Sonntag, 10. April 2016

Todesengel [Hörbuch-Rezension]

Eine große Tasse Tee, eine weiche weiße Katze, ein friedlich schnarchender Freund. Das sind bei mir stets die besten Vorraussetzungen für einen idealen Rezensions-Sonntag. So auch heute und bei der Anzahl an Rezensionen, die bei mir noch ausständig sind, sollte ich am besten den ganzen Tag vor mich hintippen. Da ich mich später auch noch zum Lesen zurück ins Bett kuscheln möchte serviere ich jetzt lediglich eine kleine Hörbuch-Rezension.



Inhalt:


Bisher verlief die Karriere des jungen Journalisten Ingo Praise eher lasch und mit seinen wenigen Online-Artikeln gelang es ihm kaum seine Miete zu bezahlen. Dann gerät er jedoch unerwartet an eine brandheiße Story, als sich in seiner Stadt ein selbst ernannter Rächer über die Justiz erhebt und kriminelle Jugendliche erschießt. Mit seinen provokanten Artikeln heizt Ingo die Gemüter der Bewohner und sorgt für viele öffentliche Diskussionen über Themen wie Selbstjustiz und Zivilcourage. Dabei ahnt er lange noch nicht welche Konzequenzen das Wirken des sogenannten Racheengels auf sein Privatleben haben wird.

Mistys Meinung:


Auf den Autor Andreas Eschbach bin ich bereits letztes Jahr dank des Jugendbuches Aqua Marin gestoßen, welches mir wirklich unheimlich gut gefallen hatte. Den Schauspieler Matthias Koeberlin wiederum, der sehr viele Hörbücher spricht, vergöttere ich seit meinem letzten Hörbuch Gone Girl. Ein Buch von einem guten Autor mit einem guten Hörbuchsprecher müsste somit also eine gelungene Mischung abgeben. Hat es auch.

Wie gesagt finde ich den Sprecher und seine Betonungen ganz wunderbar und so konnte er mich auch in diese Geschichte sofort entführen und mir die Hauptfigur Ingo Praise authentisch näher bringen. Die ruhige, passive Art des Protagonisten hätte wirklich nicht besser hervorkommen können. Mittlerweile bin ich auch genremäßig wieder auf den Geschmack von Thrillern gekommen und so habe ich auch diesen gerne verfolgt.

Spannungsmäßig deckt der Autor geschickt ein Detail nach dem anderen auf, wobei man sich als Leser bzw. Hörer lange wundert wie die jeweiligen Personen denn nun eigentlich zusammen hängen. Dadurch möchte man nach jedem Kapitel sogleich das nächste beginnen, um endlich den Zusammenhang verstehen zu können. Auch das Grundthema dieses Buches fand ich sehr interessant, wenngleich natürlich in vielen Fällen auch schockierend. Andreas Eschbach spielt geschickt mit dem Verlangen der meisten Menschen kriminelle Ungerechtigkeiten entsprechend bestraft zu sehen. So kommt man auch als Hörer nicht umhin, mit dem selbsternannten Rächer zu sympathisieren, der durch sein brutales Einschreiten viele Unschuldige rettet. Allerdings fand ich das positive Hervorheben einer solchen Vorgehensweise und die wiederholte Darstellung einer unfähigen Justiz an vielen Passagen auch übertrieben provokativ.

Das Ausüben von Gewalt zugunsten wird meiner Meinung nach an vielen Stellen also zu sehr veherrlicht, wobei die Konsequenzen gegen Ende hin wiederum eigentlich auch sehr radikal und ausgleichend gezogen werden. Trotzdem weiß ich nicht genau, ob dieses Buch nicht für jüngere Leser deswegen eher ungeeignet wäre (von der Gewalt einmal abgesehen).

Es ist auf jeden Fall ein Buch, dass mich sehr zum Nachdenken angeregt hat, ohne dadurch in irgendeiner Weise an Spannung zu verlieren. Die vielen Figuren passen wunderbar ins Geschehen und sorgten für ausreichend Abwechslung, wobei der Sprecher einer jeden Leben einhauchen konnte.

Fazit:


Ein spannendes, wunderbar gelesenes Hörbuch, dessen unterschiedliche Figuren an vielen Stellen für Spannung sorgen. Die Grundthematik sollte jedoch ein jeder für sich kritisch betrachten.

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Titel: Todesengel
Autor: Andreas Eschbach
Sprecher: Matthias Koeberlin
Verlag: Lübbe Audio
Sprache: Deutsch
Hörbuch: 16h 26min

Kommentare:

  1. Hallo Misty,
    also vom Inhalt her erinnert mich das (Hör-)Buch jetzt ein wenig an den Film Mucksmäuschenstill. Hast du den mal gesehen? Da geht es jedenfalls auch um einen Mann, der Selbstjustiz ausübt. Anfangs noch "relativ" harmlos, doch irgendwann verliert er völlig die Kontrolle und tötet dann auch. Mich hat der Film damals sehr verstört (ich musste ihn in der Schule im Philosophie-Unterricht sehen...). Aber dennoch klingt das Buch ganz interessant, wobei ich deine Anmerkung, dass die Gewalt da teilweise verherrlicht rüberkommt, dann doch wieder irritierend finde - das Buch wandert mal auf meine Wunschliste, weil ich die Thematik an sich interessant finde, aber ich werde deine Kritik auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

    Liebe Grüße, KQ

    P.S.: Aber eins muss ich mal sagen: Das Cover gefällt mir mal richtig gut!!!

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    1. Hallöchen :)

      Nein, der Film "Mucksmäuschenstill" sagt mir leider gar nichts. Aber ich es gibt auch abgesehen davon einige Werke die sich diesen Themen stellen. Ich lese zB gerade den Manga "Death Note" in welchem es um ein Notizbuch geht, in welches man Namen schreiben kann und diese Personen sterben dann. Die Hauptfigur nützt dies um die Welt von Kriminellen zu "reinigen". Ich denke da ergibt sich noch einiges an Konfliktpotential :)

      Mir bereitet dieses Thema und vor allem ein solch naiver Lösungsansatz, der auf schwarz-weiß beruht immer Kopfschmerzen, gleichzeitig finde ich es natürlich spannend, wenn Autoren und Zeichner etwas daraus machen :)

      Ich hoffe das Buch von "Todesengel" ist ebenso gut wie das Hörbuch, ich finde nämlich dass der Sprecher mit seiner Interpretation sehr viel heraus holt :)

      Liebe Grüße!

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  2. Hey,

    das Buch habe ich auch schon länger im Auge.

    Was du über das Hörbuch erzählst, klingt auch sehr gut und ich hab es mir schon in der Onleihe vorgemerkt. Die 16 Stunden Hörzeit schrecken mich aber doch ab, weil ich weder weite Strecke mit dem Auto fahre, noch beim Putzen hören kann. Ich würe also echt lang dafür brauchen :D
    Vielleicht wird es also doch eher gelesen...

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    1. Hiho :)

      jaaa, die die 16 Stunden sind wirklich sehr lang. Ich hab es auch nur angefangen, weil ich zu dem Zeitpunkt wusste, dass ich eine lange Busfahrt vor mir habe nach Leipzig :D Generell daheim hab ich lieber kürzere :)

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