Mittwoch, 17. April 2013

Tolstois Albtraum [Rezension]

Mitten im Unistress, mitten im Umzugschaos befinde ich mich aber auch immer wieder gerne mitten in der Buchhandlung, selbst wenn ich genau genommen eigentlich keinen SuB-Zuwachs benötige. Aber ein amüsantes Pferdecover verspricht so einiges, überhaupt mit entsprechend witzigem Klappentext...


Inhalt:


Graf Tolstoi oder abgekürzt Graf T., befindet sich auf einer Zugfahrt als zu ihm ein vermeintlicher Bauer ins Abteil tritt, der sich als Herr Knopf vorstellt. Nach einem kurzen Gespräch verliert T. mit einem Mal sein Gedächtnis und es kommt zu einem Gefecht mit Knopf woraufhin T. über das Zugfenster flüchtet. Er überlebt den Sprung, da er direkt in einem Fluss landet und beginnt von da an seine Reise an den mysteriösen Ort "Optima Pustyn", eines der wenigen Sachen an die er sich noch erinnern kann. Dabei trifft er auf den Dämon Ariel, der sich ihm als sein Schöpfer vorstellt, ein Bauernmädchen das sich bald als Schriftstellerin entpuppt und auf Dostowjekski, der versucht in einem Egoshooter zu überleben.

Mistys Meinung:


Nach "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg..." hoffte ich wieder eine ähnlich gute Satire zu finden und wurde mit diesem Buch wirklich mehr als fündig. Gleich zu Beginn konnte mich die Geschichte wegen ihrer originellen Handlung und schlagfertigen Dialogen begeistern und vermehrt zum Schmunzeln bringen. Im weiteren Handlungsverlauf ließ das Buch aber sehr bald erkennen, dass es sich sehr deutlich von dem genannten Bestseller abhebt.

Dabei zeigt sich der Unterschied besonders daran, dass sich der Autor von "Tolstois Albtraum" die Philosophie als Leitfaden genommen hat und damit ein ziemlich hochwertiges Ergebnis erzielt. Die Figuren diskutieren wiederholt Definitionen von Wirklichkeit, Existenz und letztlich auch Autorschaft. Für Leser, denen ein solcher Bereich schnell mal zu "hoch" wird (wie mich) kommen jedoch immer wieder brauchbare Metaphern vor, die das Verständnis sehr erleichtern. Damit erfordert das Lesen allerdings troztdem einiges an Konzentration, sodass es sich das Buch eher weniger für eine schnelle Lektüre nebenbei eignet. Bleibt man jedoch dabei, wird man sehr schnell hineingezogen in das schräge und trotzdem sehr logische Verhalten des Graf T., wird mehrmals von Handlungswendungen überrascht und stellt sich zuletzt selbst die Frage was die eigentliche Wirklichkeit im Buch denn nun ist.

Während des Lesens stößt man auf zahlreiche Anspielungen, die mit Russland, beziehungsweise russischen Persönlichkeiten zu tun haben, die jedoch dank der Fußnoten von der Übersetzerin ebenfalls leicht verstanden werden können.

Fazit:


Ein selten geniales Lesesvergnügen, dass einige orginelle Figuren und kluge Gedanken zu bieten hat. Sehr empfehlenswert, dieses Buch verdient umgehend eine größere Verbreitung!

Buchzitat:


"»Was wollen Sie damit sagen?«
»Vorläufig gar nichts, Graf«, feixte die Puppe »Ich teile Ihnen meine Beobachtungen mit. Mir passt nur der Ausdruck >gefallener Engel < nicht. Wenn Sie wollen betrachten Sie mich als Sturzkampf-Engel.«
»Was heißt denn Sturzkampf- sind Sie im Kamp gestürzt?«
»Nein, Sturzkampf-Engel hoffen im Fallen immer noch, wieder aufzusteigen. Sie sind noch nicht richtig unten, wenn uach kurz davor, ha-ha...«
»Die Kirche sagt über Sie aber nichts."«
»Wir sagen auch nichts über die Kirche«, erwiderte die Puppe."*

*Viktor Pelewin: Tolstois Albtraum. München: Luchterhand Literaturverlag 2013, S. 59
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Titel: Tolstois Albtraum
Autor: Viktor Pelewin
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten

Freitag, 5. April 2013

Apologetisch [Zitat]

"»Aber ich bitte Sie!«, antwortete der Geistliche. »Seien Sie doch nicht so apologetisch.«
»Verzeihung, wie?«
»Apologetisch, zu überflüssigen Entschuldigungen neigend. [...]«"*


*Viktor Pelewin: Tolstois Albtraum. München: Luchterhand Verlag 2012, S.12

Mittwoch, 3. April 2013

Satirische Aufstockung [News]

Wenn man mit einem festen persönlichen Buch-Auftrag in den Buchladen schleicht und dann enttäuschend feststellen muss, dass dieses Buch nicht vorhanden ist kann man sich praktischerweise gleich mit einem anderen Buch trösten...oder zweien.




  • Viktor Pelewin: Tolstois Albtraum
  • Timur Vermes: Er ist wieder da

"Er ist wieder da" lässt sich bereits auf einigen anderen Blogs finden und weckte durch die vielen überzeugenden Rezensionen schon länger mein Interesse und scheint allein vom Klappentext her auch etwas für meinen Geschmack zu sein. Tolstois Albtraum hingegen findet im Internet noch gar keine Wertungen, zog mich aber wegen seines Covers natürlich sofort an (jaaa, Pferd). Da mich auch hier der Klappentext sofort zum Schmunzeln brachte, musste es umgehend erworben werden.

The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde [Rezension]

Das seltsame Verhältnis zu Weltliteratur Klassikern...Man müsste, sollte oder könnte sie zumindest gelesen haben. Gerne nehme ich sie mir begeistert vor, kaufe sie zuhauf oder gehe im Buchladen zumindest mehrmals neugierig auf sie zu. Auf meinem SuB sumpfen sie jedoch dann meistens eher ganz weit unten herum und werden so auf dem Bücherfriedhof schnell zum ungelesenen Außenseiter. Diese Novelle jedoch nahm zog ich vergleichsweise früh aus seinem versteckten Regaleck, allerdings verbrachte es dann dafür eine ebenso einsame Zeit in meiner Tasche, aus der es nur sehr selten hervor gezogen wurde.



Inhalt:


Der renomierte Anwalt Mr.Utterson beobachtet besorgt das Verhalten seines jahrelangen Freundes Henry Jekyll. Dieser zieht sich nicht nur immer weiter aus seinem Freundeskreis zurück, sondern lässt auch noch ein Testament aufsetzen, dass im Falle seines Verschwindens oder Ablebens seinen ganzen Besitz der merkwürdigen Erscheinung des Edward Hyde zur Verfügung stellt. Als es durch diesen jedoch zu mehreren Zwischenfällen kommt beginnt Utterson Nachforschungen anzustellen um der seltsamen Verbindung von Jekyll und Hyde auf die Schliche zu kommen.

Mistys Meinung:


Da mir das genaue Verhältnis zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde bereits bestens aus Filmen bekannt ist, fand ich vor allem den Beginn des Buches eher langweilig, da es nunmal die Aufdeckung dieser Verbindung als Spannungshöhepunkt und Kreuzpunkt der einzelnen Handlungsstränge nimmt. Die Reflektionen des Anwalts Utterson, die einen großen Teil des Buches einnehmen, waren für mich folglich wenig spannend und das anspruchsvolle Englisch erschwerte mir das Lesevergnügen zusätzlich mit diversen veraltetenen und spezifischen Begriffen.

Als interessanter erwiesen sich da dann schon die Unterschiede im Erscheinungsbild der Hyde-Figur im Vergleich zu den Filmen. Auch das Auftauchen von Hyde und die Vorstellungen Jekylls vom menschlichen Unterbewusstsein und sein (sehr fiktionaler) Umgang mit Wissenschaft, die gegen Ende der Geschichte aus seiner Sicht erklärt wird, weckten letztlich doch mein Interesse und zeigen, ähnlich wie bei "Das Bildnis des Dorian Grey" ein gutes Bild von damaligen Weltvorstellungen, gerade im Bezug auf die Physiognomie des Menschen.

Aufgrund seiner geringen Seitenanzahl, kaum 90 Seiten, lohnt es sich letztlich jedenfalls schon sich die Originalgeschichte des bekannten Film Antihelden zu lesen, sowohl in einem Zug als auch als Zweitbuch nebenher.

Fazit:


Nach Konsum entsprechender Filme ein nur begrenzt spannendes Leseerlebnis, das erst gegen Ende hin für interessante und unbekannte Aspekte im Fall des Dr.Jekyll und Mr. Hyde sorgt, dafür aber wegen seiner Kürze trotzdem schön und schnell auf jeder Klassikerliste abgehakt werden kann.

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Titel: The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde

Autor: Robert Louis Stevenson
Sprache: Englisch
Taschenbuch: 88 Seiten