Donnerstag, 21. Dezember 2017

Wolfsland [Rezension]

Jetzt darf Salzburg endlich etwas länger schon ein bisschen Schnee genießen. Irgendwie zieht es mich daher aktuell auch während meiner Lektürestunden in unwirtlichere Landschaften und an Winterschauplätze. So auch bei diesem Roman.


Inhalt:


Der junge Orlando wächst gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder in einem sehr abgelegenen Dorf Galiciens auf. Abgeschieden von der Außenwelt genießt er seine Kindheit bis zu dem Tag an dem plötzlich grausam zugerichtete Leichen von Dorfbewohnern aufgefunden werden. Während sich viele der Bauern einig sind, dass es dich dabei um einen Werwolf handeln muss, plädiert Orlandos rationaler Vater darauf diesen Aberglauben ruhen zu lassen. Doch auch seine eigene Familie ist vor dem Wüten nicht gefeit.

Mistys Meinung:


Treue Leserseelen wissen es schon längst; jeder Klappentext, der sich auch nur an den Begriff Werwolf annähert zieht meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich. Keine übliche Urban Fantasy, sondern einen Roman mit dieser Thematik zu erhaschen fand ich besonders spannend.

Für diesen Griff wurde ich auf ganzer Länge belohnt, dieses Buch konnte mich tatsächlich rundum begeistern. David Monteagudo versteht es wirklich zu schreiben.Und auch dem Übersetzer Matthias Strobel darf man alle Rosen reichen. Die Beschreibungen beschwören die Landschaft Galiciens und ihre Bewohner wirklich gekonnt herauf und ich habe die treffenden Formulierungen sehr genossen. Solch hochwertige Lektüre hat mir in letzter Zeit wirklich schon gefehlt. Sprachlich bzw. stilistisch gibt es an diesem Roman absolut nichts auszusetzen.

Aber auch was die Handlung betrifft war ich mehr als positiv überrascht. Die Geschichte liest sich wie ein Thriller, stets war ich überrascht welche Richtungen der Autor auf der Suche nach der Aufklärung der Morde einschlägt. Er versteht es wirklich logische Konsequenzen und daraus folgende Überraschungen einzubauen, die einem den Atem rauben. Gerade die letzte Hälfte habe ich praktisch in einem Rutsch gelesen. So gepackt werde ich von Geschichten mittlerweile eher selten. Dabei verliert der Autor jedoch nie seinen sprachlich dichten Stil, einerseits möchte man die Seiten nur so überfliegen, andererseits kommt man nicht umhin seine schönen Sätze zu bewundern.

Und dabei wird auch noch den Figuren viel Aufmerksamkeit geschenkt und sie können sich in all ihrer Tiefe voll entfalten. Denn eigentlich ist dieses Buch vielmehr als Drama zu lesen und funktioniert als solches ganz besonders gut. Mehr möchte ich eigentlich gar nicht mehr verraten, da sonst die Gefahr besteht, dass etwas vom geheimnisvollen Inhalt verloren geht.

Fazit:


Eine rundum gelungene Mischung, voll düsterer Ahnungen, leicht surrealistischer Einschläge und dramatischer Entscheidungen der Figuren. Eingebettet in eine wunderbare Sprache. Ein klares, wunderbares Lesehighlight.

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Titel: Wolfsland
Autor: David Monteagudo
Verlag: Rowohlt
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 272 Seiten

Kommentare:

  1. Huhu!

    Ich habe zu Werwölfen irgendwie ein gespaltenes Verhältnis! Im Grunde finde ich sie sehr interessant, aber aus irgendeinem Grund kann ich zum Beispiel Liebesgeschichten mit Werwölfen gar nicht leiden...

    Aber egal, ob es hier wirklich Werwölfe sind oder nicht, es klingt so, als gäbe es hier auf jeden Fall keine Werwolf-Liebesgeschichte, oder? ;-) Das Buch klingt so, als wäre es genau mein Beuteschema!

    Sehr schöne Rezension!

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka,

      ich persönlich schätze Kuschel-Werwölfe auch überhaupt nicht - ich mag die garstigen, blutlüstigen Gesellen. In diesem Fall hier findest du garantiert keine schnulzige Version :)

      Die Geschichte ist wirklich etwas ganz eigenes, aber auf jeden Fall ein Roman und keine Fantasy.

      Liebe Grüße!

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