Sonntag, 9. März 2014

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge [Rezension]

Nun, was soll ich sagen...zäh geht es schonwieder voran bei mir im Lesemonat März. Die Motivation wäre zwar da, doch der Stresspegel zu Semesterbeginn war dann doch wieder enorm erhöht und so kam meine Lektüre mal wieder ins Hintertreffen. Auch in nächster Zeit sehe ich wenig Veränderung diesbezüglich, aber wenigstens muss ich auch von der Uni aus einiges lesen, was meiner Challenge zugute kommen wird. Darunter jetzt übrigens auch dieses Werk, dass ich schon einmal gelesen habe und so praktischerweise unter die Kategorie "Lies ein Buch, dass du schoneinmal gelesen hast und umwerfend findest" fällt.



Inhalt:


Der verarmte Nachkomme einer aussterbenden Adelsfamilie Malte Laurids Brigge findet sich in der Großsstadt Paris des angehenden 20.Jahrhunderts wieder. Entsetzt von der Fabritmäßigkeit des dortigen Lebens versucht er sich zurecht zu finden und wagt den Blick hinter die Oberfläche der Dinge. Mit radikaler Subjektivität und großer Sensibilität beschreibt er auch rückblickend die Welt seiner Kindheit, wobei sich besonders der Tod immer wieder hervorhebt.


Mistys Meinung:


Als große Rilke-Verehrerin lese ich schon sehr lange und sehr oft Rilke-Gedichte aus allen seiner Schaffensphasen. Seinen einzigen Roman jedoch ließ ich bis vor einigen Jahren unbeachtet. Dabei entging mir einiges, da auch seine Prosa-Sprache von besonderer poetischer Feinheit ist und dabei weit-gefasstere Zusammenhänge als in seiner Lyrik herstellen kann. Schon damals war ich von diesem Werk sehr angetan, als ich es im Zuge eines Seminars zu lesen hatte. Bei der wiederholten Lektüre allerdings fand ich nun nur umso mehr gelungene Reflektionen der Figur und unterstrich haufenweise gelungene Zeilen.

Die Beschreibungen des Lebens in der Großstadt von Brigge erschreckte mich auch beim zweiten Lesen mehrmals, so unverholen beschreibt er seine Zustände des Ekels und der Furcht vor den anderen. Besonders die "unschönen" Beobachtungen erzählt er schonungslos bis ins kleinste Detail. Sein Fokus liegt dabei wiederholt auf dem Tod bzw. dem Sterben, das er in den Großstädten als fabrikmäßig und unangemessen empfindet. Er zeichnet dazu im Gegensatz das frühere Sterben auf dem Land, da jeder noch seinen "eigenen Tod" hatte.

 Seine Kindheitserinnerungen, die ebenfalls einen großteil des Romans ausmachen zeigen ihn als sensiblen Jungen, der eine tiefe wenn auch seltsame Bindung zur Mutter hat. Dabei liest man, wenn man Rilkes Lebensumstände kenn, auch schnell mal etwas Biographisches heraus, wie ich selbst gestehen kann, allerdings finde ich diesen Umstand bei manchen Passagen durchaus gerechtfertigt.

Trotz der feinen, gelungen Formulierungen lässt sich dieses Buch nicht einfach "dahin lesen", da die nicht immer eindeutigen Reflektionen und Beobachtungen der Hauptfigur einiges an Konzentration erfodern und mitunter auch langatmig werden. Daher benötigte ich für dieses Buch wieder einige Tage, aber die lange Lesezeit hat sich auf jeden Fall -auch zum zweiten Mal- sehr gelohnt.


Fazit:


Rilke gelingen in seinem einzigen Prosaroman vielfältige, interessante Beobachtungen in gewohnt poetisch und feinfühliger Sprache, die diesen Roman der literarischen Moderne besonders aufwerten. Trotz Ruhe und Konzentration, die für dieses Buch vonnöten ist sehr lesenswert.

Leseprobe:


"...alles ist von einer zähen Unvergänglichkeit, alles das besteht auf sich und hängt, eifersüchtig auf alles Seiende, an seiner schrecklichen Wirklichkeit. Die Menschen möchten vieles davon vergessen dürfen; ihr Schlaf feilt sanft über solche Furchen im Gehirn, aber Träume drängen ihn ab und ziehen die Zeichnungen nach. Und sie wachen auf und keuchen und lassen einer Kerze Schein sich auflösen in der Finsternis und trinken, wie gezuckertes Wasser, die halbhelle Beruhigung. Aber, ach, auf welcher Kante hält sich diese Sicherheit. Nur eine geringste Wendung, und schon wieder steht der Blick über Bekanntes und Freundliches hinaus und der eben noch so tröstliche Kontur wird deutlicher als ein Rand voll Grauen."*

*Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch 2009, S.59
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Titel: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Autor: Rainer Maria Rilke
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 224 Seiten

1 Kommentar:

  1. Puh, schwere Kost... musste das damals für die Uni lesen. Mir hat es allerdings nicht so gut gefallen. Bin auch nicht so ein großer Rilke-Fan.

    LG Cat

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