Montag, 15. August 2016

Tigerherz [Hörbuch-Rezension]

Um auf meinem Hörbuchspeiseplan wieder einmal für Abwechslung zu sorgen, habe ich mich dieses Monat nun mal an einem Kinderbuch versucht. Mich hat dabei vor allem interessiert wie diese denn grunsätzlich für jüngere Leser aufbereitet werden. Praktischerweise hatte dieser Titel einen geringen Umfang, da ich an den 17h Titel doch immer sehr lange hängen bleibe.


Inhalt:


Der Tiger König Eisfell gilt als ebenso mächtiger wie gütiger Herrscher über den Dschungel. Seine Untertanen respektieren und schätzen ihn. In der Nacht als sein Sohn Raja geboren wird startet sein Halbbruder Eisenkralle jedoch einen überraschenden Angriff auf den königlichen Palast und dank einer Finte gelingt es ihm Eisfell zu töten. Der Königin schafft es mit dem kleinen Raja zu fliehen, der fortan unter ständiger Gefahr versteckt aufwächst. Trotz allem versucht er sich darauf vorzubereiten eines Tages das Erbe seines Vaters anzutreten.

Mistys Meinung:


Früher habe ich eigentlich immer sehr gerne Tier-Geschichten bzw. Tierfantasy gelesen, allerdings ist es mittlerweile gar nicht mehr so einfach Bücher zu finden, die man als Erwachsener ertragen kann (bei Warrior Cats bin ich in dieser Hinsicht defintiv gescheitert). Nun habe ich es mit etwas größeren Katzen versucht.

Die Aufbereitung dieses Hörbuchs verdient sich vorneweg auf jeden Fall ein großes Lob. Sowohl die einleitende stimmungsvolle Musik mit passenden Geräuschen, als auch die Interpretation des Lesers Philipp Schepman halte ich für überaus gelungen. Es wird auf jeden Fall die richtige Atmosphäre erzeugt und die Stimmen der einzelnen Kreaturen, die in dieser Geschichte alle der Sprache mächtig sind, kommen wirklich gut zur Geltung. Gerade für jüngere Hörer sollte sich dadurch eine fesselnde Geschichte ergeben.

Inhaltlich bin ich da schon ein wenig zaghafter was die positiven Worte angeht. Die Geschichte ist in fast jeder Hinsicht eine 1:1 Abwandlung von König der Löwen (der böse Onkel in diesem Buch könnte sich seine Narbe über dem Auge mit seiner Eisenkralle sogar direkt selbst bereiten). Der kleine, übermütige Prinz muss dabei natürlich ebenso seine Grenzen entdecken und lernen alleine seinen Weg zu finden. Im Gegensatz zu Simba wird Raja jedoch viel öfter ermahnt und der wiederholte lehrhafte Fingerzeig nervte mich in Summe doch ein wenig (und ich denke das hätte er auch getan, wäre ich 15 Jahre jünger). Wer seinen Kindern didaktisch wenig subtil die wichtigen Wertvorstellungen wie "schütze und respektiere die Schwachen", "niemand ist von Geburt an besser" etc. vermitteln möchte, ist mit diesem Titel auf jeden Fall gut bedient.

Diese Formulierungen waren nun etwas böse, deswegen möchte ich nun trotzdem noch heraus streichen, dass ich abgesehen dieser lästigen Wiederholungen trotzdem meine Freude an der Geschichte hatte. So bleibt die Geschichte im Großen und Ganzen doch abwechslungsreich was die Auftritte der verschiedenen Tierarten anbelangt. Gefahren für den jungen Tiger gibt es zudem ebenso ausreichend, für Abenteuer wurde also ausreichend gesorgt.


Fazit:


Gerade als Hörbuch eine stimmungsvoll aufbereitete, abenteuerliche Geschichte. In ihrer Vermittlung gängiger Wertvorstellungen jedoch für meinen Geschmack ein wenig zu aufdringlich.

-------------------------------------------------
Titel: Tigerherz - Der Prinz des Dschungels
Autor: Robin Dix
Sprecher: Philipp Schepmann
Verlag: Lübbe Audio
Hörbuchdauer: 4h 52min 
Reiheninfo: Band 1/?

Sonntag, 14. August 2016

Wolfsherz [Rezension]

Die Lesephase wurde wieder eingeleitet, nun müssen noch einige Uralt-Rezensionen abgearbeitet werden. Daher mache ich nicht viel Gerede um nichts und lege emsig los!


Inhalt:


Das Journalisten-Ehepaar Rebecca und Stefan befindet sich auf einer gefährlichen Mission durch das ehemalige Jugoslawien, um dort einen ehemaligen Söldnerhauptmann zu interviewen. Dieser Auftrag ist gewissermaßen überlebenswichtig für ihren Job. Allerdings rechnen die beiden nicht damit, dass sie dabei auf ein viel älteres und vor allem viel gefährlicheres Geheimnis stoßen als sie angenommen hätten.


Mistys Meinung:


Einer meiner letzten deutschsprachigen Werwolfromane (ich kenne wirklich beinahe alle), aber dafür mein erster Hohlbein. Eine vielversprechende Kombination? Nun ja...

Werwölfe habe ich in all meinen Lesejahren wirklich in vielen verschiedenen Facetten und Abwandlungen kennen gelernt und es gab wenige Umsetzungen, die mir dabei nicht zugesagt hätten. Der Autor Hohlbein wiederum ist mir zwar natürlich sehr oft untergekommen, allerdings habt es sich nie zuvor ergeben, dass ich selbst ein Buch von ihm gelesen hätte (wenngleich ich durch Berichte anderer Leser eine ungefähre Vorstellung seines Streibstils entwickelt habe). Von dieser Geschichte wurde behauptet, dass der Werwolffluch eine gänzlich neue, interessante Umsetzung erfahren würde. Nun...das kann ich nicht wirklich behaupten...mittlerweile ist es einige Wochen her, dass ich dieses Buch gelesen habe, aber mir fällt nicht eine ungewöhnliche Eigenschaft mehr ein (ganz im Gegenteil zu Wolfen oder Roter Mond, obwohl diese Bücher nun schon Jahre zurück liegen).

Den Einstieg fand ich zunächst noch recht gelugen, ebenso wie die Vorstellung der der Hauptfiguren, wenngleich diese doch etwas schablonenhaft wirkten. An vielen Stellen konnte ich den Figuren ihre Gefühle schlichtweg nicht wirklich abkaufen. Für den Schreibstil finde ich genau eine passende Formulierung: "Thomas Brezina für Erwachsene". Dies ist jedoch durchaus positiv gemeint, ich genieße solch schlichte Abenteuerliteratur manchmal wirklich gerne und auch die 90er Jahre Umgebung inklusive der Kleidung und viel genutzten Telefonzellen fand ich sehr stimmungsvoll.

Was den sonstigen Plot angeht, ergaben sich für mich viele Lesemomente, die mich ausgesprochen amüsierten. Bei einem solch ernsten Gruselroman waren diese Situationen jedoch ziemlich sicher unfreiwillig komisch. Dazu kommen viele zwar nicht vorhersehbare Twists, die jedoch ein wenig...nun ja...wild herbei geschrieben wirkten und die mein Leseflow zwar erstaunt, aber nicht immer wohlwollend hinnahm. Aber wie erwähnt habe ich mich trotzdem recht gut amüsiert, wenngleich dies wohl die Intention des Autors gewesen sein mag. Aus tausend Wunden blutende Protagonisten, die eine grundsätzlich tödliche Wunde nach der anderen einstecken und in jeder Kampfszene scheinbar ein Leben lang aushalten um dann -zum guten Ton gehörend- ohnmächtig darnieder fallen habe ich schon lange nicht mehr so intensiv erlebt.

Konkret lästig fand ich jedoch -bei aller Liebe für Abenteuergeschichten und Werwölfe- die zahlreichen DEUS EX MACHINA Situationen. Eine Passage pro Buch halte ich gut durch, häufen sie sich jedoch wird mir das ernsthaft lästig. Abschließend fällt es mir jedenfalls wirklich schwer auszuwerten, ob mir dieses Buch denn nun gefallen hat oder nicht. Ich bin also wirklich froh, dass ich keine Punktebewertungen hergebe, ich wüsste wirklich nicht wohin diese Geschichte ausschlägt.

Fazit:


Eine mitunter sehr merkwürdig anmutende Werwolfgeschichte, die von einer überzogenen Situation in die nächste jagt und es mir aufgrund uneinschätzbarer Plot-Twists schwer machte wirklichen Gefallen daran zu finden. Sicherlich keine Abenteuerliteratur-Perle, wenngleich es trotzdem auf manchen Ebenen einen Charme entwickelte, dem man ihm auf jeden Fall zusrpechen kann.

-----------------------------------------------------------------------
Titel: Wolfsherz
Autor: Wolfgang Hohlbein
Verlag: Bastei Lübbe
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 636 Seiten

Sonntag, 7. August 2016

Nachruf auf den Mond [Hörbuch-Rezension]

Da ist die letzte Rezension wohl auf einmal fast zwei Monate her. Nun denn, dann raffe ich mich wieder zu meinem Handwerk auf und werde mich an die ganzen ausständigen Berichte machen - oder zumindest an einen Teil davon. Heute möchte ich mal wieder mit einem Hörbuch starten.



Inhalt:


Matthew Homes fühlt sich für den Tod seines älteren Bruders Simon verantwortlich und dieses Gefühl geht in seinem Fall soweit, dass er ihn weiterhin überall zu hören glaubt. Sein Leben als junger Erwachsener pendelt sich irgendwo zwischen psychiatrischer Anstalt und einer ärmlichen Wohnung ein. Mithilfe einer Schreibmaschine versucht er der beschwerlichen Vergangenheit und seiner traurigen Gegenwart Herr zu werden.

Mistys Meinung:


Hanno Koffler gehört zu meinen absoluten Lieblingslesern was Hörbücher angeht. Dank ihm gehört Tschick zu meinen absoluten Hörbuchlieblingen. Auch in Nachruf auf den Mond versteht er es wirklich ganz wunderbar die Charaktere zum Leben zu erwecken und jedem durch seine Stimmenimationen eine ganz eigene Persönlichkeit zu verleihen. An Passagen, der er den toten Bruder Simon nachahmt bekommt sein Talent fast schon gruselige Ausmaße. Für die Hauptfigur hätte ich mir jedenfalls auch in dieser Geschichte keine bessere Stimme vorstellen können.

Die Handlung bzw. die Erzählung an sich hatte für mich trotzdem ihre Längen und es gab viele Tage, da ich gar keine Lust hatte weiter zu hören. Es fällt mir wirklich sehr schwer irgendwie Kritik an dem Buch zu üben, finde ich die Thematik doch überaus erzählenswert und habe grundsätzlich gar nichts gegen traurige Geschichten. Trotzdem wollte es mich an vielen Teilen wohl nicht so richtig mitreißen bzw. fand ich es von der Stimmung her so düster und bedrückend, dass ich mich ihr nicht weiter widmen wollte.

Möglicherweise wird die Geschichte im Hörbuch in dieser Hinsicht viel intensiver, als wenn man die Handlung lediglich still selbst lesen würde. Zudem denke ich, dass ich wohl persönlich empflindlich auf die Situation der Figuren reagiert habe. Es gibt nämlich durchaus auch einige amüsante und wirklich zahlreiche hoffnungsvolle Passagen in dieser Geschichte. Trotzdem bleibt der Autor dabei sehr realistisch und verzichtet auch auf ein unathentisches Happy End.

Auch wenn ich selbst also oft mit der bedrückenden Stimmung nicht gut umgehen konnte, denke ich dass dieses Buch grundsätzlich sowohl packend als auch einfühlsam ist.

Fazit:


Eine grundsätzlich sehr tolle Geschichte, die sich dem schwierigen Leben seiner Hauptfigur und dessen Vergangenheit stellt. Dank Hanno Koffler wird sie ebenso wie ihre Mitmenschen wundervoll zum Leben erweckt. Möglicherweise war mir gerade dieser Umstand auch ein wenig zu intensiv, denn ich konnte nicht immer mit den vielen bedrückenden Situationen umgehen.

----------------------------------------------------------------
Titel: Nachruf auf den Mond
Autor: Nathan Filer
Gelesen von: Hanno Koffler
Sprache: Deutsch
Hörbuch: 7h

Freitag, 5. August 2016

Das gute alte Sommerloch [News]

Mittlerweile blogge ich doch immerhin schon seit mehr als 4 Jahren und scheinbar scheint sich stets zur Sommerzeit eine längere Flaute einzustellen. So habe ich im Juli genau 2 Bücher angelesen und lediglich ein Hörbuch beendet. Insofern ist eine ausführliche Statistik für den letzten Lesemonat in meinen Augen hinfällig.

Abgesehen von Pokémon Go war ich auch so viel draußen unterwegs, während meine Bücher ein klein wenig eingestaubt sind. Wo die Sommermonate dank Urlaubswochen für andere die Hauptlesesaison zu sein scheinen, vergesse ich also fast komplett auf die Buchstabenwelt.



Da ich dieses Jahr jedoch vollständig auf Challenges verzichte, fühle ich mich durch diesen Umstand nicht weiter unter Druck gesetzt. Immerhin habe ich letzte Woche wieder ein wenig für Nachschub gesorgt, sodass mein SuB auch wirklich ganz bedrohlich wirkt.

Allen Leseeifrigen wünsche ich bis zu meiner Rückkehr jedenfalls viel Freude in ihren Buchwelten, auch ich werde sicherlich bald wieder dabei sein.

Sonntag, 3. Juli 2016

Gelesen im Juni [Statistik]

Wider Erwarten ist dieser Monat überraschend kart ausgefallen was die Lektürestunden betroffen hat. Eigentlich hätte ich mir für meine drei Urlaubswochen einen ganzen Stapel Bücher vorgenommen gehabt, allerdings war ich dann doch soviel draußen unterwegs, dass ich keine sonderliche Lust auf Seitenabenteuer hatte (was nichts daran ändert, dass ich natürlich stets ein Buch mitgeschleppt habe...auch beim Wandern!). Die Ausbeute dieses Monats besteht also nur aus folgenden Büchern:




  • Catalin Dorian Florescu: Der Mann, der das Glück bringt
  • Connie Palmen: Du sagst es
  • Wolfgang Hohlbein: Wolfsherz

  • Gelesene Bücher: 3
  • Gelesene Seiten: 1239
  • Gelesene Seiten/Tag: 41

Zumindest hat dieses Lesemonat ausgesprochen gut begonnen und war mit Der Mann, der das Glück bringt wirklich mehr als nur gut unterhalten. Dieses Buch hat mich sowohl bewegt als auch im positiven Sinne zum Nachdenken gebracht. Damit war es auch der Titel, mit dem ich m ich am wenigsten augehalten habe und der sofort verschlungen war.

Du sagst es von Connie Palmen hingegen hat mich ein wenig länger aufgehalten, allerdings ist es stimmungsmäßig nicht immer sehr erhellend, da schadet die eine oder andere Pause nicht. Grundsätzlich fand ich das Thema -nämlich das Leben von Sylvia Platz und Ted Hughes- sehr interessant, allerdings die Herangehensweise der Autorin ein wenig problematisch. Darauf werde ich sicherlich noch in einer Rezension näher eingehen.

Wolfsherz von Wolfgang Hohlbein hat sich schließlich am längsten hingezogen. Das lag jedoch nicht nur an der umfangreichen Seitenzahl, sondern vor allem am Inhalt. Ich verwende beim Bloggen zwar so gut wie keine Smileys, aber an dieser Stelle wäre nun ein "xD" oder zumindest ":D" angebracht. Ich weiß nicht recht, wie ich diese Erfahrung mit meinem ersten Hohlbein besser beschreiben kann. Ich fand das Buch nicht schlecht, sondern vielmehr witzig. Allerdings denke ich nicht, dass es witzig hätte sein sollen (wieder "xD"). Der Terminus "problematisch" trifft es jedoch in diesem Falle auch nicht...trotzdem war es eine divergente Leseerfahrung, die ich garantiert noch amüsant in einer Rezension verarbeiten werde.

Apropos Rezension...ja, ich habe es noch nicht einmal geschafft eines dieser Bücher zu rezensieren. Man möge in den Sommermonaten wie üblich also nicht besonders viel von meiner virtuellen Bibliothek erwarten (wie wärs mit einem weiteren "xD"?)...da setzt sich sogar auf den sonst so geliebten Werwolfhäuptern Staub an...zumal jetzt dank Hohlbein wirklich sehr merkwürdige Exemplare dieser Gattung durch meine Regalreihen hopsen.

Wie dem auch sei, ich wünsche allen einen weiteren schönen Sommermonat und bin gespannt, ob ich im Juli mehr Bücher von innen sehen werde.

Dienstag, 14. Juni 2016

Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben [Rezension]

Vier Zähnchen musste ich letzte Woche lassen, zudem die weisesten meines Gebisses. Vier Rezensionen waren zu dem Zeitpunkt noch ausständig. Zufall? Ja. Zufall. Aber irgendeine nichtssagende Motiviation muss ich für mich ja schließlich aufbringen, so rezensionsfaul ich in den letzten Wochen schließlich war.


Inhalt:


Der Autor Matt Haig, der selbst jahrelang an Depressionen gelitten hat erzählt in diesem Buch seine eigene persönliche Geschichte und den Umgang mit dieser ernstzunehmenden Krankheit. In kurzen Passagen und Anekdoten erläutert er ihr Entstehen, den Verlauf aber auch all die Empfindungen und Erfahrungen, die er im Laufe dieser Jahre sammeln konnte.

Mistys Meinung:


Eine liebe Arbeitskollegin von mir hat mir dieses Buch geborgt, hat mir aber nicht vorenthalten, dass sie gewisse Schwierigkeiten mit einigen Punkten der Erzählungen hatte. So war ich diesbezüglich möglicherweise schon ein wenig geschärft ob ihrer Bemerkungen. Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben scheint sich aber jedenfalls sehr verbreitet zu haben und wurde auch von vielen Bloggern gelesen die sich ansonsten (vermeintlich) wenig mit Depressionen befassen. Diesen Umstand fand ich recht interssant und wollte natürlich selbst herausfinden, was dieses Buch für die meisten so lesenswert macht.

Ich weiß ehrlich gestanden nicht so recht, wie ich am besten ausdrücke, dass ich die grunsätzliche Botschaft dieses Buches wunderbar finde, ebenso wie seinen Erfolg, selbst jedoch ebenso wie meine Kollegin nicht ganz so gut damit zurecht gekommen bin. Ich denke ich werde mit den Kritikpunkten beginnen, um dann mit einem positiven Abschluss enden zu können. Nun denn; es gibt sehr viele gute Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und die dieses Thema ganz wundervoll thematisieren (The Bell Jar, Das Ungeheuer, Mein Herz und andere schwarze Löcher...). Einige schildern dabei die Depression in all ihrer Furchtbarkeit und Übermacht, andere geben dem Leser zugleich das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels mit auf den Weg. Zu diesen Büchern gehört auch Matt Haigs Werk, allerdings finde ich einige seiner "Lichtpunkte" für Leser, die selbst mit Depressionen ringen ein wenig problematisch.

Zunächst sei gesagt; es ist die persönliche Geschichte des Autors. Er berichtet authentisch, ohne fiktive Einschläge und schreibt nunmal wie er alles erlebt hat und was ihm persönlich geholfen hat. Das ist gut und richtig so, trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass ich dieses Buch womöglich manchen Leuten nicht empfehlen würde, da er sich enorm auf seine Partnerschaft stützt. Dass seine Beziehung seine jahrelanges Leiden nicht nur überstanden, sondern weitesgehend gestützt hat ist natürlich ebenso bemerkenswert wie schön. Allerdings gibt es sehr viele Beziehungen, die einer solchen Belastung nicht stand halten bzw. ausreichend Menschen, die ohne eine solche Stütze mit ihren psychischen Problemen ringen müssen. Ich selbst bin Depressionen näher gekommen, als ich es mir gewünscht hätte und denke nicht, dass es besonders erfreulich ist zu lesen, dass jemand mit großer Hilfe einer scheinbar unerschütterlichen Liebe den Weg zurück in ein gesundes Leben findet.

Wie gesagt -es ist seine persönliche Geschichte- es hat sich genau so ereignet, ich möchte lediglich, ebenso wie meine Kollegin, anmerken, dass diese Tatsachen für manche Leser sicher nicht unproblematisch sondern womöglich sogar kontraproduktiv sind. Aber auch abgesehen von dieser Tatsache konnte das Buch bei mir nicht wirklich einschlagen, wobei ich nicht mehr genau definieren kann, worin es liegt. So habe ich die witzigen Einschläge (die ich prinzipiell sehr gut finde) natürlich bemerkt, aber leider konnten sie mich nicht wirklich zum Schmunzeln anregen. Da das aber möglicherweise an meiner eigenen Stimmung gelegen hat, möchte ich nicht mehr viel darüber lamentieren.

So konnte ich selbst zwar leider nicht ganz in die Geschichte finden, möchte aber trotzdem gerne betonen, dass der Autor eine sehr gute Herangehensweise an das Thema hat. Ich finde seine Ehrlichkeit bewundernswert und denke, dass gerade für Leser die Depressionen besser verstehen möchten dieses Buch einen sehr guten und dabei sogar noch leichten Einstieg bietet. Ich finde es ausgesprochen wichtig, dass es Bücher zu diesem Thema gibt und hoffentlich noch viele geben wird, die auch für eine breitere Leserschaft einen guten Zugang ermöglichen. Dazu gehört dieses Buch definitiv.

Fazit:


Wenngleich ich mich selbst nicht so auf das Buch einlassen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte, finde ich dass der Autor den Lesern einen sehr guten, humorvollen Zugang zum Thema Depression bietet. Bei Betroffenen würde ich jedoch wie erwähnt eher vorsichtig mit Empfehlung dieser Lektüre sein.

----------------------------------------
Titel: Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben
Autor: Matt Haig
Sprache: Deutsch
Verlag: dtv
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten

Sonntag, 12. Juni 2016

Die Welt von gestern [Rezension]

Liebe Literaturliebhaber! Karg war es in den letzten Wochen zwischen den Regalen meiner virtuellen Bibliothek. Momentan befinde ich mich wieder in einer bloggermäßigen Down-Phase, die bei mir nunmal genauso zu diesem Hobby gehört. Zudem musste ich mir letzte Woche vier Weisheitszähne heraus operieren lassen, die bisher weder zu meiner Weisheit, noch meiner Kiefergesundheit beitragen konnten. Meine Genesungsstunden verbrachte ich dabei lieber gemütlich offline. Heute nehme ich mir aber für ein wichtiges Buch des letzten Monats Zeit.



Inhalt:


Auch wenn Stefan Zweig kein Freund biographischer Texte war, beschreibt er in diesem Werk ausführlich in Auszügen sein eigenes Leben. Dabei konzentriert er sich hauptsächlich auf die literarischen Einflüsse seiner Zeit, die durch viele wichtige Schriftsteller, Dichter und andere Künstler einhergingen. In einfühlsamen Anekdoten und ausführlicheren Beschreibungen berichtet Zweig über die vielen Freundschaften vor und während der beiden Weltkriege und gibt dem Leser Einblicke in die Welt von gestern.

Mistys Meinung:


Passend zum Film Vor der Morgenröte, habe ich ich im Mai gleich zwei Werke Stefan Zweigs gelesen (vom Erscheinen des Filmes habe ich aber erst im Anschluss erfahren). Neben Sternstunden der Menschheit das mir ausgesprochen gut gefallen hat, wollte ich auch endlich Die Welt von gestern gelesen haben.

Abgesehen von der fast parallelen Erscheinung des Films habe ich dieses Buch auch zu einem politisch mehr als passendem Zeitpunkt gelesen. So begann in Österreich kurz nach Beginn der Lektüre die Stichwahl der beiden sehr konträren Bundespräsidentschaftskandidaten. Ich war ohnehin schon durch die vielen grauenhaften Parolen und Kommentare auf Facebook aufgewühlt, doch nebenbei noch dieses Buch zu lesen hat mich wirklich sehr beschäftigt. Wie sehr sich gewisse Vorgänge der Geschichte zu wiederholen scheinen empfand ich dabei als ebenso gespenstisch wie beängstigend. So wollten auch Zweigs Zeitgenossen weder vor dem Ersten, noch vor dem Zweiten Weltkrieg die politischen Umbrüche so recht ernst nehmen und wurden in ihrem Glauben "soetwas könne in einer zivilisierten europäischen Gesellschaft doch gar nicht passieren" wiederholt vor den Kopf gestoßen.

Abgesehen von seiner einfühlsamen Schreibweise konnte ich persönlich gut sehr gut nachempfinden wie sehr Zweig, der nicht nur als Pazifist, sonder vor allem als Europäer auftrat an der zunehmenden Ab- und Ausgrenzung zu leiden hatte. Entsprechend furchtbar fand ich selbst dabei die Vorstellung unser Land könne wieder in diesen Zustand zurückfallen. Abgesehen von den politischen Vorgängen dieser Zeit, die ein jeder Leser so viel oder so wenig auf die heutige Zeit beziehen kann wie er möchte sind vor allem Zweigs Bekanntschaften in diesem Buch besonders interessant. Zwar war mir durchaus bekannt, dass er viele Kontakte zu anderen Literaten und Künstler pflegte, doch ich wusste natürlich nichts genaueres um die die zum Teil sehr engen Freundschaften.

So kam ich mittels seines sprachlich ausgefeilten Schreibstils etwa in den Genuss über einige Anekdoten aus Rilkes Leben lesen zu dürfen. Neben Rilkes Texte habe ich mir natürlich schon einige biographische Fakten aus seinem Leben angeeignet, eine lebensnahe Beschreibung durch einen Freund wie Stefan Zweig spielt diesbezüglich aber natürlich auf einer vollkommen anderen Ebene und ich las die jeweiligen Passagen mehrmals begeistert.

Natürlich bleibt Rilke dabei weit nicht der einzige Dichter, dem Zeilen gewidmet werden, Zweig greift auf unheimlich viele andere wichtige Persönlichkeiten seiner Zeit zurück, die natürlich nicht minder interessant sind (aber ein jeder hat nunmal seine persönlichen "Literatur-Heiligen"). Jedenfalls gelingt es ihm wundervoll einen lebendigen Rückblick in die Zeit vor-und nach der Jahrhunderwende zu geben und sich dabei nicht nur auf Österreich, sondern ganz Europa zu beziehen.

Fazit:


Eine ausführliche, gefühlvolle Schilderung, die sehr viele Einblicke in die Vorgänge und Umfelder von Stefan Zweigs Leben gibt. Weltliteratur, die sehr gut auch auf heute bezogen werden kann und auch soll!

--------------------------------------------------------
Titel: Die Welt von gestern
Autor: Stefan Zweig
Sprache: Deutsch
Verlag: Anaconda
Gebundene Ausgabe: 575 Seiten