Dienstag, 2. Oktober 2018

Mord im Balkanexpress [Rezension]

Fleißig habe ich im September gelesen und rezensiert, diese Motivation möchte ich mir auch unbedingt in den Oktober mitnehmen. Deswegen hier auch gleich zu Monatsbeginn mein letztes Buch vom September.


Inhalt:


Wien, 1895: Alles, was in der glanzvollen Metropole der Donaumonarchie Rang und Namen hat, putzt sich heraus, um die Amtseinführung des neuen Burgtheaterdirektors zu feiern. Sogar Kaiser Franz Joseph hat sich angekündigt. Doch die Festivitäten enden in einer Tragödie: Als Kellner getarnte Terroristen verüben einen Bombenanschlag. Ihr Vorhaben, den Monarchen zu ermorden, schlägt fehl, aber die Gefahr ist damit längst nicht gebannt.

Mistys Meinung:


Allein vom Titel her ist die Parallele zu Agatha Christie natürlich nicht zu übersehen, was mein Lesevorhaben sehr unterstützt hat. Ich wollte mich nämlich an einen der "klassischeren" Krimis heran wagen, das heißt weniger Psychothrill, weniger Geschnetzel dafür mehr Detektivarbeit und stilistische Raffinesse.

Das habe ich in diesem Buch auf jeden Fall auch bekommen. Der Einstieg fiel mir gar nicht so leicht, es erhalten viele verschiedene Figuren ihren Auftritt, es hat also einen guten Grund weswegen sich gleich zu Beginn ein Personenregister für den Leser auftut. Im ebook ist es allerdings trotz Lesezeichen unpraktisch viel hin und her zu schalten, insofern musste ich meine Konzentration doch merklich hinauf fahren. Nach einigen Kapiteln hatte ich mich dann jedoch auch schon daran gewöhnt und der schnelle Wechsel störte meinen Lesefluss nicht. Auch sprachlich ist dieser Krimi auf jeden Fall anspruchsvoll, ich mochte den Stil der Autoren sehr. Es finden sich viele pointierte Formulierungen und ironische Dialogabfolgen zwischen den Spannungsbögen, Leser mit Sinn für sprachliche Spielereien werden ihre Freude daran haben.

Auch geschichtlich hat dieser Krimi etwas zu bieten, ich fühlte mich vor allem dank der Sprache, aber auch wegen der Ortsbeschreibungen sehr gut in die Zeit der großen Donaumonarchie hinein versetzt. Mein Wissen reicht allerdings nicht aus um zu sagen wie authentisch die Schilderungen jetzt letztlich sind. Gut möglich, dass sie auch nur eine romantische Fantasie des Lesers unterstützen. Auf jeden Fall aber vermittelt die Geschichte richtig k.u.k-Flair!

Was die Spannung angeht funktiontiert ein Detektiv-Krimi natürlich völlig anders als ein typischer Sebastian Fitzek. Gerade zu Beginn nimmt sich die Geschichte viel Zeit, legt verschiedene mögliche Enden aus und gibt viel Raum die Figuren kennen zu lernen. Ich emfand das als angenehme Abwechslung, war mir jedoch oftmals nicht ganz klar wohin mich die Autoren mit dem Handlungsverlauf führen würden, für mich fand sich kein wirklich klarer Spannungsbogen, vieles passierte dann doch sehr überraschend, was mich ein wenig verwirrte. Insofern war die Geschichte nicht ganz perfekt, obwohl es auch mal angenehm ist wenn die Leseerwartungen nicht wie üblich erfüllt werden. Das Ende jedenfalls ist ein wenig untypisch und ließe Raum für eine Fortsetzung. Was mir irgendwo gefiel und andererseits ein wenig unzufrieden zurück ließ.

Fazit:


Ein echt toller, klassischer Krimi der viel Sinn für geschichtlichen Flair und feine Sprache mitbringt. Auf jeden Fall einen Versuch wert!

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Titel: Mord im Balkanexpress
Autoren: Matthias Wittekindt, Rainer Wittkamp
Verlag: Haymon
Sprache: Deutsch
ebook: 296 Seiten

Kommentare:

  1. Liebe Misty!

    Danke für dein Follow auf unserem Blog :)

    Der Mord im Balkanexpress klingt richtig gut für ein paar Leseabende im Herbst oder Winter. Muss natürlich auf meine WuLi wandern *gg* Danke für die Rezension!

    Alles Liebe,
    Jules

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  2. Liebe Misty

    Das klingt nach einem wirklich tollen Buch. Mir geht es oft ähnlich wie dir. Ich mag aber sogar Krimis und Thriller, in denen es blutig zugeht, wenn die Brutalität zum Inhalt passt und nicht einfach Effekthascherei ist.

    Was du wohl meinst, sind die klassischen Detektivromane, die mit Krimis eigentlich ja nicht viel am Hut haben, weil da wirklich die Seite des Ermittlers beleuchtet wird. Ich habe dir gleich auch noch einen Tipp und zwar mag ich die in Paris angesiedelten Romane um Madame Blandel aus der Feder von Marie Pellissier sehr. Leider sind erst zwei davon erschienen, aber von beiden war ich total begeistert.

    Alles Liebe dir
    Livia

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    1. Hallo Livia,

      ui, vielen Dank für deinen Tipp, die beiden Bücher werde ich mir in der Arbeit gleich mal genauer ansehen bzw. unter die Lupe nehmen (ha!) :D Ich hätte nicht gedacht, dass mir solche Detektivromane so gut gefallen könnten :) Allerdings erwartet man bei ihnen auch wirklich ein gewisses Level, auch was den Stil angeht, da bin ich für Tipps sehr dankbar!

      Liebe Grüße :)

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