Donnerstag, 26. April 2018

Orchis [Rezension]

Die letzten Sonnen- und Regentage haben jetzt auch endlich dazu geführt, dass in meiner Umgebung alles grünt und blüht. Inmitten dieses Pflanzenmeeres bietet es sich eigentlich ganz wunderbar an, nach einem passenden Büchlein zu greifen.


Inhalt:


Anselm ist Botaniker und leidenschaftlicher Orchideenforscher. Mitte des 19. Jahrhunderts begibt er sich auf eine Expedition nach Madagaskar. Dort findet er nicht nur die schönste Orchidee der Welt, sondern Erfüllung, die aber nur von kurzer Dauer ist. Auf dem Schiff zurück in die Heimat verrückt sich etwas in Anselm: Aus seiner Schulter wächst eine Orchidee.

Mistys Meinung:


Für ungewöhnliche Bücher bzw. für Bücher mit ungewöhnlichen Inhalten bin ich immer offen und als ich dieses wunderschöne Cover erblickt und des Klappentext ansichtig wurde wusste ich: das wird ein großes Lesevergnügen.

Ich durfte recht behalten und war vom ersten Prosawerk dieser Autorin wirklich sehr angetan. Anfangs hatte ich ein klein wenig Schwierigkeiten mich mit den vielen Adjektiven zu arrangieren, in dieser Hinsicht bin was den Schreibstil angeht doch immer sehr empfindlich, aber letztlich passte der Umgang mit der Sprache einfach wunderbar auf die Geschichte. Entsprechend der eigenbrötlerischen Hauptfigur, die das fremde Land Madagaskar anfangs wie durch einen Taumel erlebt gibt sich auch die Sprache; blumig, ausufernd und sehr farbenfroh. Gerade dadurch kann man die Empfindungen von Anselm sehr gut nachvollziehen und sich gemeinsam mit ihm auf dieses Abenteuer einlassen.

 "So war es also, dachte er, wenn man in der Unendlichkeit angekommen war. Der Ozean bildete das Ende eines jeden Widerstreits. Die Eitelkeit versank in seiner Formlosigkeit, die Überflüssiges ohnze zu zögern ausmerzte. So geht es dem, der auf das Meer sieht, dachte Anselm. Es fällt ihm schwer, noch anderes als wichtig zu erachten."*

Auch sein späterer Werdegang und seine Psychosen und Neurosen schlagen sich in den Sätzen sprachlich direkt nieder und damit war ich eigentlich immer sehr gut unterhalten. Zugleich konnte ich nicht vorhersehen wohin mich die Handlung letztlich führen würde und auch die Figur bleibt in ihrem Charakter nicht immer ganz eindeutig fassbar, sondern zeigt ihre Eigenarten und Gefühle fast so langsam wie eine sich öffnende Blüte (ich bitte um Verzeihung für diese leicht schwülstige Formulierung, aber ich fand sie für dieses Buch absolut passend).

Diese Geschichte könnte ich also als ganzes jedenfalls als eine sehr ungewöhnliche, aber gleichfalls interessante literarische Entdeckungsreise beschreiben, für die man sich ebenso wie für die Passion der Botanik Zeit lassen sollte. Belohnt wird man dafür allerdings mit einer ganz eigenen, reizvollen Ästhetik.

Fazit:


Eine sehr ungewöhnliche Geschichte, die durch ihre dichte, ausladende Sprache glänzt und für jeden Leser etwas zum Entdecken offen lässt. Ein sehr intensives, sprachgewaltiges Buch!

*Seite 214 -------------------------------------------------------
Titel: Orchis
Autorin: Verena Stauffer
Verlag: Kremayr & Scheriau 
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten

Kommentare:

  1. Ich MUSS es auch noch lesen!! Hach, jetzt hast du mich erst recht neugierig gemacht ;)

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    1. jaaaa!! Es ist echt was ganz besonderes. Sehr eigensinnig, aber besonders :)

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  2. So.. du hast es geschafft! Es wird bei mir die Tage einziehen ;)

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