Montag, 24. Oktober 2016

Weites wildes Land [Rezension]

Und plötzlich schlägt sie wieder zu: die Trivialliteratur-Keule! Natürlich, man könnte 95% der Bücher die ich gerne lese als trivial bezeichnen, doch manche Titel toppen diesen Begriff eigentlich und werden damit zu einer Trivialwaffe..bommm bomm! Wer befürchtet sie ins Gesicht zu bekommen fliehe vor dieser Rezension. Wer vor allem Spaß bei etwas altmodischem Kitsch empfindet versuche auch an ein gebrauchtes Exemplar dieses wahrhaft großen Romans zu gelangen.




Inhalt:


Sibill, die 17-jährige Tochter wohlhabender englischer Gutsbesitzer wandert mit ihren Eltern nach Australien aus, wobei ihr Schiff kurz vor der australischen Küste in einen furchtbaren Sturm gerät und zu sinken beginnt. Verzweifelt gelingt es Sibill sich auf eines der Boote zu retten, doch auch dieses wird von den Wogen erfasst und mehr tot als lebendig strandet sie schließlich auf dem neuen Kontinent. Gemeinsam mit dem einzigen anderen Überlebenden Logan versucht sie sich bis zur nächsten Siedlung Weißer durchzuschlagen.

Mistys Meinung:


Na wenn sich dieses Setting nicht vielversprechend anhört: die junge verwöhnte, überaus hübsche Zimtzicke mit den grünen Augen (auf manchen Seiten verwirrenderweise auch blau) und der derbe, aber ebenso überaus hübsche Tunichtgut gemeinsam gestrandet! Da erblüht einem doch bereits das Herz, vor allem weil der gerissene Gauner Logan es als wichtig empfindet, dass Mann und Frau sich gegenseitig ärgern und aufreiben! Und die prüde Sibill gebärdet sich wirklich ausreichend als Kratzbürste, auch ihrem Retter gegenüber. Der perfekte Einstieg für eine gesunde, ausgeglichene Verbindung!

Aber...und dieses aber möchte ich nochmals betonen...oder gleich nochmal: aber; solch scheinbar kitschige altbackene Bücher können meist vor allem eines: mich überraschen. Zwar glaube ich sie mit einem Blick auf das Cover (und dieses Cover ist ja wohl wirklich der Knüller) und spätestens nach Lesen des Klappentextes völlig durchschaut zu haben, aber dann kommt der Inhalt doch ganz anders  als erwartet.

So muss ich auch diesem Titel vor allem eines zusprechen: ich finde den Handlungsfortlauf eigentlich sogar tiefsinniger und vor allem vernünftiger als so manches Werk der heutigen Trivialliteratur. Das liegt nun erstens daran, dass man dem Buch anmerkt, dass es von einer Autorin geschrieben wurde, die ihr Handwerk versteht, abgsehen von manchen Dialogen, doch das mag der Übersetzung geschuldet sein. Weiters wurde es ordentlich lektoriert und das können viele Imprints, die mittlerweile wie Löwenzahn aus dem Literaturpflaster brechen wirklich nicht von sich behaupten. Wenn ich solch ein verstaubtes Büchlein aus dem Schatten seines Regalplatzes ziehe so weiß ich, dass ich zwar kein poetisches Meisterwerk, aber ein stillistisch sattelfestes Stück in Händen halte. Diese Stichelei aber nebenbei.

Nun zur Überraschung: ich muss diesem Buch wirklich zusprechen, dass es keineswegs als Liebesgeschichte, sondern vielmehr als Lebensgeschichte einer jungen Frau gesehen werden, die trotz aller Zwänge, die ihr die Gesellschaft ihrer Zeit aufbürdet ihren Weg geht. Zwar sind die zu meisternden Hürden jene die man sehr gut auch aus einschlägigen Verfilmungen kennt, aber ein paar  Erwartungen muss so ein Buch schließlich auch erfüllen. Gerade aber in Hinsicht auf die Entwicklung der Personen -insbesondere der Hauptfigur- finde ich die Handlung eigentlich recht gelungen. Zwar fällt auch Sibill zahlreiche naive und manch eine dämliche Entscheidung, letztlich entwickelt sie sich aber durchaus im positiven Sinne. Der gutaussehende Logan spielt dabei übrigens keine Schlüsselrolle, im Gegenteil: ihre Entscheidung für ihre künftige Beziehung trifft sie eigentlich vielmehr aus Gründen der Vernunft und genau in dieser Hinsicht finde ich diese Geschichte besser als moderne Liebesromane, denen man schon auf der ersten Seite ansieht wer der Traumprinz der letzten Seite werden wird.

Makellos würde ich dieses Buch natürlich trotzdem nicht bezeichnen, so finde ich etwa das vom Klappentext beschriebene "kenntnisreiche Porträt Australien" eigentlich nicht immer glaubhaft und manchmal konnte ich mich wirklich nicht entscheiden, ob das Buch selbst als rassistisch bezeichnet werden könnte oder lediglich die Zustände der damaligen Zeit widergibt.

Trotzdem war ich in Summe eigentlich recht gut unterhalten, so wird die Landschaft eigentlich zeimlich gut dargestellt und wenn ich über viele Kitschelemente auch schmunzeln wusste, baute sich ausreichend Spannung auf und ich verfolgte den Werdegang der Figuren recht gerne, zumal sie ambivalent und keineswegs einseitig dargestellt wurden.

Fazit:


Ein Roman, der zwar in mancherlei Hinsicht die Erwartungen an einen altmodischen Trivialroman erfüllt, an anderen Stellen aber vielschichtige, vernünftige Figuren zeichnet deren Entscheidungen durchaus für Spannungsaufbau sorgen.

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Titel: Weites wildes Land
Autorin: Patricia Shaw
Verlag: Buchgemeinschaft Donauland Kremsmayr
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 542

Kommentare:

  1. Hi liebe Misty!
    Das Buch erinnert mich an den einzigen Australien-Roman, den ich jemals gelesen habe. Zufall? Ich denke nicht :P Und zwar die Abby Lynn-Reihe (du findest es bei den 12-jährigen im Regal). Es sieht zwar auch nicht so schlimm nach Liebesdrama aus wie deines doch beide haben das Element der Lebensgeschichte einer jungen Frau in Australien. Abby wir nämlich als verurteilte Diebin in die Kolonien geschickt und schafft es irgendwann, den Fängen der Polizei zu entkommen und baut sich dann unter Übereindung einiger sehr steiniger Hürden ein neues Zuhause im Outback. Dein Buch klingt für mich ein wenig wie eine Mischung aus Abby Lynn und der Piratin der Karibik (du weißt ja...)
    Liebe Grüße aus dem sonnigen Südtirol :)

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