Sonntag, 15. Juli 2018

Kleine Feuer überall [Rezension]

Ich denke ich kann mich zurecht als "in-die-Welt-der-Bücher-Zurückgekehrte" bezeichnen. Endlich hat mich der Sog der Geschichten wieder soweit im Griff, dass ich ein für meine Verhältnisse beachtliches Lesetempo an den Tag lege. Na wenn das nurmal eine Weile so bleibt.


Inhalt:


Es brennt! In jedem der Schlafzimmer hat jemand Feuer gelegt. Fassungslos steht Elena Richardson im Bademantel und den Tennisschuhen ihres Sohnes draußen auf dem Rasen und starrt in die Flammen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie die Erfahrung gemacht, "dass Leidenschaft so gefährlich ist wie Feuer". Deshalb passte sie so gut nach Shaker Heights, den wohlhabenden Vorort von Cleveland, Ohio, in dem der Außenanstrich der Häuser ebenso geregelt ist wie das Alltagsleben seiner Bewohner. Ihr Mann ist Partner einer Anwaltskanzlei, sie selbst schreibt Kolumnen für die Lokalzeitung, die vier halbwüchsigen Kinder sind bis auf das jüngste, Isabel, wohlgeraten. Doch es brennt. Elenas scheinbar unanfechtbares Idyll - alles Asche und Rauch?

Mistys Meinung: 


Es fällt mir wieder einmal schwer eine Bewertung über ein Buch zu fällen. So auch bei diesem hier. Daher werde ich versuchen mein Urteil ein wenig aufzuteilen und möchte mit dem starken, positiven Part beginnen. Celeste Ng (man spricht den Nachmen übrigens "ing" aus, wie ich neulich lernen durfte) hat defintiv einen sehr spannenden Roman geschaffen, der stark anläuft und einen sofort mit sich reißt. So ist es zumindest mir ergangen und ich war sowohl vom flüssigen Schreibstil als auch von den Figuren sehr überzeugt und habe die Geschichte in nur wenigen Tagen förmlich inhaliert.

"»Manchmal denkt man, dass nichts mehr geht, und findet doch einen Weg.« Mia suchte nach einer passenden Erklärung. »Es ist wie nach einem Präriefeuer.[...] Man meint, das Ende der Welt zu sehen. Die Erde ist völlig versengt und schwarz, alles Grüne verschwunden. Aber nach dem Brand ist der Boden fruchtbarer und Neues kann wachsen.«"*

Es gibt einige unerwartete Wendungen, die schön aufgebaut werden und viele gleichzeitige Spannungsbögen, die man gespannt verfolgt. In dieser Hinsicht war ich wichtig durchwegs zufrieden und würde das Buch daher auch weiterempfehlen.

Allerdings kann ich mich den lobenden Stimmen in einer Hinsicht nicht anschließen und das ist jene Seite, die das Buch als "gesellschaftskritisch" feiert. Zugegeben der Hauptaspekt der Geschichte "Was macht eine wirkliche Mutter aus?" ist sehr interessant angelegt und wird von der Autorin auch ambivalent gehandelt. Aber womit ich dabei wirklich hadere ist der starke moralische Unterton, der im Laufe der Handlung an Lautstärke zunimmt.

Ich finde es ermüdend, dass die wohlhabende Oberschicht immer als "außen hui, innen pfui" entlarvt werden muss. Kann man nicht auch wohlhabend sein dürfen und trotzdem ein guter Mensch? In Romanen, die sich kritisch zeigen wollen offenbar nicht. Vielleicht habe aber auch nur ich persönlich diese Lesart verfolgt, Diskussionsbedarf gäbe es da bei mir aber auch jeden Fall - was wiederum auch irgendwo für das Buch spricht. Trotzdem hat mir das den reinen Genuss ein klein wenig versalzen.

Fazit:


Ein toller Roman, der an vielen Enden gleichzeitig das Feuer entzündet, sodass man als Leser gespannt versucht allen Lunten gleichzeitig hinterher zu jagen. Für Spannungsaufbau ist dadurch definitiv gesorgt. Auch die Charaktere erwärmen einem sogleich das das Leserherz, einzig am starken moralischen Unterton könnte man sich die Finger verbrennen - der ist womöglich nichts für jeden.

*Seite 336
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Titel: Kleine Feuer überall
Autorin: Celeste Ng
Verlag: dtv
Sprache: deutsch
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

Kommentare:

  1. Liebe Misty

    Ich finde, dass dir da eine sehr tolle und differenzierte Rezension gelungen ist. Tatsächlich habe ich das Buch noch nicht gelesen und bis jezt nur entweder komplett begeisterte oder komplett kritische Rezension gesehen. Dass du es schaffst, alle deine Eindrücke so schön zu verarbeiten, macht - trotz allem - Lust auf das Buch und auf die Spannung, die erzeugt wird.

    Alles Liebe dir
    Livia

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    1. Hallo Livia :)

      Danke dir, das freut mich. Es war mir wichtig, dass Buch nicht schlecht zu reden, weil es mir ja eigentlich recht gefallen hat - und ich werde es sicherlich auch weiter empfehlen :) Es ist eben nur nicht ganz unproblematisch, aber das kann ein gutes Buch ja durchaus auch mal sein :D

      Liebste Grüße!

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  2. Hallo :)

    Ich habe das Buch im Zuge einer Leserunde auch vor einer Weile gelesen und war deshalb gespannt auf deine Meinung dazu. Obwohl dich das Buch nicht vollständig überzeugen konnte, finde ich deine Rezension bzw. die Begründung für deine Kritik sehr nachvollziehbar und gut begründet. Mit dem Arm/Reich-Klischee stimme ich dir sogar zu, von dieser Perspektive hatte ich das noch gar nicht betrachtet. :D

    Liebe Grüsse ♥
    paperlove von Between the Lines.

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