Dienstag, 17. April 2018

Die Frau, die liebte [Rezension]

Da kehrt der Frühling auch schon wieder und in all dem freudigen Taumel, der darin besteht, dass ich meine sportlichen Leistungen weiter und weiter steigere finde ich tatsächlich auch noch die Zeit einige Büchlein zu verschlingen. Denn nicht nur was die wirklichen Berge anbelangt, auch was meinen SuB Berg auf dem Nachtkästchen betrifft mache ich gute Fortschritte. Ganz in "Jenga"-Manier aus diesem Berg gezogen wurde jedenfalls folgendes Buch.


Inhalt:


Als Martin Guerre nach langjähriger, rätselhafter Abwesenheit endlich zu seiner Frau zurückkehrt, ist Bertrande de Rols, eine Frau von 30 Jahren, von Sinnen vor Glück. Doch nach kurzer Zeit beginnt sie zu zweifeln: ist der Mann, den sie liebt, wirklich Martin? Hin- und hergerissen zwischen ihrer Sehnsucht nach Zugehörigkeit und einer düsteren Ahnung, entfesselt sie eine richterliche Untersuchung – und eine Tragödie.

Mistys Meinung:


Ehrlich gesagt habe ich wie üblich relativ unwissend zu diesem Büchlein gegriffen und hätte -gerade angesichts des Covers- nicht mit einer solch rasanten Story gerechnet wie ich sie schließlich vorgefunden habe. Die Grundlage dieser Geschichte bildet ein tatsächlich belegter Rechtsfall aus dem Jahre 1539, der wohl auch damals schon großes Aufsehen erregt haben dürfte, beschuldigt eine Ehefrau immerhin ihren nach 8 Jahren heimgekehrten Ehemann des Betrugs (sie hält ihn folglich nicht für ihren richtigen Mann).

Janet Lewis entspinnt aus dieser Grundlage eine ausgesprochen berührende und in meinen Augen vollends gelungene Lebenschilderung eben dieser Frau. Dabei wird die historische Grundlage ganz wunderbar in Romanform verpackt und ich war gerade auch von der Sprache recht begeistert. Die Autorin findet mit ihren treffenden Formulierungen einen guten Zugang zu den Gefühlen ihrer Figuren und zeichnet ein glaubwürdiges Gesamtbild von ihnen.

"Acht Jahre lang bin ich unter Männern unterschiedlicher Herkunft und Verfassung gereist. Manches Mal befand ich mich in Todesgefahr. Wenn ich bei meiner Rückkehr zu dir größere Weisheit besitze als damals bei meinem Weggang, wünscht du dir, dass ich sie ablege, damit ich meinem Vater wieder ähnlicher werde? Gott weiß, mein Kind, und der Priester wird es dir bestätigen, dass ein Mensch mit üblichen Gewohnheiten aus eigener Willenskraft seine Taten und Eigenheiten so ändern kann, dass er ein guter Mensch wird."*

Doch selbst die Spannung bleibt in diesem Buch nicht aus und es finden sich schließlich zahlreiche unerwartete Wendungen, die ich so niemals erwartet hätte und in einem sehr gelungenen Ende ihren Ausgang finden. Selbst wenn dieses Büchlein also wirklich wenig Seiten fasst sollte man ihm dennoch unbedingt zutrauen auf diesen absolut von der Handlung mitgerissen zu werden!

Fazit:


Eine in Romanform wirklich ausgezeichnet umgesetzte historische Begebenheit, der es weder an tollen Schreibstil noch an Spannung fehlt. Ein idealer literarischer Leckerbissen!

*Seite 58
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Titel: Die Frau, die liebte
Autorin: Janet Lewis
Verlag: dtv
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 128 Seiten

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