Sonntag, 6. August 2017

Die Moortochter [Rezension]

Als stolze Besitzerin eines neuen Tolino -dem Kindle musste ich als Mitarbeiterin des stationären Buchhandels einfach abschwören- habe ich mich sogleich über ein paar ebooks hergemacht. Leider befinde ich mich nach wie vor auf der Suche nach einem richtig guten Thriller und der folgende Titel fiel leider nicht wirklich in diese Kategorie.



Inhalt:


Obwohl es Helena Pelletier gelungen ist ein geregeltes Leben inmitten der zivilisierten Gesellschaft zu führen holt ihre Vergangenheit im Moor sie wiederholt ein. Immer wieder hat sie Schwierigkeiten sich Regelungen zu unterwerfen oder sich ihren Töchtern gegenüber liebevoll zu verhalten. Viel zu belastet ihre Kindheit sie, die sie als Tochter eines Entführungsopfers inmitten der Wildnis verbrachte. Als dann noch ihr Vater aus dem Hochsicherheitsgefängnis flieht muss sie sich ihrer Vergangenheit erneut stellen.

Mistys Meinung:


Sehr ansprechender Inhalt, ausgezeichnete Ausgangslange für einen spannden Thriller. Würde man zumindest meinen. Insbesondere da die Autorin selbst einige Jahre in der Wildnis mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter verbracht hat.

Nun...Das Buch beginnt mit dem gegenwärtigen Leben der Hauptfigur, besteht aber die meiste Zeit aus Rückblicken in ihre Vergangenheit im Moor. Diese Rückblicke fand ich durchaus interessant, da das Leben bzw. Überleben abseits der modernen Gesellschaft recht ausführlich und auch glaubhaft geschildert wird. Allerdings gleicht das Buch mit diesen Rückblicken vielmehr einem Roman, wobei es mich für einen Roman leider sprachlich nicht genug überzeugen konnte. Vom geradlinigen Schreibstil her würde die Geschichte hingegen mehr in die dynamische Thrillerrichtung schlagen. Dafür wiederum ist sie einfach nicht spannend genug. Zwar gibt es einige prekäre Momente, da der Vater als sadistische Figur sein Auftreten findet, allerdings nicht in einer Art und Weise, dass ich von einer psycholisch spannenden Story sprechen könnte.

Zwar versucht sich die Autorin an einigen Erläuterungen in dieser Hinsicht -etwa warum die Mutter von Helena niemals einen Fluchtversuch startet- aber die Ansätze bleiben in meinen Augen viel zu unwissenschaftlich. Zwar habe ich selbst kaum eine Ahnung auf diesem Gebiet, aber sie greift auf zahlreiche Beispiele in der Tierwelt zurück (z.B. dass eine gefangene Maus nach einigen Tagen nicht mehr versucht zu fliehen), die ich durch meine zahlreichen Mäuse-Domestizierungsversuche aus meiner Kindheit recht leicht widerlegen kann und derlei mehr.

Weder die Mutter noch der Vater konnten für mich zu authentischen Protagonisten reifen und auch Helena selbst war für mich als Leserin nicht greifbar genug. Möglicherweise würde ein Kind, das so abgeschottet aufwächst wie sie sich dementsprechend verhalten, für besonders wahrscheinlich halte ich es jedoch nicht. Ebenso wenig wie ich glaube, dass sie sich derart unauffällig -bis auf kleinere Schwierigkeiten- in die moderne Gesellschaft einfügen könnte.

Die große Hoffnung setzte ich persönlich außerdem auf die Jagd zwischen Vater und Tochter, von der ich dachte, sie würde einen Großteil der Handlung einnehmen und nicht erst die letzten Seiten. Diese verläuft jedoch -und hier darf ich spoilern- überhaupt nicht im Moor selbst, sondern in der Landschaft nahe Helenas neuem Zuhause. Eine Hatz durchs Moor, wo die beiden sich gegenseitig mit ihren Fährtenkenntnissen übertrumpfen müssten hätte sich so wunderbar umsetzten lassen! Stattdessen kommt es zu einem eher kurzen Schlagabtausch mit dem üblichen "Ich-bin-so-heroisch-ich-kämpfe-schwerverletzt-über-meine-letzten-Kräfte-hinaus-". Zu gut derletzt verhält sich auch noch der Hund der Hauptfigur so wie es Hunde eben nie tun würden -hier verfüge ich wirklich über einen breiten Erfahrungsschatz- und wird zum Retter in der Not. Nervig!

Fazit:


Ein Setting, das zwar in seinen Rückblicken durchaus interessant zu lesen war, hinsichtlich der Spannung in meinen Augen jedoch kaum Höhepunkte aufbaut. Weder was eine Jagd durch die Wildnis anginge, noch hinsichtlich eines psychologischen Schlagabtauschs.

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Titel: Die Moortochter
Autorin: Karen Dionne
Verlag: Goldmann
Sprache: Deutsch
ebook: 384 Seiten

Kommentare:

  1. Ich bin ja schon ein wenig vorgewarnt, dass das Buch einen großen Thrill bietet quasi das Genre komplett falsch gewählt wurde. Daher sind meine Erwartungen nicht so hoch - aber Unterhaltung erhoff ich mir trotzdem. Bin daher gespannt, wie ich das Buch auffasse :D

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    1. Hallöchen :)

      ja, ich denke wenn man mit einer anderen Erwartung an das Buch heran geht, kann man durchaus seine Unterhaltung bekommen. Ich selbst fand die langen Rückblicke in das Moorleben auch sehr interessant, nur werde ich das Buch als Thriller sicherlich nicht weiter empfehlen. Wenn jetzt jemand allerdings an Wildniserfahrungsberichte Interesse hat, könnte der leichte Einschlag der Hetzjagd wiederum nicht wirklich geeignet sein xD schwieriges Feld.

      Auf jeden Fall trotzdem viel Freude beim Lesen!

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    2. so, inzwischen hab ich es ja durch und war positiv überrascht :P
      Ich fands z.B. recht authentisch, man kauft Helena ihre Meinung ab - zwar gibt es Szenen, wo man innerlich schreit WHY?? aber man selbst hat so Situationen zum Glück natürlich nicht erlebt & kennt nicht die Reaktion von Leuten in Gefangenschaft.

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