Freitag, 23. März 2018

Acht Berge [Rezension]

Hat sie sich abgesetzt? Verweigert sie die Buchwelt jetzt? Oder ist sie schlichtweg im Gebirge verschollen? Diese und mehr Fragen mag sich manch treuer Leser aktuell stellen, aaaaber ich kann sie nun alle endlich verneinen. Ich kehre von einer recht hartnäckigen 2-monatigen Leseflaute zurück, doch während dieser konnte ich auch ausreichend Energie tanken um mich wieder so richtig ins Buchgetümmel zu werfen.



Inhalt:


Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?

Mistys Meinung:


Da es mich in letzter Zeit tatsächlich wieder in die Berge zieht habe ich neulich ganz spontan nach diesem Buch gegriffen und es keine Sekunde bereut. Paolo Cognetti wird als "die männliche Antwort auf Elena Ferrante" gefeiert -was ich jetzt weder beweisen noch widerlegen will- auf jeden Fall aber konnten mich seine Figuren und sein Schreibstil durchwegs überzeugen.

Inhaltlich war seine Geschichte für mich zunächst wirklich angenehm entschleunigend, gerade bei Belletristik genieße ich es ungemein wenn die Handlung sich Zeit lässt und nicht alles Schlag auf Schlag passiert. Dabei war ich dennoch durchwegs konzentriert, es fühlte sich irgendwie auch wie ein langsamer Aufstieg zum Gipfel an, bei dem man jedoch alles besonders genießen kann. Cognetti nimmt sich Zeit für die großartige, alpine Umgebung seiner Figuren, er beschwört auch beim Leser regelrecht eine Sehnsucht nach dieser Landschaft herauf. Die Protagonisten kommen dabei nicht zu kurz und fügen sich mit ihren Gedanken und Gefühlen auch wunderbar in das Gesamtbild.

"Ich wusste nicht mehr, warum ich die Berge hinter mir gelassen, und auch nicht, was ich stattdessen geliebt hatte, als meine Liebe zu ihnen erloschen war."*

Den Schreibstil würde ich als sehr klar und direkt beschreiben und doch schleichen sich einige recht tiefsinnige Formulierungen hinein, die ich mir auch direkt unterstrichen habe und die sicherlich auch Einzug in mein kleines Zitatenlexikon finden werden. Sie zeigen, dass der Autor das Leben sehr genau, aber auch sehr realistisch und ungeschönt betrachtet und genau das macht für mich einen wirklich guten Roman aus. Kein Kitsch, kein dem Leser zuliebe hingebogenes Liebesverhältnis, alles nimmt seinen Lauf und der ist nunmal auch entmutigend oder traurig. Trotzdem sind die Figuren frei von Selbstmitleid und genau diese Eigenschaft schätzte ich auch ungemein und eben solche Bücher helfen einem auch das eigene Leben leichter zu nehmen.

Ein Buch also jedenfalls aus dem man persönlich sehr viel mitnehmen kann, wenn man es denn darauf anlegt. Aber auch so kann man es und die herauf beschworene Berglandschaft einfach nur genießen. Ich kann versprechen einen jeden wird es nach dem Lesen ins Gebirge ziehen. Bergsehnsucht pur!

Fazit:


Ein sehr eindringliches, sprachlich feines Buch, das ich sehr gerne weiter empfehle. Der Autor verwebt seine Figuren überaus geschickt mit der wundervollen Landschaft, lässt seine Leser aber auch die Schattenseiten der Berge und des Lebens spüren. Eine tolle Lektüre!

*Seite 138
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Titel: 8 Berge
Autor: Paolo Cognetti
Verlag: DVA
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 245 Seiten

1 Kommentar:

  1. Liebe Misty

    Ohne deinen Tipp wäre ich nie auf dieses Buch aufmerksam geworden. Herzlichen Dank für die Empfehlung, das Buch kommt auf die Wunschliste :-)

    Alles Liebe dir und noch ein schönes Wochenende
    Livia

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