Freitag, 7. September 2012

Verteidigug der Missionarstellung [Rezension]

Kaum aus meinem Postkasten gezogen, habe ich dieses Buch auch schon aufgeschlagen, da musste die Challenge erstmal warten. Wenn ich schon keine passenden Plätze für Wolf Haas' Lesung zu diesem Buch in Salzburg bekommen konnte, wollte ich es mir die Lektüre eben selbst genehmigen.

Inhalt:


Benjamin Lee Baumgartner ist halb Hopi-Indianer und halb Deutscher, oder glaubt zumindest eine solche Gen-Kombination aufzuweisen, ganz sicher ist er sich nicht ob er seiner Hippie-Mutter glauben darf. Im Gegensatz zu ihr litt er nämlich die längste Zeit seiner Jugend an der Skrupelkrankheit, die es ihm unmöglich machte zu lügen. Kaum von dieser geheilt kommt er in Berührung mit allen Epidemien der letzten Jahrzehnte.

Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Schweinegrippe scheinen jeweils mit seinen Romanzen einher zu gehen, sodass ihm die Liebe als schlimmste aller Seuchen erscheint.

Mistys Meinung:


Ob Frau Rowling ohne Harry Potter kann, werde ich Ende dieses Monats herausfinden sobald ihr Buch bei mir eintrifft, aber mit "Verteidigung der Missionarstellug" habe ich jetzt -Anfang des Monats- bereits entdeckt, dass Herr Haas ohne Brenner kann! Zwar wird der exzentrische Ermittler auch kurz in diesem Buch erwähnt, aber nur weil sich der Autor selbst in der Geschichte zu Wort kommen lässt und auf seine "Autorschaft" eingeht. Abgesehen davon schafft er eine ganz neue Geschichte und doch erkennt man sofort seinen ,allseits beliebten, trockenen Humor, den er dieses Mal jedoch auf neue Höhen treibt.

Die Hauptfigur Benjamin Lee Baumgartner ist kein offensichtlicher Held oder Schönling, sondern vielmehr ein liebenswürdiger Kauz, was möglicherweise doch recht an Detektiv Brenner erinnert, die Handlung allerdings gestaltet sich um einiges ausgefallener. Die verrückten Ereignisse in seinem Leben werden zusätzlich durch philosophische und linguistische Anekdoten und vor allem typographische Besonderheiten ausgeschmückt. Vom Lesen dieses Werks an einem öffentlichen Ort rate ich daher ab, da man ganz abgesehen vom Schmunzeln einen merkwürdigen Eindruck abgehen wird, wenn man das Buch zunächst bis wenige Zentimeter vor die Nase führt, da die Schrift so klein wird, dann einmal rund herum dreht, da etwas in einer Schleife geschrieben wurde und an einem Punkt kurz resigniert aufgeben muss, da einige Seiten ganz auf chinesisch verfasst wurden.


 


Solche "Mätzchen" sind natürlich originell, allerdings können sie mich auch nicht endlos begeistern, ebenso wie die verrückte Lebensgeschichte von Benjamin Baumgartner. So sehr sie mich auch zu Beginn begeistert hat, irgendwann verlor das Geschichte doch etwas an Schwung und ich war zufrieden mit der Kürze des Buches.

Fazit:


Bei Anfälligkeit für Haas-Humor ein absolutes "Schmankerl". Wem der trockene Humor jedoch nicht zusagt, der wird sich bei dem Buch wohl trotz der unterhaltsamen Typographie bald schwer tun.

Buchzitat: 


"»Eigentlich bin ich Vegetarier. Ich hab mir diesen Beefburger überhaupt nur gekauft, um mit dir ins Gespräch zu kommen«, hätte er fast gesagt. »Weil ich von der gegenüberliegenden Straßenseite deine Zähne aufblitzen sah, als dir der Verkäufer vom Lederjackenstand etwas zugerufen hat, und ich dachte, so strenger Vegetarier bin ich nicht, dass ich nicht auch einmal einen Beefburger essen kann, immerhin lache ich auch über Veganer, die nicht einmal Eier essen, keine Lederschuhe tragen, und ich frage mich immer, ist es für eine Veganerin überhaupt erlaubt, durch Geschlechtsverkehr männliches Eiweiß in sich aufzunehmen, oder greift da auch schon der Tierschutz?«"*

*Wolf Haas: Verteidigung der Missionarstellung. Hamburg: Hoffman und Campe Verlag 2012, S.9/10
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Titel: Verteidigung der Missionarstellung
Autor: Wolf Haas
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 238 Seiten

Donnerstag, 6. September 2012

Top Ten Thursday II [News]



Und schon zum zweiten Mal kann ich jetzt beim TTT von Alice im Bücherland (http://alice-im-bücherland.de/) mitmachen, da ich letzte Woche meiner privaten Hauptbibliothek wieder einen Besuch abgestattet habe. Die Kritieren für diese Woche lauten:

 10 Bücher zum Thema Freundschaft / Beziehungen / Familie 


Zu diesem Thema lassen sich natürlich sehr leicht Bücher auswählen, aber ich habe mir Zeit genommen und versucht wirklich meine Lieblingsexemplare aus den Reihen zu ziehen von denen ich einige für eher unbekannt halte. Auf das Foto schafften es:


  • Cornelia Funke: Reckless -Steinernes Fleisch
  • Halina Poswiatowska: Erzählung für einen Freund
  • Robin Jarvis: Die Mäuse von Deptford - Das düstere Porstal
  • Robin Jarvis: Die Mäuse von Deptford - Das Kristallgefängnis
  • Robin Jarvis: Die Mäuse von Deptford - Das letzte Gefecht
  • David Clement-Davies: Wolfsaugen
  • Jana Frey- Der Kuss meiner Schwester
  • Anna Mitgutsch - Zwei Leben und ein Tag
  • John Grisham - Die Farm
  • Mark Twain - Die Abenteuer des Tom Sawyer

Bis auf Reckless habe ich alle Bücher dieser Auswahl in meiner Kindheit oder im frühen Teenageralter gelesen und sie sind mir alle samt sehr nahe gegangen. Natürlich sind sie alle sehr lesenwert, aber ein paar möchte ihr trotzdem extra herausheben:

"Wolfsaugen" und die Trilogie "Die Mäuse von Deptford" gehörten jahrelang zu meinen absoluten Favoriten und es hat mir sehr zugesagt, dass Tiere die einzigen Protagonisten darin ausmachen. Freundschaft, Familie und vor allem Gemeinschaft spielen dabei eine große Rolle.

Von der Jugendautorin Jana Frey habe ich damals beinahe alle ihrer erscheinenen Jugendromane gelesen, die auf tatsächlichen Lebensgeschichten aufbauen. Da ich ihre Schreibweise aber schnell für sehr banal hielt habe ich schließlich andere Autoren vorgezogen. "Der Kuss meiner Schwester" gehört allerdings bis heute zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und auch zu den wenigen, die ich fast jährlich wieder lese, aufgrund der berührenden und lebensnahen Geschichte.

"Erzählung für einen Freund" entdeckte ich damals in einer Ramschkiste und finde es recht schade, dass kaum einer bisher von diesem Titel gehört hat. Bei dem Roman handelt es sich eigentlich um die Autobiographie der polnischen Dichterin, die aufgrund ihrer Herzkrankheit sehr früh verstarb. In dem Werk erzählt sie berührend und offen über ihr kurzes Leben das durch ihre Krankheit sehr eingeschränkt wurde.


Mittwoch, 5. September 2012

Die Rosenzüchterin [Rezension]


Trotz oder gerade wegen meiner Büchersünden halte ich an der Challenge fest und habe mit "Die Rosenzüchterin" jetzt das dritte Buch gelesen, das immerhin auch schon fast 2 Jahre in unbetretenen Friedhofsreihen stehen musste. Mit seinen 600 Seiten hielt es mich - mit parallelem Pokémontraining- jetzt auch eine ganze Weile beschäftigt.


Inhalt:


Auf einer der Kanalinseln Englands lebt Beatrice Shaye beinahe ihr ganzes Leben lang in dem Haus ihrer Familie mit der unerwünschten Witwe Helene. Sie hat sich tief in sich selbst verkrochen und verbirgt ihren Gram über die Vergangeheit hinter einer kühlen Fassade.

Erst als Franca, eine junge, gescheiterte Lehrerin, sich in ihrem Haus einmietet fühlt sie sich plötzlich fähig über ihr Leben zu erzählen und verfasst zahlreiche Briefe in denen sie über die Besatzung der Insel während des Zweiten Weltkriegs berichtet. Franca zeigt sich sehr interessiert und offenbart selbst ihren chaotischen Alltag, der von ihrer Tablettenabhängigkeit gezeichnet ist. Gemeinsam verarbeiten die Frauen ihre Vergangenheit und versuchen mit der Gegenwart umzugehen, in der sich bald gefährliche Ereignisse anbahnen.

Mistys Meinung:


Ich war überrascht in dem Buch, das ich aufgrund des Titels eher als kitschverdächtig eingestuft hätte, Charaktere mit wirklichen Problemen anzutreffen. Abhängigkeit von Tranquilizern, schwere Alkoholsucht, Geldprobleme - die Protagonisten, auf die man zu Beginn dieser Geschichte haben sich beinahe alle in gröbere Existenzprobleme verstrickt und geben so natürlich jeweils einen interessanten Konflikt her. Die Autorin nimmt sich sehr viel Zeit dem Leser einen umfangreichen Eindruck über die Figuren zu vermitteln, lässt diese selbst zur Sprache kommen und auch andere darüber nachdenken und werten. So wird ein Blick von mehreren Seiten möglich, der in Summe trotzdem stimmig erscheint und dadurch eine große Anteilnahme beim Leser erzeugt. Allerdings erschienen mir einige der Figuren dabei zu typenhaft gezeichnet und einige ihrer Verhaltensänderungen zu naiv herbeigeführt.

Die Sprache ist eher einfach gehalten, führt aber die meiste Zeit gut durch die Geschichte. Allein bei den Dialogen schmerzte mich wieder einmal der Versuch über die Figuren übertrieben viel Information in den Leser zu pumpen. Es wirkt einfach nicht natürlich, wenn eine ältere Frau im Erzählen über den Krieg zunächst mit einem historischen Prolog inklusive aller Jahreszahlen, einflussreicher Politiker und wichtiger Schlachten beginnt, ehe sie zum persönlichen Teil übergeht. Abgesehen davon finde ich den geschichtlichen Teil der Geschichte recht interessant und sonst auch gut mit dem Leben der Protagonisten verbunden.

Ich halte das Buch zwar nicht für "psychologisch überaus raffiniert", wie es auf der Rückseite angepriesen wird, dazu ereignen sich die Lebensänderungen der Figuren zu einfach und viele davon würden wohl in den Bereich großer medizinischer Unwahrscheinlichkeit fallen. Den Handlungsverlauf finde ich jedoch durchaus spannend und bin dazu geneigt mir ein weiteres Buch der Autorin zu kaufen.

Fazit:


Ein spannender Schmöker, der aufgrund der Probleme mit denen die Protagonisten zu kämpfen haben sehr dazu anregt die Handlung zu verfolgen. Allerdings mangelt es der Geschichte zuweilen etwas an Realitätsnähe aufgrund der expositorischen Dialoge und dem späteren Handlungsverlauf.

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Titel: Die Rosenzüchterin
Autorin: Charlotte Link
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 605 Seiten

Dienstag, 4. September 2012

Die Büchertankstelle und der Jojo-Effekt [News]



Nach einer so langen Bücherdiät war fast schon abzusehen, dass irgendwann der Moment kommen würde da mich die Gier noch schlimmer niederwerfen würde, als ein paar hundert Wälzer auf dem Rücken es vermögen. Dies geschah dann auch letzte Woche und nach vier Monaten ohne einen wirklichen Buchkauf überkam mich der Appetit und ich habe mir gleich drei Bücher bestellt. Doch wie es scheint war das kein kurzzeitiger Schwenker hin zur Sünde, sondern der Anfang zur erneuten SuB-Anhäufungs-Wut!

Nach dem ersten Bruch der guten Vorsätze konnte ich mich auch gestern an der Büchertankstelle nicht zurück halten und schnappte mir dieses Mal gleich 4 literarische Leckerbissen. Nun sitzt Nabu also auf folgenden neuen Schätzen:

 


  • Douglas Adams: So Long and Thanks for all the Fish
  • Herve Bazin: l'huile sur le FEU
  • Jude Deveraux: Forever... 
  • Ross King: Das Labyrinth der Welt

Douglas Adams wollte ich ohnehin immer schonmal lesen, zu diesen Fund konnte ich also gar nicht nein sagen. "l'huile sur le feu" fand ich vom Titel her ansprechend und zudem erfreut es mich immer sehr wenn ich französische Bücher auftreiben kann. Und die letzten beiden Werke...sahen einfach so interessant aus, dass ich sie ebenfalls mitnehmen musste.

Ich befürchte nach diesem zweiten Sündenfall ist jetzt ein Buchbesorgungs-Jojo-Effekt eingetreten und ich werde in nächster Zeit wieder losziehen und mehr Zeit damit verbringen Bücher schubkarrenweise auf den Bücherfriedhof zu schaffen, als welche davon zu lesen. Vielleicht sollte ich jetzt auch endlich einsehen, dass ich nunmal immer weit mehr Bücher besitzen werde, als es mir in meinem Leben je möglich sein wird zu lesen.