Samstag, 2. Juni 2012

Die Werwölfe [Rezension]

Dem Heyneverlag haben es Fabelwesen und ihre Artikel wohl angetan. Ganz besonders mögen sie natürlich "DIE ELFEN", "DIE ZWERGE", "DIE VAMPIRE" und mittlerweile auch noch, was mich bisher am meisten erfreut: DIE WERWÖFLE! Gehören diese doch seit ich lesen kann zu meinen absoluten Lieblingskreaturen...und schon das verheißungsvolle Cover ließ mich ahnen, dass sie in diesem Buch erscheinen wie sie mir am liebsten sind: blutrünstig, mörderisch und dabei ohne Hauch von Schmusewölfchen (wie ja unlängst populär zu werden scheint).

*


Bezüglich der Handlung:
Angesiedelt im Europa des 19.Jahrhunderts, kurz nach dem endgültigen Niederschlagen Napoleons; Der junge italienische Adelige Niccolo soll nach dem Wunsch seines Vater eine Bildungsreise antreten. Während deren Verlauf lernt er den englischen Dichter Lord Byron kennen, der ihn in seine Kreise aufnimmt. Doch bald schon muss Niccolo erkennen, dass die Mitglieder der vermeintlichen Literatengesellschaft aus Werwölfen besteht. Trotz all dem was ihn seine christiliche Kindheit gelehrt hat, fühlt er sich furchtbar von ihnen angezogen und ist geneigt ihrem Angebot -aufgenommen zu werden- nachzugeben. Während er mit sich selbst kämpft bemerkt er nicht wie seine Gefährtin Valentine die Bekanntschaft mit einem Vampir macht, der diese sogar noch mehr als Blut begehrt. Was vorläufig jedoch sowohl den Werwölfen, Vampiren und den beiden Menschen in deren Bann entgeht: Die Inquistion wurde vom Heiligen Stuhl selbst entsandt um die gotteswidrigen Kreaturen und ihre Anhänger von der Erde zu tilgen.

Leseprobe:

"Vor Niccolos Augen vollzog sich die seltsamste und schrecklichste Wandlung, die alle Vernunft zu sprengen schien. Das Fleisch zog sich zusammen, die Haut veränderte sich, und Shelley fiel auf Hände und Füße. Dunkle Flecken bildeten sich auf seiner Haut, und es dauerte einige Sekunden, bis Niccolo erkannte, dass dort Fell spross. Shelleys Gesicht verlängerte sich, als er den Mund wie zu einem Gähnen öffnete. Als er ihn schloss, war er zur Schnauze geworden, aus der große Fangzähne ragten. Die Gestalt wurde kleiner, und schon bald war sie ganz mit dichtem Pelz bedeckt. Doch irgendwo in dieser tierischen Form konnte Niccolo noch Shelley erkennen, und er stöhnte entsetzt auf."**


Die ersten Seiten des Buches haben mich eher enttäuscht, da die Sätze etwas zu gekünstelt wirken und sich vor Adjektivanreicherungen kaum retten können. Auch die beiden Hauptfiguren Niccolo und Valentine haben mich anfangs nicht begeistern können, da sie mir zu flach und naiv erschienen sind. Das sind jedoch die einzigen Nachteile, die sich in meinen Augen an der Geschichte finden lassen und: beide erübrigen sich auf den folgenden Seiten. Die Charaktere machen im Laufe der Geschichte eine große Entwicklungdurch, angesichts der Erfahrungen die sie sammeln müssen und die Sätzen lesen sich sehr bald flüssiger. Abgesehen davon ist es eine wunderbar komplexe Geschichte mit zahlreichen Handlungssträngen, die geschickt verflochten werden und niemals zu viel preisgeben. Sie entwickeln sich unerwartet und verlassen mehrmals die ,sonst für Vampir und Werwolf üblichen, Aufenthaltsorte. Die Kreaturen ihrerseits sind wie bereits erwähnt grausam und es kommt zu zahlreichen Morden, darin erschöpft sich deren Existenz aber beiweitem nicht! Sie zeigen Gewissen und Geistestärke - mit reinen blutgetriebenen Monstern ist also nicht zu rechen.

Schöne Geschichte, diese Wölfe dürfen gern durch die Gänge des Bücherfriedhofs heulen.


* Bild von hardebusch.net
** Christoph Hardebusch: Die Werwölfe. München: Wilhelm Heyneverlag 2009, S175/76

--------------------------------------------------
Titel: Die Werwölfe
Autor: Christoph Hardebusch
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 495 Seiten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen