Freitag, 1. Juni 2018

Äquator [Rezension]

Nachdem ich heute mehrere Stunden damit verbracht habe mich ausgiebig mit der aktuellen DSGVO hinsichtlich meines Blogs zu beschäftigen (nicht ohne Hilfe), bin ich nach den entsprechenden Änderungen bereit mit einer Rezension in die neue Ära zu starten. Jetzt wo der Friedhof der vergessenen Bücher entsprechend moduliert wurde, ist es Zeit für ein wenig Buch-Content!



Inhalt:


Dieb und Brandstifter in Nebraska, Deserteur im amerikanischen Bürgerkrieg, Mörder in Nevada: Pete Ferguson ist ein Mann auf der Flucht. Er ist auf der Suche nach dem Äquator, dem Ort, wo sich angeblich alles ins Gegenteil verkehrt, die Träume wahr werden und er von seinen Dämonen befreit wird. Wird er dieses verheißungsvolle Land finden?

Mistys Meinung:


All jene, die mich kennen und wissen, dass mich Pferde auf Buchcovern immer anziehen werden auch den richtigen Schluss bei diesem Titel ziehen.  Allerdings darf ich mich rechtfertigen, dass ich das Cover nicht nur wegen des Pferdes schlichtweg atemberaubend gefunden habe!

Aber auch auf inhaltlicher Ebene hat mich das Buch sogleich angesprochen und ich bekam auch genau das geboten was ich mir darunter vorab vorgestellt habe. Äquator ist einer jener Abenteuerromane, bei denen man nicht weiß, ob man den unzugänglichen Hauptcharakter nun annehmen oder verstoßen soll. Pete Ferguson ist in dieser Hinsicht wirklich eine Paradebeispiel so verschlossen, übellaunig und dem Alkohohl zusprechend wie er gerade in den ersten Kapiteln daher kommt. Dem Autor ist damit aber wirklich ein ansprechender Antiheld gelungen, der nicht nur sein Pferd, sondern auch den Leser auf Trab hält (ha...ha).

"Ein Anführer ändert seine Untertanen nicht. Manchmal habe ich noch die Hoffnung, dass die Untertanen sich ändern werden, sobald sie keine Anführer mehr haben und frei sind. Aber die Revolution nährt sich auch von dieser Gewalt. Sie träumt vom neuen Menschen und nutzt zugleich seine alten Schwächen aus."*

Ich persönlich schätze solche Figuren sehr und dass Pete zudem recht nachdenklich ist und hin und wieder auch ein wenig über das Leben philosophiert, kam dem Buch ebenfalls sehr zugute. Ich konnte mir soviele ansprechende Textpassagen wie schon lange nicht mehr markieren. Geschichtlich bzw. gesellschaftlich gesehen hat die Geschichte auch einiges zu bieten und bringt ihren Lesern besonders deutlich die gesamte Ausbeutung des amerikanischen Kontinents durch die weißen Siedler nahe. Pete reist auf seiner Suche nach dem Äquator quasi einer Spur der Ausbeutung und Verwüstung hinterher, deren Verlierer immer die Ärmsten der Armen sind. Antonin Varenne gelingt es meiner Meinung nach ausgezeichnet die absurde Brutalität des Ganzen im Detail zu erfassen und entsprechend zu vermitteln.

Die Eigenheiten und die Sturheit der Hauptfigur machen den Zugang nicht einfach und dadurch ergaben sich für mich auch ein paar Längen in der Geschichte, auf die man sich vorab einstellen sollte. Zudem finden sich viele Briefpassagen in der Story, die -auch wenn man schließlich ihre Bewandtnis versteht- etwas übertrieben pathetisch daher kommen. Diese beiden Mängel muss ich schon anführen, ansonsten fand ich das Buch aber durchaus stimmig und es regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

Fazit:


Ein recht düsterer, Abenteuerroman, der nicht vor realer Gewalt zurück schreckt und damit ein wohl recht wahrheitsgemäßes Bild zeichnet. Mitsamt seinem schwierigen Protagonisten ein recht stimmiger Roman, der auch die Schattenseiten des Lebens einfängt.

*Seite 167
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Titel: Äquator
Autor: Antonin Varenne
Verlag: C. Bertelsmann
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 426 Seiten

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