Sonntag, 8. Mai 2016

Sternstunden der Menschheit [Rezension]

Zwar bin ich im Mai noch nicht wirklich zum Bloggen gekommen, dafür habe ich in der letzten Woche tatsächlich schon zwei Bücher gelesen. Somit war der Monat bis jetzt vollkommen nach meinem Geschmack. Sonnenstunden auf dem Balkon sorgten jedenfalls dafür, dass ich stets ein Buch brauchte, um mein Gesicht vor der Sonne abzuschirmen. Und da ich von meinem Balkon aus einen wunderbaren Blick auf den Kapuzinerberg habe, wurde es wieder einmal Zeit ein wenig Stefan Zweig zu lesen, der auch schon dort oben residierte.



Inhalt:


Dieses Buch ist eine kleine Sammlung an 14 Kurzkapiteln, die sich jeweils den wichtigsten Entdeckungs-/Erfindungs- und Schaffensperioden berühmter Menschen widmet. Stefan Zweig pickt sich dabei wirklich nur ausschnitthaft die wichtigsten Momente der jeweiligen Persönlichkeiten heraus, die dazu führten, dass derjenige für immer in die Geschichte der Menschheit einging.

Mistys Meinung:


Klassische Literatur habe ich in letzter Zeit wirklich sehr vernachlässigt, zu groß ist der Sog rund um die Neuerscheinungen der Unterhaltungsliteratur (die ich ja enorm liebe und hoch schätze). Doch zu diesem wundervollen Buch musste ich mir spontan aus der Arbeit mit nach Hause nehmen, um es sogleich "ein wenig" anzulesen. Aus dem wenigen wurde natürlich schnell mehr und es dauerte kaum ein Wochenende, da hatte ich es auch schon ausgelesen.

Ich schätze den Schreibstil Zweigs wirklich sehr und konnte seine wunderbare, gewählte Sprache nebst den vielen abenteuerlichen Romanen der letzten Zeit wirklich sehr schätzen. Zudem sind auch viele Geschichten dieses Buches sehr abenteuerlich von ihm inszeniert! Literatur, die sich der Menschheitsgeschichte widmet wird mitunter schnell einmal unterstellt, sie sei trocken. Dieses Vorurteil trifft in keiner Hinsicht auf dieses Werk zu, es wirft dem Leser nämlich förmlich die Wellen des letzten entdeckten Ozeans vor die Füße (...soll heißen: nicht trocken!).

Zweig gelingt es wirklich sehr gut die Charaktere und Stimmungen der Zeit wiederzubeleben und den Leser für die Ereignisse zu begeistern und gleichzeitig gut recherchiertes Wissen zu transportieren. Besonders spannend fand ich dabei, dass er sich nicht nur auf die allbekannten großen künsterlischen/kriegerischen/erfinderischen Genies konzentriert, sondern auch für einige "Nebencharaktere" der Geschichte viel Platz einräumt. Selbst wenn man sich in der Schule freudig in dieses Fach gestürzt hat, so würde ich doch behaupten, dass den wenigsten bekannt sein dürfte, wer eigentlich der wirkliche Verfasser der Marseillaise gewesen ist. Irre ich?

Einzig bei den Schriftstellern bzw. Dichtern übertreibt er es meiner Ansicht nach ein wenig mit seinem Pathos. Ein großes Maß an Wertschätzung und Ehre sei einem Goethe natürlich immer entgegen gebracht, nur ergießt Zweig sich wirklich sehr in seiner grenzenlosen Begeisterung gegenüber dessen Schaffen und was er glaubt, dass den großen Dichter dazu bewegt haben mag. Die überschwänglichen Lobesworte muss man als Lesern dann wohl mit einem Schmunzeln hinnehmen (so habe ich es zumindest getan). Bei den anderen historischen Figuren konnte er mich dafür derart mit seiner Begeisterung anstecken, dass ich selbst um jene Momente bangte, da ich doch genau den Ausgang kannte. Genau das macht dann in meinen Augen einen wirklich guten Erzähler aus; eine bzw. die Geschichte so gut widerbeleben zu können, dass man wiederholt mitgerissen wird und nicht umhin kommt mitzufühlen.

Fazit:


Eine wundervoll gelungene Aufstellung geschichtlicher Ereignisse, die zwar sehr viel Information bieten, aber dabei gleichzeitig so abenteuerlich geschildert wird, dass man sich ihr kaum entziehen kann.

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Titel: Sternstunden der Menschheit
Autor: Stefan Zweig
Verlag: Marix
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten

Kommentare:

  1. Hi Misty,

    finde ich total toll, dass du dich wieder an klassische Literatur traust. Ausbildung und Studium können einem das manchmal richtig vermiesen.
    Ich finde den Ansatz des Buch total interessant und kann mir vorstellen, dass es den Zugang, die Kraft und die Kunst des Schreibens von Klassikern gut vermitteln kann. Und das sehr kurzweilig.
    Klingt auch nach einer super Geschenkidee für alle die, die schon so viele Klassiker gelesen haben.

    Danke für die tolle Vorstellung!
    Liebe Grüße und weiter sonnige Tage auf dem Balkon! :)
    Katharina

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    1. Hallo Katharina :)

      Freut mich, dass du vorbei geschneit bist. Also mir hat das Studium vor allem lange Zeit die sogenannte "Trivialliteratur" vermiest :D indem diese permanent schlecht gemacht wurde, aber irgendwann habe ich da wieder meine Balance gefunden :)

      Stefan Zweig ist überhaupt ein toller Autor, den ich sehr empfehlen kann. Übrigens auch zu seiner Zeit schon ein überzeugter Europäer!

      Meine nächste Lesestation wird dann hoffentlich "The Bell Jar" von Sylvia Plath.

      Liebe Grüße! Auch dir ganz viel Sonne :)

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