Sonntag, 20. Januar 2019

Unter der Mitternachtssonne [Rezension]

Im bitterkalten Januar bin ich bester Dinge und auch das eine oder andere Lesestündchen konnte ich zwischendrin einschieben. Somit habe ich derzeit tatsächlich wieder ein paar offene Rezensionen, die ich ab und an hier einstreuen werde.


Inhalt:


Osaka, 1973: Der Pfandleiher Kirihara wird ermordet in einem verlassenen Gebäude aufgefunden. Der unerschütterliche Detektiv Sasagaki nimmt sich des Falls an, der von nun an sein Leben bestimmt. Beinahe zwanzig Jahre lang versucht Sasagaki mit zunehmender Verzweiflung, den Mord aufzuklären, in dessen Netz sich Täter, Opfer und Polizei verfangen haben. Bis über alle Grenzen hinaus, bis hin zur Obsession.

Mistys Meinung:


Zugegeben, ich habe sehr lange an diesem Buch gelesen, fast über einen Monat lang, aber das ist keineswegs der Geschichte selbst geschuldet. Auch wenn dieser Titel für einen Krimi mit 700 Seiten sehr mächtig auftritt, ist er mir nicht einmal langatmig erschienen, ganz im Gegenteil. Er hat mich sogar mitten im Weihnachtsgeschäft regelmäßig in seinen Bann gezogen.

Nachdem ich dank Kazuaki Takano schon feststellen konnte, dass japanische Thriller ein sehr spannendes Umfeld abgeben, durfte ich auch bei diesem Krimi wieder mitten in diese mir recht unbekannte Kultur eintauchen. Und ich war durchwegs begeistert. Auf diese wenigen Worte kann ich sowohl Plot als auch Figuren herunter brechen, denn ich war richtig, richtig gut unterhalten. Zum einen hält sich der Autor nicht an die üblichen stringenten Erzählmuster, nein, er wechselt durch verschiedene Figuren und deren Perspektiven, selbst wenn diese dann im Laufe der Erzählung nie wiederkehren. Das fand ich zum einen recht abwechslungsreich und zum anderen fordert es einen als Leser wirklich zum Mitdenken, wenn nicht immer dieselben zwei unterschiedlichen Perspektiven abgekaut werden.

Neben der interessanten Erzählweise fand ich aber auch die Story sehr schön inszeniert. Zum einen legt der Autor soviele verschiedene Hinweise aus, dass sich ein wirklich dichtes Netz aus Möglichkeiten ergibt, zum anderen bleibt er aber dennoch auf dem Boden der Tatsachen. Nicht einmal fand ich eine unerwartete Handlung an den Haare herbei gezogen oder auch nur annähernd seltsam. Higashino bleibt auf dem Boden der Tatsachen und lässt noch dazu einige Zeitfenster für den Leser völlig im Dunkeln, was natürlich zusätzlich zum Fabulieren darüber einlädt.  Da immer wieder neue Figuren eingeflochten werden ist die Leserkonzentration zusätzlich gefordert, es handelt sich um keinen Krimi den man leicht nebenher lesen kann, vor allem wenn man mit der Aussprache der asiatischen Namen hadert - so wie ich. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das langsame, feine Erzähltempo nicht jederlesers Sache ist, aber für mich war es ideal und auf die Geschichte abgestimmt, schließlich erstreckt diese sich über den Zeitraum von gut 20 Jahren. Eine Spanne, die ihre Zeit braucht.

In Summe kann ich nur sagen, dass es sich um einen sehr intelligent geschriebenen Fall handelt, der sicherlich auch ein mehrmaliges Lesen verdient hätte, um alle Details ganz aufnehmen zu können.

Fazit:


Ich bin begeistert. Ehrlich begeistert, dass mir dieses Genre dank des Autors jetzt so großen Spaß macht. Unter der Mitternachtssonne ist ein wunderbarer Tipp für Leser, die auf einen intelligenten, dicht konstruierten, authentischen Thriller aus sind. Großartig geschrieben!

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Titel: Unter der Mitternachtssonne
Autor: Keigo Higashino
Verlag: Tropen
Sprache: Deutsch
ebook: 720 Seiten

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