Montag, 11. September 2017

Wir sagen uns Dunkles [Rezension]

Es fliegt, es verfliegt...der September! Ehe ich mich versah, zählt auch dieser neue Monat bereits wieder 10 Tage. Wenn das so weiter geht bin ich bald so alt wie Blogdrache Nabu. Ich hoffe mir stehen Runzeln und Falten ebenso gut. Nun aber zu literarischeren Themen; ich habe gerade wieder eine Bachmann-Phase und wie könnte man diese besser anläuten als mit brandneuem, biographischen Input?



Inhalt:


Die Liebesaffäre zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan ist in der Literaturwelt allseits bekannt und in dem Buch Herzzeit findet sich bereits ein umfangreicher Briefwechsel der beiden. Helmut Böttinger beleuchtet dieses Beziehung nun aufs Neue, bringt einige weniger bekannte biographische Fakten zu Tage und analysiert die Gedichte der beiden jeweils auf Andeutungen ihrer Liebesbeziehung.

Mistys Meinung:


Ich habe es ja einfach mit Bachmann. Sie gehört zu den wenigen Autorinnen, von denen ich nicht nur die Prosa liebe, sondern mich auch wirklich für ihr Leben interessiere. Nach der Biographie Der dunkle Glanz der Freiheit, die ich praktisch verschlungen habe, war ich auch sofort wieder für dieses neue Werk zu haben und musste es haben.

Hierin geht es natürlich nicht nur um ihr Leben, sondern vordergründig um die schwierige Beziehung zu dem Dichter Celan. Dieser übte auf mich trotz seiner bewegenden Lyrik nie einen solchen Reiz aus, aber die Verstrickung der beiden ist wirklich mehr als lesenswert! Zu erwähnen sei allerdings, dass Helmut Böttinger zum Teil eine sehr literaturwissenschaftliche Herangehensweise hat, was bedeutet, dass er nebst umfangreichen Recherchen über das Leben der beiden vieles auf Grundlage deren Gedichte analysiert. Ein wenig Sattelfestigkeit hinsichtlich germanistischer Termini sollte man besitzen, hier wird nämlich sehr viel evoziert und transzendiert, es tauchen Rezeptionsmuster, Daktylus und Anpäst auf.

Ich muss zugeben, dass ich seine unterschiedlichen Auslegungen gespannt verfolgt, sie jedoch nicht immer völlig ernst genommen habe. An manchen Stellen ist eine Bezugnahmen der beiden Dichter nicht von der Hand zu weisen, an anderen hingegen fand ich Böttingers Interpretation  sehr mutig.

Fest steht allerdings, dass ich auch diesen Titel regelrecht verschlungen und wirklich unheimlich viele -für mich neue- biographische Details mitgenommen habe. Was mich bei Titeln wie diesem immer sehr fasziniert, ist der Einblick, den man mit den jeweiligen Biographien auch in die damalige Literaturszene bekommt. Ich spreche jetzt nicht nur über die Mitglieder der Gruppe 47, auch die jeweiligen privaten Kontakte, die die beiden pflegten waren für mich immer wieder eine Überraschung. Da geht Günter Grass bei Celan praktisch ein und aus und Bachmann trifft mal eben auf Erich Fried usw.

Zurück zu den eigentlichen Akteuren dieses Buches: mir war nicht bewusst wie lange die beiden -trotz unterschiedlicher Lebenswege- eine derart intensive Beziehung zueinander aufrecht erhalten haben. Die Tragik mit der sie enden musste übertrifft jeden noch so kunstvoll ausgearbeiteten Liebesroman und ich war an mehreren Stellen sehr bewegt.

Fazit:


Ein überaus interessantes, brilliant recherchiertes Buch über die tragische Liebesgeschichte von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Es handelt sich allerdings um ein literaturwissenschaftliches Fachbuch, ein wenig Konzentration und Fremdwortkenntnisse werden vorausgesetzt.

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Titel: Wir sagen uns Dunkles. Die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan
Autor: Helmut Böttinger
Verlag: dva
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 272

Kommentare:

  1. Liebste Misty

    Was für eine schöne Rezension. Ich mag es ja sehr, wenn man den persönlichen Bezug des Bloggers zum Buch/Autoren/Protagonisten spürt und deine Begeistertung springt sofort über. Gerade bei biografischer Literatur ist das jeweils besonders wichtig.

    Bei mir liegt "Das dreissigste Jahr" von Ingeborg Bachmann auf dem SuB. Sieht so aus, als müsste ich das Buch bald lesen und mich dann auch noch ein wenig näher mit dieser spannenden Frau befassen. Ich erinnere mich, einmal einen Film über sie gesehen zu haben, der mich sehr berührt hat.

    Danke für die Anregungen
    Livia

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    1. Hallo Livia :)

      Ja, Frau Bachmann hat es mir sehr angetan, und da vor allem ihre Prosa, zu den Gedichten fällt mir der Zugang viel schwerer. Aber Biographische Texte können echt schön zu lesen sein und soviel zu entdecken haben :)

      Das dreissigste Jahr habe ich auch noch nicht gelesen, aber da ich mir jetzt eine Sammelbox mit ihren Werken zugelegt habe kann ich das ja auch schnell ändern :D

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  2. Hallo Misty

    Ich kenne die Autorin nicht. Ich weiß ehrlich gesagt gar nichts von ihr. Muss ich mal in meinem Hinterkopf speichern. Eine tolle Besprechung von dir. Da dir schwierige Bücher Freude machen, empfehle ich dir "Das Ministerium des äußersten Glücks!"

    Liebe Grüße,
    Gisela

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    1. Hallo Gisela :)

      Dann wirds aber Zeit für eine kleine Literatur-Geschichtsstunde :) Bachmann war eine der bedeutendsten Autorinnen der österreichischen Nachkriegszeit.

      Danke für den Tipp, werde ich mir näher ansehen^^

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  3. Oh - das klingt wundervoll. Ich bin eigentlich gar kein großer Fan von Biographien - aber wie du sagst: Bachmann und Celan haben es in sich. ♥ Ich werde mir das Buch wohl mal genauer ansehen müssen, denn deine Begeisterung greift wirklich über...

    LG, Nana

    PS: Das neue Menü + Sidebar sehen toll aus!

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    1. Hallo Nana,

      und ich muss endlich Herzzeit lesen, in diesem Buch warn auch ein paar Ausschnitte der Briefe drinnen, die sind wohl doch sehr spannend :)

      Danke, ich bin auch recht zufrieden mit dem neuen Design :)

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