Sonntag, 17. September 2017

Als ich Amanda wurde [Rezension]

Tee, Tee, Tee, Wärmflaschen, Bücher. Ich bin dem kalten Wetter ja sowas von nicht böse und betreibe Einmümmelung auf höchsten Niveau! Und dann habe ich im September bisher auch nur gute Bücher erwischt. Ein vielversprechender Herbstbeginn.

Inhalt:


Nachdem Amanda, die früher Andrew hieß, nach ihrer Geschlechtsumwandlung brutalen Übergriffen anderer Mitschüler ausgesetzt ist, zieht sie zu ihrem Vater um ein neues Leben zu beginnen. Sie erzählt niemandem von ihrer Vergangenheit und wird wundersamerweise recht schnell in der neuen Gemeinschaft akzeptiert. Doch es fällt ihr schwer zu entscheiden wem sie ihr Vertrauen wirklich schenken kann und so trifft sie eine falsche Entscheidung.

Mistys Meinung:


Nachdem ich bei George (Rezension) mit meinem ersten transgender Buch wirklich eine Bruchlandung hingelegt habe, war ich bereit es mit Amanda nochmals zu versuchen. Dieser Titel ist immerhin schon für Jugendliche, da kann man mit der Thematik viel besser in die Tiefe gehen.

Ich bin sehr froh, dass ich mich für dieses Buch entschieden habe, denn ich wurde nicht enttäuscht. Die Autorin, die auf ihre eigenen, einschlägigen Erfahrungen zurück greifen kann hat mit Amanda die perfekte Figur für dieses Thema geschaffen. An ihrer Stelle fällt es einem als Leser sehr leicht zu begreifen welch schweren Weg jemand, der sich im falschen Körper fühlt, zu gehen hat. Im Gegensatz zu George umgeht die Autorin Klischees geschickt, wobei sie selbst im Nachwort angibt, eine absichtlich klar feminine Protagonistin gewählt zu haben, um den Zugang und das Verständnis zu erleichtern.

Zunächst war ich etwas irritiert wie durchdrungen die ganze Geschichte vom amerikanischen Lebensstil ist, mit der Zeit lernte ich diese Tatsache allerdings sehr schätzen. Einerseits weil ich es recht interessant fand wie Amanda ihrem eigenen Glauben gegenüber steht und wie abstrus gewisse fundamentalische Strömungen auf sie reagieren. Andererseits weil mir mit diesem Buch wieder bewusst wurde wie gefährlich intolerant die Menschen sich in manchen Bundesstaaten noch verhalten. Da erscheint Europa gleich wieder wie eine Elysium der Aufklärung (trotz rechter Strömung). Und ich schreibe bewusst "gefährlich intolerant", weil viele Figuren ihre Ablehnung nicht nur verbal zum Ausdruck bringen, es kann offenbar durchaus auch lebensbedrohlich sein, wenn man in Amerika den falschen Leuten seine Identität offenbart. Da die Autorin wie bereits erwähnt auf ihre eigene Lebenserfahrung zurück greift denke ich nicht, dass sie hier aus rein dramaturgischen Gründen gwisse Szenen ausreizt.

Umso bewundernswerter wurde für mich die Hauptfigur, die trotz mehrmaliger Resignation und auch Depression versucht ihren Weg zu gehen und sich ihrer Entscheidung vollkommen sicher ist. Ihr Wunsch nach Normalität und Akzeptanz wird wirklich sehr gut transportiert und sollte dank ihrer liebenswürdigen Persönlichkeit auf jeden Fall für jeden Leser nachfühlbar sein. Sowohl Betroffene als auch Interessierte finden in diesem Jugendbuch tolle Anhaltspunkte.

Kurz zurück zum Amerikanischen: Ich war wie gesagt zunächst ein wenig ungehalten, auch weil die Geschichte in manchen Punkte sehr prüde erscheint. Ehrlich gesagt hätten mich auch körperliche Details interessiert, aber es gibt ein Gespräch in der Geschichte da Amanda einer Freundin -der sie sich anvertraut- sagt, sie würde ihr alle Fragen beantworten, nur nichts hinsichtlich ihrer Genitalien. Angesichts ihrer traumatischen Erlebnisse verstand ich die Figur und die Autorin darin sehr gut und denke, dass es gut zu der Geschichte passt, dass sie in dieser Hinsicht nicht zu sehr ins Detail geht.

Und: Ist dieses Cover nicht einfach wundervoll?

Fazit:


Endlich ein wundervolles Jugendbuch zum Thema Transgender, das einen verständlichen Zugang für alle Leser bietet. Die Hauptfigur Amanda berichtet einfühlsam über ihr Leben und den Versuch in einer Gesellschaft akzeptiert zu werden.

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Titel: Als ich Amanda wurde
Autorin: Meredith Russo
Verlag: dtv
Sprache: Deutsch
eBook: 304 Seiten

Kommentare:

  1. Hallo Liebes,

    das Buch interessiert mich ja auch total und ich hab schon so viele gute Meinungen gehört.
    Bei dem Cover kann ich dir nur zustimmen, ich mag es auch total.
    Vielen Dank für deine Rezension ♥

    Liebe Grüße
    Charleen

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    1. Ich kann es wirklich empfehlen, ein schönes Jugendbuch. Das Bild auf dem Cover sagt wirklich so viel aus :)

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  2. Hallo Misty

    Eine tolle Besprechung von dir. Da sie Autorin eigene Erfahrungen hat, kann ich mir gut vorstellen, dass das Buch mit viel eigenem Wissen glänzt.
    Dich könnte eventuell auch das Buch "Das Ministerium des äußersten Glücks" interessieren. Ich denke, dich könnte das Buch so richtig packen. Ich habe das Buch vor einigen Wochen bei einer Leserunde gelesen und denke immer noch an die Protagonisten.

    Liebe Grüße,
    Gisela

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