologismus war bin ich zufrieden). Also los gehts!
Praktischerweise lässt sich auch dieses Buch in meine Olympia-Challenge einordnen, als Roman, der in mehr als einem Land spielt, da die Figuren sich sowohl in Grönland, als auch Dänemark aufhalten.
In nur einer Nacht in Grönland nehmen sich elf Menschen das Leben und der Leser erfährt stückweise was zuvor in diesen geschehen ist und wie manche davon zusammen hängen. Erzählt wird dabei etwa die Geschichte der Studentin Sara, die nach Grönland zurückkehrt um nach ihren Wurzeln zu forschen, nur um festzustellen, dass sie sich auch hier nicht mehr zuhause fühlen kann. Verschränkt werden diese Lebensgeschichten mit der bezaubernden Landschaft Grönlands, das sowohl Einsamkeit wie tröstliche Schönheit repräsentiert.
Zunächst war ich nicht sonderlich angetan vom Klappentext des Buches, denn -wer kann mir das übel nehmen- ich bevorzuge Geschichten die nicht den Selbstmord mehrerer Menschen als Zentrum habem. Nach einer kurzen Überwindung hatte ich auch große Probleme mit dem Anfang des Romans, da dieser mir wirklich zu grotesk, konfus und von mir aus auch kafkaesk daher kommt. Ich bereitete mich bereits seufzend darauf vor, dass das Geschehen weiterhin so merkwürdig verlaufen würde, da änderte sich der Stil mit einem mal (meiner Meinung nach zum Guten!).
Nun konnte ich wirklich ganz in die Geschichte und vor allem die Schönheit Grönlands eintauchen, lernte die interessanten Figuren näher kennen und erfuhr gerne mehr von ihrem Schicksal. Es laufen dabei mehrere unterschiedliche Handlungsstränge nebeneinander her, die jedoch an mehreren Stellen immer wieder verknüpft werden was mit der Zeit immer spannender und kurzweiliger wird. Natürlich stimmten mich einige Stellen sehr traurig -wie sollte man es bei diesem Inhalt auch anders erwarten- andererseits war ich berührt von der tröstlichen Stimmung, die der Roman in anderen Teilen vermittelt. Der Autorin gelingt es besonders gut die Besonderheiten der extremen Umfelt einzufangen und diese für den Leser vorstellbar zu machen. Ich muss gestehen, dass ich mich eigentlich kaum für fremde Länder begeistern lasse, doch dank diesem Buch habe ich tatsächlich den Wunsch entwickelt diese Landschaft einmal selbst erforschen zu dürfen.
Abgesehen von den Figuren erfährt man auf sehr indirekte Weise auch von der Vergangenheit des Landes, den Einfluss von Dänemark und die schwierige soziale Situation des Landes- besonders in einem modernen Zeitalter. Diese einfühlsamen und dabei sehr poetischen Beschreibungen ließen mich Schritt für Schritt begreifen warum diese Nacht im Roman tatsächlich nur so ablaufen konnte, wie sie es eben tat.
Sehr poetische Erzählung über das Schicksal verlorener Menschen und die Schönheit Grönlands und dessen Kampf zwischen Vergangenheit und Zukunft. Lesenswert.
"Wenn man das erste Mal einen sterbenden Menschen sieht, versteht man einerseits nicht, was man sieht, andererseits weiß man genau, was man sieht. Vielleicht ist es auch weniger ein Wissen, im Sinne von Erkennen, sondern ein Verstehen, das sich zunächst auf einer emotionalen Ebene vollzieht, man versteht fühlend, doch genau darin liegt das Verhängnis: Wenn man fühlend versteht, vergisst man niewieder."*
*Anna Kim: Anatomie einer Nacht. Berlin: Suhrkamp Taschenbuch 2013, S.69
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Titel: Anatomie einer Nacht
Autorin: Anna Kim
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 299 Seiten
Waren nunmal Seminararbeiten für die Uni fertig zu stellen, daher wurde dieses Monat zunächst nur sehr wenig gelesen. Mittlerweile habe ich aufgeholt, aufgrund einer gehörigen Erkältung bin ich jedoch mit den Rezensionen tatsächlich am Hinterherhinken (wenn das gerade ein Neologismus war bin ich zufrieden). Also los gehts!
Praktischerweise lässt sich auch dieses Buch in meine Olympia-Challenge einordnen, als Roman, der in mehr als einem Land spielt, da die Figuren sich sowohl in Grönland, als auch Dänemark aufhalten.
Inhalt:
In nur einer Nacht in Grönland nehmen sich elf Menschen das Leben und der Leser erfährt stückweise was zuvor in diesen geschehen ist und wie manche davon zusammen hängen. Erzählt wird dabei etwa die Geschichte der Studentin Sara, die nach Grönland zurückkehrt um nach ihren Wurzeln zu forschen, nur um festzustellen, dass sie sich auch hier nicht mehr zuhause fühlen kann. Verschränkt werden diese Lebensgeschichten mit der bezaubernden Landschaft Grönlands, das sowohl Einsamkeit wie tröstliche Schönheit repräsentiert.
Mistys Meinung:
Zunächst war ich nicht sonderlich angetan vom Klappentext des Buches, denn -wer kann mir das übel nehmen- ich bevorzuge Geschichten die nicht den Selbstmord mehrerer Menschen als Zentrum habem. Nach einer kurzen Überwindung hatte ich auch große Probleme mit dem Anfang des Romans, da dieser mir wirklich zu grotesk, konfus und von mir aus auch kafkaesk daher kommt. Ich bereitete mich bereits seufzend darauf vor, dass das Geschehen weiterhin so merkwürdig verlaufen würde, da änderte sich der Stil mit einem mal (meiner Meinung nach zum Guten!).
Nun konnte ich wirklich ganz in die Geschichte und vor allem die Schönheit Grönlands eintauchen, lernte die interessanten Figuren näher kennen und erfuhr gerne mehr von ihrem Schicksal. Es laufen dabei mehrere unterschiedliche Handlungsstränge nebeneinander her, die jedoch an mehreren Stellen immer wieder verknüpft werden was mit der Zeit immer spannender und kurzweiliger wird. Natürlich stimmten mich einige Stellen sehr traurig -wie sollte man es bei diesem Inhalt auch anders erwarten- andererseits war ich berührt von der tröstlichen Stimmung, die der Roman in anderen Teilen vermittelt. Der Autorin gelingt es besonders gut die Besonderheiten der extremen Umfelt einzufangen und diese für den Leser vorstellbar zu machen. Ich muss gestehen, dass ich mich eigentlich kaum für fremde Länder begeistern lasse, doch dank diesem Buch habe ich tatsächlich den Wunsch entwickelt diese Landschaft einmal selbst erforschen zu dürfen.
Abgesehen von den Figuren erfährt man auf sehr indirekte Weise auch von der Vergangenheit des Landes, den Einfluss von Dänemark und die schwierige soziale Situation des Landes- besonders in einem modernen Zeitalter. Diese einfühlsamen und dabei sehr poetischen Beschreibungen ließen mich Schritt für Schritt begreifen warum diese Nacht im Roman tatsächlich nur so ablaufen konnte, wie sie es eben tat.
Fazit:
Sehr poetische Erzählung über das Schicksal verlorener Menschen und die Schönheit Grönlands und dessen Kampf zwischen Vergangenheit und Zukunft. Lesenswert.
Leseprobe:
*Anna Kim: Anatomie einer Nacht. Berlin: Suhrkamp Taschenbuch 2013, S.69
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Titel: Anatomie einer Nacht
Autorin: Anna Kim
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 299 Seiten
Sonntag, 9. März 2014
Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge [Rezension]
Nun, was soll ich sagen...zäh geht es schonwieder voran bei mir im Lesemonat März. Die Motivation wäre zwar da, doch der Stresspegel zu Semesterbeginn war dann doch wieder enorm erhöht und so kam meine Lektüre mal wieder ins Hintertreffen. Auch in nächster Zeit sehe ich wenig Veränderung diesbezüglich, aber wenigstens muss ich auch von der Uni aus einiges lesen, was meiner Challenge zugute kommen wird. Darunter jetzt übrigens auch dieses Werk, dass ich schon einmal gelesen habe und so praktischerweise unter die Kategorie "Lies ein Buch, dass du schoneinmal gelesen hast und umwerfend findest" fällt.
Der verarmte Nachkomme einer aussterbenden Adelsfamilie Malte Laurids Brigge findet sich in der Großsstadt Paris des angehenden 20.Jahrhunderts wieder. Entsetzt von der Fabritmäßigkeit des dortigen Lebens versucht er sich zurecht zu finden und wagt den Blick hinter die Oberfläche der Dinge. Mit radikaler Subjektivität und großer Sensibilität beschreibt er auch rückblickend die Welt seiner Kindheit, wobei sich besonders der Tod immer wieder hervorhebt.
Als große Rilke-Verehrerin lese ich schon sehr lange und sehr oft Rilke-Gedichte aus allen seiner Schaffensphasen. Seinen einzigen Roman jedoch ließ ich bis vor einigen Jahren unbeachtet. Dabei entging mir einiges, da auch seine Prosa-Sprache von besonderer poetischer Feinheit ist und dabei weit-gefasstere Zusammenhänge als in seiner Lyrik herstellen kann. Schon damals war ich von diesem Werk sehr angetan, als ich es im Zuge eines Seminars zu lesen hatte. Bei der wiederholten Lektüre allerdings fand ich nun nur umso mehr gelungene Reflektionen der Figur und unterstrich haufenweise gelungene Zeilen.
Die Beschreibungen des Lebens in der Großstadt von Brigge erschreckte mich auch beim zweiten Lesen mehrmals, so unverholen beschreibt er seine Zustände des Ekels und der Furcht vor den anderen. Besonders die "unschönen" Beobachtungen erzählt er schonungslos bis ins kleinste Detail. Sein Fokus liegt dabei wiederholt auf dem Tod bzw. dem Sterben, das er in den Großstädten als fabrikmäßig und unangemessen empfindet. Er zeichnet dazu im Gegensatz das frühere Sterben auf dem Land, da jeder noch seinen "eigenen Tod" hatte.
Seine Kindheitserinnerungen, die ebenfalls einen großteil des Romans ausmachen zeigen ihn als sensiblen Jungen, der eine tiefe wenn auch seltsame Bindung zur Mutter hat. Dabei liest man, wenn man Rilkes Lebensumstände kenn, auch schnell mal etwas Biographisches heraus, wie ich selbst gestehen kann, allerdings finde ich diesen Umstand bei manchen Passagen durchaus gerechtfertigt.
Trotz der feinen, gelungen Formulierungen lässt sich dieses Buch nicht einfach "dahin lesen", da die nicht immer eindeutigen Reflektionen und Beobachtungen der Hauptfigur einiges an Konzentration erfodern und mitunter auch langatmig werden. Daher benötigte ich für dieses Buch wieder einige Tage, aber die lange Lesezeit hat sich auf jeden Fall -auch zum zweiten Mal- sehr gelohnt.
Rilke gelingen in seinem einzigen Prosaroman vielfältige, interessante Beobachtungen in gewohnt poetisch und feinfühliger Sprache, die diesen Roman der literarischen Moderne besonders aufwerten. Trotz Ruhe und Konzentration, die für dieses Buch vonnöten ist sehr lesenswert.
"...alles ist von einer zähen Unvergänglichkeit, alles das besteht auf sich und hängt, eifersüchtig auf alles Seiende, an seiner schrecklichen Wirklichkeit. Die Menschen möchten vieles davon vergessen dürfen; ihr Schlaf feilt sanft über solche Furchen im Gehirn, aber Träume drängen ihn ab und ziehen die Zeichnungen nach. Und sie wachen auf und keuchen und lassen einer Kerze Schein sich auflösen in der Finsternis und trinken, wie gezuckertes Wasser, die halbhelle Beruhigung. Aber, ach, auf welcher Kante hält sich diese Sicherheit. Nur eine geringste Wendung, und schon wieder steht der Blick über Bekanntes und Freundliches hinaus und der eben noch so tröstliche Kontur wird deutlicher als ein Rand voll Grauen."*
*Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch 2009, S.59
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Titel: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Autor: Rainer Maria Rilke
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 224 Seiten
Inhalt:
Mistys Meinung:
Die Beschreibungen des Lebens in der Großstadt von Brigge erschreckte mich auch beim zweiten Lesen mehrmals, so unverholen beschreibt er seine Zustände des Ekels und der Furcht vor den anderen. Besonders die "unschönen" Beobachtungen erzählt er schonungslos bis ins kleinste Detail. Sein Fokus liegt dabei wiederholt auf dem Tod bzw. dem Sterben, das er in den Großstädten als fabrikmäßig und unangemessen empfindet. Er zeichnet dazu im Gegensatz das frühere Sterben auf dem Land, da jeder noch seinen "eigenen Tod" hatte.
Seine Kindheitserinnerungen, die ebenfalls einen großteil des Romans ausmachen zeigen ihn als sensiblen Jungen, der eine tiefe wenn auch seltsame Bindung zur Mutter hat. Dabei liest man, wenn man Rilkes Lebensumstände kenn, auch schnell mal etwas Biographisches heraus, wie ich selbst gestehen kann, allerdings finde ich diesen Umstand bei manchen Passagen durchaus gerechtfertigt.
Trotz der feinen, gelungen Formulierungen lässt sich dieses Buch nicht einfach "dahin lesen", da die nicht immer eindeutigen Reflektionen und Beobachtungen der Hauptfigur einiges an Konzentration erfodern und mitunter auch langatmig werden. Daher benötigte ich für dieses Buch wieder einige Tage, aber die lange Lesezeit hat sich auf jeden Fall -auch zum zweiten Mal- sehr gelohnt.
Fazit:
Leseprobe:
*Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch 2009, S.59
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Titel: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Autor: Rainer Maria Rilke
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 224 Seiten
Sonntag, 9. Februar 2014
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1: Unterwegs zu Swann) [Rezension]
Ja, ich lebe noch...äh lese noch! Es war nur keine gute Idee mir einen solchen Klassiker kurz vor der Prüfungszeit vorzunehmen. Ist doch nur so ein kleines Büchlein sprechen da einige Friedhofsbesucher? Ha! Der Schein trügt meine Lieben, dieses Büchlein bringt es mit Bibelseitchen nämlich auf über 700 Seiten! Dazu noch eine winzige Schrift und anspruchsvoller Inhalt, schon verzögert sich die vorgenommene Lesereise beachtlich!
Der Roman spielt im Frankreich des fin de siécle und der Ich-Erzähler, der seinen eigenen Namen nicht nennt berichtet von seinem Leben in der gehobenen Gesellschaft. Rückblickend erinnert er sich an seine Kindheit auf dem Lande und nennt einige Personen, die auch in seinem späteren Leben von Bedeutung sein werden. Sein Wunsch Schriftsteller zu werden zeigt sich sehr bald, doch hindert ihn seine schlechte Gesundheit und seine Trägheit immer wieder daran. Dennoch ereilt ihn die Leidenschaft dafür immer wieder, ganz besonders wenn er sich in der Natur aufhält.
Eigentlich habe ich es ja absolut nicht mit genauen Beschreibungen in Büchern. Ich empfinde sie meistens als eine Verzögerung für die Handlung und überfliege sie auch meist, sodass in meinem Kopf die Umgebung der Figuren meist ganz anders aussieht, als dies der Autor eigentlich intendiert hätte. Daher halte ich mich immer schon strikt von Adalbert Stifter fern und sonstigen Autoren fern, die dafür berüchtigt sind, Momentbeschreibungen gleich mehrere Seiten einzuräumen. Doch bei Marcel Proust störte mich dies nicht im Geringsten, dabei steigert dieser seine Beschreibungen wirklich ins klitzekleinste, Mikro-Mikro-Detail.
Seine Kunst minutiös zu beschreiben halte ich jedoch für so gelungen, dass ich ihnen gerne gefolgt bin. Dies erforderte jedoch einiges an Ruhe und Konzentration, ein Buch nach einem stressigen Arbeitstag ist dies meiner Meinung nach nämlich gewiss nicht. Wenn ich mir jedoch die Zeit genommen habe, konnte ich diesen ersten Band seines Monumentalwerks richtig genießen. Die Abschweifungen, die der Autor andauernd vornimmt waren für mich ausgesprochen spannend und ich war mehrmals erstaunt, wie es im gelingt, die Fäden schließlich doch wieder zusammen zu führen. So war ich total verwundert, als ich auf Seite 270 feststellen musste, dass alles, was seit der ersten Seite geschehen war sich für die Figur nur innerhalb von wenigen Momenten abspielt, da es lediglich eine Szene des Erinnerns ist. So kehrt man als Leser völlig verwundert wieder in das Schlafzimmer der Figur zurück, wo man dessen Gedanken in seine Kindheit ursprünglich gefolgt war.
Zudem enthielt das Werk, wie aber von mir schon erwartet, zahlreiche sehr gelungene Formulierungen und Gedanken, die ich mir freudig markiert habe und bestimmt in mein Zitatenheftchen schreiben werde. Bei reiner Unterhaltungsliteratur kommt dies leider einfach viel zu selten vor, da die Sprache dafür meist viel zu unausgefeilt ist. An solchen Klassikern, so anspruchsvoll sie mitunter auch sein mögen, erkenne ich die Kunst dann wieder in ihrer vollkommensten Form.
Ursprünglich hatte ich eigentlich nur vor mit den ersten Band dieses riesigen Werks zu genehmigen, nun bin ich jedoch entschlossen auch die anderen Bände bezeiten zu genießen. Die genaue Beschreibungweise lässt einen nämlich auch die Figuren besonders gut kennen lernen und ich kenn es kaum erwarten weitere Situationen aus ihrer Lebens- und Gedankenwelt zu erfahren.
Überaus gelungener Einstieg in das große Werk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Das Buch beweist einiges an sprachlichen Feinsinn, möchte dafür jedoch auch besonders geduldig behandelt werden um seinen Inhalt auch voll entfalten zu können.
"...Überzeugt, daß meine Gedanken diesem vollkommenen Geist töricht erscheinen müßten, hatte ich mich so gründlich ihrer aller entledigt, daß mir, wenn ich zufällig in seinen Büchern einen Gedanken antraf, den ich selbst schon gehabt hatte, das Herz schwoll, als wenn ein Gott in seiner Güte ihn mir wiederschenkte, gleichzeitig legitimiert und für schön erklärt."*
*Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Unterwegs zu Swann.Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994, S.141
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Titel: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1: Unterwegs zu Swann)
Autor: Marcel Proust
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 714 Seiten
Inhalt:
Mistys Meinung:
Seine Kunst minutiös zu beschreiben halte ich jedoch für so gelungen, dass ich ihnen gerne gefolgt bin. Dies erforderte jedoch einiges an Ruhe und Konzentration, ein Buch nach einem stressigen Arbeitstag ist dies meiner Meinung nach nämlich gewiss nicht. Wenn ich mir jedoch die Zeit genommen habe, konnte ich diesen ersten Band seines Monumentalwerks richtig genießen. Die Abschweifungen, die der Autor andauernd vornimmt waren für mich ausgesprochen spannend und ich war mehrmals erstaunt, wie es im gelingt, die Fäden schließlich doch wieder zusammen zu führen. So war ich total verwundert, als ich auf Seite 270 feststellen musste, dass alles, was seit der ersten Seite geschehen war sich für die Figur nur innerhalb von wenigen Momenten abspielt, da es lediglich eine Szene des Erinnerns ist. So kehrt man als Leser völlig verwundert wieder in das Schlafzimmer der Figur zurück, wo man dessen Gedanken in seine Kindheit ursprünglich gefolgt war.
Zudem enthielt das Werk, wie aber von mir schon erwartet, zahlreiche sehr gelungene Formulierungen und Gedanken, die ich mir freudig markiert habe und bestimmt in mein Zitatenheftchen schreiben werde. Bei reiner Unterhaltungsliteratur kommt dies leider einfach viel zu selten vor, da die Sprache dafür meist viel zu unausgefeilt ist. An solchen Klassikern, so anspruchsvoll sie mitunter auch sein mögen, erkenne ich die Kunst dann wieder in ihrer vollkommensten Form.
Ursprünglich hatte ich eigentlich nur vor mit den ersten Band dieses riesigen Werks zu genehmigen, nun bin ich jedoch entschlossen auch die anderen Bände bezeiten zu genießen. Die genaue Beschreibungweise lässt einen nämlich auch die Figuren besonders gut kennen lernen und ich kenn es kaum erwarten weitere Situationen aus ihrer Lebens- und Gedankenwelt zu erfahren.
Fazit:
Leseprobe:
*Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Unterwegs zu Swann.Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994, S.141
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Titel: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1: Unterwegs zu Swann)
Autor: Marcel Proust
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 714 Seiten
Sonntag, 10. November 2013
Die Schwärmer [Rezension]
Weiter geht der eilige Marsch durch meinen Bücherfriedhof und leider heftet sich momentan nur Studienlektüre gierig an meine Beine, während ich doch insgeheim so gerne nach meiner privaten Unterhaltungsliteratur greifen würde. Vorerst musste ich jedoch das Drama "Die Schwärmer" von meinem Bein ziehen und für meinen Geschmack etwas zu lange in Händen halten.
Das Stück behandelt die Beziehung der Freunde Thomas und Anselm, sowie Thomas Frau Maria und deren Schwester Regine. Die vier Figuren kennen sich seit Kindheitstagen und sind zum ersten Mal seit langem wieder in einem Haus vereint. Der Umstand, der dazu führte ist jedoch eher trüberer Natur, denn Anselm wird vorgeworfen die verheiratete Regine zum Ehebruch verleitet zu haben. Deren Mann Josef ist entzürnt darüber dass Thomas ihn und Regine in seinem Haus Aufhalt gewärt und droht mit entscheidenden Konsequenzen.
Dank meines Seminars sind mir jetzt schon einige Musil Texte untergekommen und ich konnte wirklich meine Begeisterung für diesen Autor entdecken, den ich auch wärmstens jedem empfehlen möchte. Dieses Stück allerdings bereitete mir von Anfang an eher Unbehagen. Dabei sei die banale Tatsache zu erwähnen, dass mich der Name "Anselm" unheimlich störte, da er mir wie ein geistiger Zungenbrecher erschien und ich daher beim Lesen jedes Mal über ihn stolperte. Leider kommt er nicht nur aufgrund der Voranstellung vor seinen Aussagen vor, da es sich ja um ein Stück handelt, sondern die anderen Figuren lassen es sich auch nicht nehmen ihn fast permanent durch die Gegend zu rufen. Natürlich handelt es sich jetzt dabei lediglich um ein kleines, durchaus lächerliches persönliches Problem, aber es dauerte einige Zeit bis ich darüber hinwegsehen konnte.
Auch das restliche Voranschreiten des Textes bzw. Stücks wollte mir nicht recht gefallen. Zwar findet sich natürlich Musils Sprache und auch Gedankenwelt in den Dialogen wider, doch empfand ich sie als viel weniger kräftig als in seinen sonstigen Werken, die ich bisher gelesen habe. Das Voranschreiten der Handlung zieht sich zudem -selbst für Musil- gehörig in die Länge und hängt sich ziemlich an den gedanklichen Verwirrungen und Exkurse der Figuren auf. Dies wiederum mag zwar eher typisch für den Autor erscheinen, allerdings erscheint mir der Umstand für ein Bühnenstück etwas problematisch, meiner Meinung nach sollte sich darin mehr Dynamik finden lassen.
Postiv zu erwähnen seien jedoch die Perspektiven der Figuren, so schwer es mir auch zeitweise fiel die Einstellungen und Hinweise der Charaktere zu verstehen gelingt es doch immer wieder den Leser für eine Figur einzunehmen und dann im nächsten Moment, sobald die andere ihren Auftritt hat diesen Umstand wieder zu zerstören, zugunsten der anderen, sprechenden Figur. So wusste ich bis zuletzt nicht welchem Charakter mehr glauben zu schenken sei oder ob sie nicht alle in ihren Annahmen recht hätten.
Durchaus interessantes Stück, dem jedoch aufgrund seiner langsam voranschleichenden Handlung einiges an Dynamik fehlt und an vielen Texstellen eine relativ schwere Verständlichkeit aufweist.
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Titel: Die Schwärmer
Autor: Robert Musil
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 138 Seiten
Inhalt:
Mistys Meinung:
Auch das restliche Voranschreiten des Textes bzw. Stücks wollte mir nicht recht gefallen. Zwar findet sich natürlich Musils Sprache und auch Gedankenwelt in den Dialogen wider, doch empfand ich sie als viel weniger kräftig als in seinen sonstigen Werken, die ich bisher gelesen habe. Das Voranschreiten der Handlung zieht sich zudem -selbst für Musil- gehörig in die Länge und hängt sich ziemlich an den gedanklichen Verwirrungen und Exkurse der Figuren auf. Dies wiederum mag zwar eher typisch für den Autor erscheinen, allerdings erscheint mir der Umstand für ein Bühnenstück etwas problematisch, meiner Meinung nach sollte sich darin mehr Dynamik finden lassen.
Postiv zu erwähnen seien jedoch die Perspektiven der Figuren, so schwer es mir auch zeitweise fiel die Einstellungen und Hinweise der Charaktere zu verstehen gelingt es doch immer wieder den Leser für eine Figur einzunehmen und dann im nächsten Moment, sobald die andere ihren Auftritt hat diesen Umstand wieder zu zerstören, zugunsten der anderen, sprechenden Figur. So wusste ich bis zuletzt nicht welchem Charakter mehr glauben zu schenken sei oder ob sie nicht alle in ihren Annahmen recht hätten.
Fazit:
Durchaus interessantes Stück, dem jedoch aufgrund seiner langsam voranschleichenden Handlung einiges an Dynamik fehlt und an vielen Texstellen eine relativ schwere Verständlichkeit aufweist.
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Titel: Die Schwärmer
Autor: Robert Musil
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 138 Seiten
Mittwoch, 6. November 2013
Das Phantom des Alexander Wolf [Rezension]
So fleißig und motiviert wie (wahrscheinlich überhaupt) noch nie arbeite ich mich derzeit durch allerlei Texte fürs Studium und konnte auch dieses Buch, das ich wahrscheinlich für eine meiner Arbeiten verwenden werde (vergleichsweise) rasch auslesen.
An einem sengend heißen Tags während des Russischen Bürgerkriegs verliert ein ermüdeter Weißgardist in einem Waldstück den Anschluss an seine Gruppe und wird schließlich von einem Feind auf einem weißen Hengst aufgespürt. Aus Notwehr erschießt er diesen und flieht auf dessen Pferd. Doch noch Jahre später als Emigrant in Paris verfolgt ihn die Erinnerung an diese Tat und quält ihn schwer. Als er durch Zufall an einen Prosaband des englischen Autors Alexander Wolf gerät findet er darin genau dieses Kriegsereignis bis ins Detail genau geschildert und glaubt in dem Autor seinen ehemaligen Feind zu erkennen und begibt sich auf die Suche nach ihm.
Nicht zuletzt (mal wieder) wegen des Pferdes auf dem Cover interessierte mich dieses Buch auf meiner Literaturliste ganz besonders und ich wartete begierig darauf es endlich ausleihen zu können. Zunächst sollte es mich auch nicht enttäuschen und ich empfand es eigentlich als zügig zu lesende Novelle.
Die Liebesgeschichte darin, die sich sehr bald und überhaupt recht vorschnell entwickelt wirkte auf mich jedoch -wenn auch versucht wird sie tiefsinnig zu gestalten- etwas klischéehaft. Wenngleich ich zugeben muss schon lange über keine Romanze mehr in den als "hochwertiger" Lektüre eingestuften Büchern gestoßen zu sein die ohne tragische Missstände auskommt. Möglicherweise ist für mich daher eine glückliche, funktionierende Verbindung in der Literatur einfach zu ungewohnt.
Abgesehen davon werden die Figuren vielschichtig beschrieben und bieten somit einiges an Potential, das meistens vom Autor auch entsprechend genützt wird. Der Umgang beziehungsweise die Dominanz des Todes, der das Leben der Figuren schon lange vor seiner Erwartung beherrscht -nicht zuletzt ausgelöst durch die Schrecken und Erlebnisse des Krieges- steht dabei wiederholt im Vordergrund. Trotzdem wirkt die Geschichte letztlich nicht allzu bedrückend, gerade durch die, für den Protagonisten hoffnungsvolle Liebesgeschichte. Zudem enthält das Buch viele schön formulierte lebensbejahende Absätze, die ich mir gern notiert habe.
Der Abschluss des Werks kam für mich recht überraschend und war auch aus der unmittelbar vorhergehenden Handlung nicht vorherzusehen (oder aber ich habe einfach keine Erfahrung mit krimi-hafter Erzählstruktur, wie sie sich zum Schluss hin entwickelt) und kann nur als Pointe bezeichnet werden, so abrupt bricht danach die Handlung ab, obwohl ich mich nicht entscheiden kann ob ich dieses Ende gutheißen soll oder als störend empfinde.
Schnell und angenehm zu lesende Handlung, die jedoch etwas zu sehr durch die Liebesgeschichte gestützt wird, abgesehen davon jedoch sehr interessante Figuren zu bieten hat.
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Titel: Das Phantom des Alexander Wolf
Autor: Gaito Gasdanow
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 191 Seiten
Inhalt:
Mistys Meinung:
Die Liebesgeschichte darin, die sich sehr bald und überhaupt recht vorschnell entwickelt wirkte auf mich jedoch -wenn auch versucht wird sie tiefsinnig zu gestalten- etwas klischéehaft. Wenngleich ich zugeben muss schon lange über keine Romanze mehr in den als "hochwertiger" Lektüre eingestuften Büchern gestoßen zu sein die ohne tragische Missstände auskommt. Möglicherweise ist für mich daher eine glückliche, funktionierende Verbindung in der Literatur einfach zu ungewohnt.
Abgesehen davon werden die Figuren vielschichtig beschrieben und bieten somit einiges an Potential, das meistens vom Autor auch entsprechend genützt wird. Der Umgang beziehungsweise die Dominanz des Todes, der das Leben der Figuren schon lange vor seiner Erwartung beherrscht -nicht zuletzt ausgelöst durch die Schrecken und Erlebnisse des Krieges- steht dabei wiederholt im Vordergrund. Trotzdem wirkt die Geschichte letztlich nicht allzu bedrückend, gerade durch die, für den Protagonisten hoffnungsvolle Liebesgeschichte. Zudem enthält das Buch viele schön formulierte lebensbejahende Absätze, die ich mir gern notiert habe.
Der Abschluss des Werks kam für mich recht überraschend und war auch aus der unmittelbar vorhergehenden Handlung nicht vorherzusehen (oder aber ich habe einfach keine Erfahrung mit krimi-hafter Erzählstruktur, wie sie sich zum Schluss hin entwickelt) und kann nur als Pointe bezeichnet werden, so abrupt bricht danach die Handlung ab, obwohl ich mich nicht entscheiden kann ob ich dieses Ende gutheißen soll oder als störend empfinde.
Fazit:
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Titel: Das Phantom des Alexander Wolf
Autor: Gaito Gasdanow
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 191 Seiten
Sonntag, 3. November 2013
Das Dorf des Deutschen [Rezension]
Ein wenig mit Neid beobachte ich was momentan so auf den anderen Blogs gelesen wird und in den meisten Fällen eine angenehme Unterhaltungsliteratur darstellt, während ich mich durch meine Pflichtlektüre für die Uni arbeite. Weil es aber letztlich doch immerhin Bücher sind füllt sich auch so der Friedhof schön langsam wieder mit neuen Werken.
Malrich Schiller lebt als algerischer Emigrant in einem Pariser Vorort und hat dort mit allerlei Vorurteilen und Problemen der Unterschicht zu kämpfen. Er lernt jedoch sich damit zu arrangieren und findet sich ohne große Gedanken mit seiner Existenz ab. Als sich jedoch sein großer Bruder Rachel das Leben nimmt und Malrich dessen Tagebuch in die Hände bekommt ändert sich seine Gedanken-und Gefühlswelt schlagartig. Mit einem Male wird er mit der Vergangenheit seines Vaters konfrontiert, der ursprünglich von Deutschland nach Algerien geflohen war um der Justiz zu entkommen. Schritt für Schritt muss Rachel die Schrecken des Nationalsozialismus kennen lernen und beginnt zu verstehen warum die Fakten seinen Bruder so aus der Fassung gebracht hatten.
Auf der Rückseite des Covers wird die Sprache Boualem Sansals sehr hochgelobt und er sogar als "Spracherneuerer" der französischen Sprache gefeiert, in der deutschen Übersetzung konnte ich jedoch zunächst nichts davon merken. Die Geschicht beginnt aus der Sicht Malrichs und schnell wird deutlich, dass er mit seinem relativ niedrigen Bildungsstandard wohl die derbe Sprache des Pariser Banlieus repräsentieren soll. Das ist jedoch im Deutschen wohl nicht adäquat übertragbar und so wirkt die Sprache der Figur zunächst ziemlich unauthentisch, als würde in einem schlechten Film versucht deutsche Jugendsprache nachzuahmen. Daher muss man sich als Leser zunächst durch Formulierungen wie "Schlitten" anstelle von "Auto" quälen, allerdings gewöhnt man sich mit der Zeit daran, besonders da sich dadurch immerhin der Kontrast zu Malrichs Schreibstil gut erkennen lässt, der sich merkbar besser auszudrücken weiß.
Dank Malrichs Tagebucheinträgen kann man in Summe die Sprache des Buch doch recht loben, die eine gute Balance zwischen poetisch und realistisch findet und dadurch die tragischen Umstände weder zu sehr enthebt noch sie zu nüchern schildert.
Die Handlung selbst weist durch ihre Vermischung der Nationaltitäten -die beiden Brüder sehen sich immerhin ebenso als Franzosen wie auch als Algerier und Deutsche aufgrund ihres Vaters- ein sonst selten gesehenes Konstrukt auf. Boulem Sansal weiß jedoch diese unterschiedlichen Komponenten bestens zu verknüpfen und bringt sehr klar zum Ausdruck welche Ähnlichkeiten alle Gewaltregime aufweisen und dass die Menschen eben nicht genug aus der Geschichte gelernt haben.
Zudem bringt er viele, mir bisher unbekannte Fakten über Konzentrationslager durch die Recherche des Protagonisten Malrich zum Ausdruck und beschreibt diese so ausführlich wie schrecklich, dass man als Leser ebenso schockiert ist wie die Figur und beginnt dessen Zerrissenheit zu verstehen.
Eine ausgesprochen lesenswerte Geschichte über die verdrängte Vergangenheit eines NS-Vaters -der auch das Leben seiner Kinder damit noch zuerstört- die in sehr genauer, literarisch gewählter Schilderung bezug auf die Verbrechen nimmt
Inhalt:
Mistys Meinung:
Dank Malrichs Tagebucheinträgen kann man in Summe die Sprache des Buch doch recht loben, die eine gute Balance zwischen poetisch und realistisch findet und dadurch die tragischen Umstände weder zu sehr enthebt noch sie zu nüchern schildert.
Die Handlung selbst weist durch ihre Vermischung der Nationaltitäten -die beiden Brüder sehen sich immerhin ebenso als Franzosen wie auch als Algerier und Deutsche aufgrund ihres Vaters- ein sonst selten gesehenes Konstrukt auf. Boulem Sansal weiß jedoch diese unterschiedlichen Komponenten bestens zu verknüpfen und bringt sehr klar zum Ausdruck welche Ähnlichkeiten alle Gewaltregime aufweisen und dass die Menschen eben nicht genug aus der Geschichte gelernt haben.
Zudem bringt er viele, mir bisher unbekannte Fakten über Konzentrationslager durch die Recherche des Protagonisten Malrich zum Ausdruck und beschreibt diese so ausführlich wie schrecklich, dass man als Leser ebenso schockiert ist wie die Figur und beginnt dessen Zerrissenheit zu verstehen.
Fazit:
Mittwoch, 16. Oktober 2013
Die Pest [Rezension]
Seeeeeehr lange lag dieses Buch angefangen auf meinem Nachtkästchen und tatsächlich musste ich es in der in dieser Zeit gleich zweimal verlängern lassen weil ich mich einfach nicht aufraffen konnte es zu lesen aufgrund anhaltender Leseflaute. Das arme Werk sah so den Sommer vergehen und erst als die ersten bunten Blätter über den Friedhof geweht wurde stellte ich mich dieser "Plage" wieder.
In der südafrikanischen Stadt Oran scheint es besinnlich zuzugehen, ehe mit einem Male die Ratten zu tausenden aus dem Untergrund schlüpfen um auf den Straßen und Plätzen der Stadt zu sterben. Die anfängliche Bewunderung der Einwohner schlägt bald in Entsetzen um als sie begreifen müssen, dass die Tiere dabei einen hartnäckigen Pest-Erreger auf die Menschen übertragen haben. Die Stadttore werden verschlossen und somit sehen sich ihre Bewohner in dieser Abgeschlossenheit ganz alleine mit der Seuche konfrontiert.
Da ich mir immer wieder gerne einen Weltliteratur-Klassiker schnappe um ihn auf meiner persönlichen, rein im Kopf existierenden Liste abhaken zu können erschien mir dieses Werk genau richtig und ich wurde nicht enttäuscht.
Obwohl ich eigentlich absolut kein Fan von Dystopien und "Katastrophen-Literatur" (wie auch immer die genaue Definition sein mag) bin konnte ich an dieser Geschichte sofort Gefallen finden. Der Ausbruch der Krankheit wird zwar relativ realistisch beschrieben, doch erfolgt dies rein durch die Perspektive der Figuren und des Erzählers, der sich selbst als zur Stadt gehörend zu erkennen gibt. Dadurch stehen vor allem die Handlungen und Gedanken der Figuren im Vordergrund, die Pest wird zunächst durch sie eher beiläufig erwähnt, wenn sie sich auch immer mehr in deren Bewusstsein drängt.
Zwar ist zu erwähnen, dass die Figuren für mich etwas abgeflacht erschienen, was sie aber nicht weniger interessant macht, besonders wenn man das Buch als Parabel lesen möchte. Die Gedanken und vorallem die Ergebnisse zu denen die Hauptcharaktere kommen sind mitunter sehr philosophisch und wirklich schön formuliert, sodass ich mir fast schon seitenweise Textstellen heraus geschrieben habe.
Ein absolut lesbares Buch mit vielen wertvollen Figuren-Gedanken, welche die manchmal spürbare Einseitigkeit der Charaktere gut aufheben.
"Er wußte, was seine Mutter dachte und daß sie ihn in diesem Augenblick liebte. Aber er wusste auch, daß es nicht vie bedeutet, einen Menschen zu lieben, oder zumindest, daß eine Liebe nie stark genug ist, um den ihr gemäßen Ausdruck zu finden. So würden er und seine Mutter sich immer schweigend lieben. Und sie würde ihrerseits sterben - oder er- ohne daß sie ihr Leben lang aneinander ihre Zuneingung deutlicher hatten bekennen können. Genauso hatte er neben Tarrou gelebt, und dieser war nun tot, ohne daß ihre Freundschaft Zeit gehabt hätte, wirklich gelebt zu werden. Tarrou hatte, wie er sagte, die Partie verloren. Aber was hatte er, Rieux, gewonnen? Er hatte nur gewonnen, die Pest gekannt zu haben und sich daran zu erinnern, die Freunschaft gekannt zu haben und sich daran zu erinnern, ihre Zuneingung zu kennen und sich eines Tages daran erinnern zu dürfen. Alles, was der Mensch beim Spiel der Pest und des Lebens gewinnen konnte, waren Erkenntnis und Erinnerung."
*Albert Camus: Die Pest. Hamburg: Rowohlt Verlag 1997, S.330
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Titel: Die Pest
Autor: Albert Camus
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 349 Seiten
Inhalt:
Mistys Meinung:
Obwohl ich eigentlich absolut kein Fan von Dystopien und "Katastrophen-Literatur" (wie auch immer die genaue Definition sein mag) bin konnte ich an dieser Geschichte sofort Gefallen finden. Der Ausbruch der Krankheit wird zwar relativ realistisch beschrieben, doch erfolgt dies rein durch die Perspektive der Figuren und des Erzählers, der sich selbst als zur Stadt gehörend zu erkennen gibt. Dadurch stehen vor allem die Handlungen und Gedanken der Figuren im Vordergrund, die Pest wird zunächst durch sie eher beiläufig erwähnt, wenn sie sich auch immer mehr in deren Bewusstsein drängt.
Zwar ist zu erwähnen, dass die Figuren für mich etwas abgeflacht erschienen, was sie aber nicht weniger interessant macht, besonders wenn man das Buch als Parabel lesen möchte. Die Gedanken und vorallem die Ergebnisse zu denen die Hauptcharaktere kommen sind mitunter sehr philosophisch und wirklich schön formuliert, sodass ich mir fast schon seitenweise Textstellen heraus geschrieben habe.
Fazit:
Leseprobe:
*Albert Camus: Die Pest. Hamburg: Rowohlt Verlag 1997, S.330
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Titel: Die Pest
Autor: Albert Camus
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 349 Seiten
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