Samstag, 8. September 2012

Aus dem Leben eines Taugenichts [Verriss-Rezension]

12-Bücher-SuB-Abbau Challenge #4

 

Bei dem schönen Wetter, gibt es doch nichts schöneres als mit einem Buch in den Park zu wandern, in dem die Reise in die Natur das Hauptthema ausmacht, oder....?!


Inhalt:


Ein junger Müllerssohn wird von seinem Vater als Taugenichts beschimpft und in die Welt geschickt, damit er lernt, für sich selbst zu sorgen. Daraufhin zieht er mit seiner Geige, auf Gott vertrauend, in die Welt. Nachdem ihn zwei vornehme Damen im Reisewagen zu ihrem Schloss mitgenommen haben, findet er eine Anstellung als Gärtnerbursche, anschließend als Zolleinnehmer. Er verliebt sich in eine der beiden Damen, glaubt aber, sie sei eine Gräfin und daher für ihn unerreichbar. Daher macht er sich erneut auf die Reise und schließt sich zwei abenteuerlich anmutenden Gestalten an, die sich als Maler entpuppen und mit dem Taugenichts weiter nach Italien ziehen.

Mistys Meinung:


Hätte ich diese Novelle als Schülerin lesen müssen, hätte ich mich bestimmt furchtbar gelangweilt. Ich habe sie aber erst jetzt als Studentin gelesen...und mich furchtbar gelangweilt. Während meines Studiums habe ich ja schon viele Werke bezwingen müssen, an vielen fand ich dabei unerwartet Gefallen, wie zum Beispiel an "Effi Briest", aber dieses Werk war jetzt wieder ein gräulich-böser Gruß aus der Spätromantik.

Kapitelweise Hinwendung des erzählenden "Ichs" zu sich selbst, Gefühlsbekundungen, Gefühlsschwankungen zwischen Fröhlichkeit und Melancholie, zarte Mädchen mit blassen Händen, die mindestens zehnmal pro Seite die Augen niederschlagen, Gesang und Natur, Natur, Natur, Natur. Die wird hier so ausführlich und veherrlicht beschrieben, dass ich irgendwann Lust bekam in den Wald zu ziehen um ein paar Bäume zu fällen und Blumen zu zertreten. Darüber hätte der Protagonist wohl, wie über sovieles in seinem Leben, sicher wieder bitterlich weinen wollen.

Natürlich erkennt man sehr schön das romantische Modell aufgrund der Hinwendung zum Reisen, der Natur und Kunst. Gut. Aber warum genau gehört dieses Werk jetzt nochmal zur Weltliteratur? Fragen wir mal die Sekundärliteratur:

"Je mehr die bürgerliche Welt durch Bürokratie und Normen verengt wird, je weiter sie sich von der Natur entfernt, desto notwendiger ist dieses Gegenbild einer poetischen Welt [...]"*....jaja schon gut, soweit hatte ich das auch verstanden, nach (Gott sei Dank nur) 100 Seiten dieser "poetischen Welt" fühle ich mich allerdings geneigt mir jetzt davon wiederum ein Gegenbild zu erzeugen. Ich denke die nächste Woche werde ich mich in einem lebensfeindlichen Bunker verkriechen und apokalyptische Egoshooter spielen, um all die romantischen Naturbeschreibungen wieder aus meinen Gehirnwindungen zu spülen. Jedenfalls erklärt mir all das wissenschaftliche Geschwafel noch lange nicht, warum dieser Autor auf der Germanistik-Leseliste steht, aber Rainer Maria Rilke nicht! Ich könnt mich was....

"Aus dem Leben eines Taugenichts" taugt mir nicht(s)!

Fazit:


Für Liebhaber oder Erträger der Spätromantik möglicherweise eine passable Reflexion dieser Geisteshaltung, für alle anderen eine quälende Reise durch blumenblühenste Natur und gar geschwollenö Sprachö.

*Nachwort in: Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts. Stuttgart: Philipp Reclam 1992, S.125
-----------------
Titel: Aus dem Leben eines Taugenichts
Autor: Joseph von Eichendorff
Sprache: Deutsch
Reclam-Heft: 100 Seiten

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  2. Sorry falscher Link :)
    Ich hab dir einen Award verliehen...
    http://buchatelier.blogspot.de/2012/09/ein-award.html

    Liebe Grüße und wünsch dir einen schönen Tag
    Marie

    AntwortenLöschen
  3. Na toll, danke ich arme Oerstufenschülerin habe gerade mal die ersten paar Kapitel und bin auf dem taugenichts eingeschlafen!!! :)
    Super Rezension, Kompliment!

    AntwortenLöschen
  4. Hahaha, tolle Rezension! Ich musste wirklich sehr schmunzeln. :D

    Ich musste dieses Werk in der 12. oder 13. Klasse lesen und fand es auch furchtbar langweilig. Umso erfreuter war ich, als ich die DVD zum gleichnamigen Film in der Bibliothek entdeckte und mir so einiges ersparen konnte. ;)

    LG
    http://lesenundgrossetaten.blogspot.de/

    AntwortenLöschen