Samstag, 30. Juni 2018

Summ, wenn du das Lied nicht kennst [Rezension]

Nachdem in den letzten Wochen die Thriller im Vordergrund standen freue ich mich aktuell auch wieder über die gute, alte Belletristik. So sehr ich mittlerweile verstrickte, spannende Stories schätze ist es doch immer wieder angenehm berührende Geschichten in schöner Sprache zu lesen. Dabei ist das folgende Buch wirklich eine Paradebeispiel.


Inhalt:


Südafrika 1976. Die neunjährige Robin wächst behütet in einem Vorort von Johannesburg auf. In derselben Nation, aber Welten von Robin getrennt, lebt Beauty Mbali, eine verwitwete Xhosa-Frau, die sich allein um ihre Kinder kümmert. Als Robins Eltern getötet werden und zur selben Zeit Beauty in den Wirren des Schüleraufstands von Soweto nach ihrer Tochter sucht, führt das Schicksal diese zwei Menschen zusammen, deren Wege sich sonst nie gekreuzt hätten.

Mistys Meinung:


Die wunderschönen Hardcover des Wunderraum Verlags mit ihren Leineneinbänden sind ja für sich schon ein Hingucker, aber dann verbirgt sich auch noch so eine wunderbare Geschichte zwischen den Buchdeckeln! Ich war wirklich gefesselt von dieser ungewöhnlichen Geschichte, die mich mitten in eine mir völlig unbekannte Welt geführt hat. Sowohl was die Zeit, als auch die Menschen angeht.

"Unsere Unterkünfte sind so offen, wie die Welt einst war, als es keinerlei Wände oder Dächer gab außer jenen, die unmittelbaren Schutz gewährten. Privatsphäre ist kein Konzept, das mein Volk versteht oder wünscht; wir sind Zeugen des Lebens der anderen und finden es tröstlich, dass unser eigenes Leben wahrgenommen wird. Welches Geschenk könnte größer sein, als jemandem zu sagen: Ich sehe dich, ich höre dich, du bist nicht allein?"*

Erst durch Deon Meyer habe ich angefangen mich für Südafrika, die Sprache Afrikaans und das dortige, schwierige Aufeinandertreffen mehrerer Kulturen zu interessieren. Da kam mir diese Geschichte gerade recht, um mein Wissen, aber auch meine Gefühlswelt zu erweitern. Der Autorin gelingt es ausgesprochen gut einen direkt mitten ins Geschehen des Soweto Aufstands von 1976 zu führen und das tut sie zum Teil aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. So wird man mit den relevanten historischen Details gefüttert und lernt zugleich die furchtbaren Machenschaften und ihre grausamen Auswirkungen auf die Betroffenen kennen. Dadurch hat dieses Buch wirklich eine starke Betroffenheit bei mir ausgelöst - zumal sich soviele treffende Formulierungen finden, die wunderschön geschrieben sind.

Trotzdem ist dieses Buch durch und durch ein Roman und das erkennt man vor allem dadurch, dass die Geschichte wirklich, wirklich spannend bleibt. Die Figuren treffen mitunter verheerende Entscheidungen, sodass man fast atemlos durch die Kapitel fliegt und sehr mit ihnen bangt. Aber es gibt auch einige schöne Stellen zum Schmunzeln, die natürlich ebenfalls unterhalten. Man merkt der Autorin meiner Meinung nach sehr an, dass sie ein Creative-Writing-Studium hinter sich hat, was mir über weite Teile recht positiv auffiel.

 "Ich weiß, was Robin wirklich wissen will. Nämlich ob der Himmel ihre Eltern dankbar dafür gemacht hat, dass sie von einer Schwarzen großgezogen wird, der ihr Kind am Herzen liegt, oder ob meine Rasse auch im Jenseits noch ein Problem für sie ist. Sie fragt sich, ob auch der Himmel in einen Bereich nur für Weiße und eine Abteilung für Schwarze getrennt ist und ob Gebete nach Farbe geordnet zu Gott aufsteigen, damit er weiß, welche wichtig sind und welche ignoriert werden können."~

An manchen Stellen sind die Beschreibungen aber auch gar blumig, sowas muss man mögen. Auch die Gefühlswelt der kleinen Robin wurde für meinen Geschmack an manchen Stellen etwas überzogen, um den entsprechenden Effekt für den Spannungsbogen zu bekommen, aber trotz dieser Abzüge ist das Buch für mich ein 5-Sterne Titel.

Fazit:


Ein wunderschönes Buch mit einer wunderbaren Geschichte, die durch ihre berührenden Passagen nichts von ihrer Spannung und Dringlichkeit verliert. Gerne lesen!

*Seite 20 
~Seite 385
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Titel: Summ, wenn du das Lied nicht kennst
Autorin: Bianca Marais
Verlag: Wunderraum
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten

Kommentare:

  1. Hallo!
    Mir hat der Roman auch sehr gut gefallen, einzig das Ende war mir etwas too much! Deshalb gab es einen Sterneabzug. Aber bis dahin hat mich diese Geschichte sehr berührt und mich habe auch vieles gelernt.
    Liebe Grüße
    Martina
    https://martinasbuchwelten.blogspot.com/

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    1. Hallo Martina :)

      hab mir gerade deine Rezension durchgelesen und kann dem allen nur zustimmen. Ich fand das Ende allerdings nicht ganz so schlimm, obwohl es natürlich detektivmäßig überzogen wird. Aber da es ja tortzdem ein Roman ist hat mich das nicht so gestört. Ich fand da eher an manchen Stellen Robin nicht ganz so glaubwürdig zB als sie die Bewerbungen schreibt. Das fand ich für ein 9jähriges Mädchen selbst bei einer fiktiven Geschichte völlig überzogen :D also ganz perfekt war das Buch auch in meinen Augen nicht, aber die Botschaft ist wirklich wundervoll :)

      Liebe Grüße!

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  2. Liebe Misty

    Herzlichen Dank für die Empfehlung, das Buch kommt auf jeden Fall auf die Liste :-)

    Ganz liebe Grüsse
    Livia

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  3. Hallo Misty,
    auch ich habe das Buch vor Kurzem gelesen und es hat mir sehr gut gefallen. Es ist gut, wenn das solch schlimme Sachen, wie die Apartheid, nicht in Vergessenheit gerät. Sowas darf sich nie wieder wiederholen. Wie Martina, empfand auch ich das Ende als etwas überzogen. Das schwächte für mich doch den Gesamteindruck. Falls du Lust auf meine Rezi hast, HIER entlag, bitte. :-)

    Derzeit lese ich einen Krimi, der in Südafrika spielt, "Tod am Kap" von Joyce Summer. Gefällt mir sehr gut. Hat ein paar Schwächen aber man bekommt sehr gute Einblicke in die Townships und dass dort durchaus andere Gesetze gelten. Als Tourist denke ich, muss man da schon vorsichtig sein und sich gut informieren, damit man nicht zur falschen Uhrzeit am falschen Ort ist. Ich möchte so gerne auch mal dort Urlaub machen. :-)

    GlG, monerl

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    1. Hallo Monerl :)

      witzig, mir ist das Ende zwar schon als konstruiert und detektivisch stark angehaucht vorgekommen und klar spielt ihr da alles sehr zufällig in die Hände aber trotzdem hat mich das eben nicht so gestört wie zB dass Robin mit 9Jahren bessere Bewerbungsschreiben aufsetzt als manche Erwachsene :D:D also klar ist es mir ins Auge gefallen dass der Schluss überzogen war, aber ich fand das eigentlich recht spannend :)

      Südafrika hat schon was, gell? Ich bin durch Deon Meyer bereits auf diese faszinierende Gegend gekommen und nebst seiner letzten Dystopie schreibt der auch Krimis die dort spielen, also da werde ich mir demnächst sicherlich auch mal einen vornehmen. Urlaub würde ich mir glaube ich dort nicht machen trauen :O aber faszinierend wäre es auf jeden Fall.

      Liebe Grüße!

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