Sonntag, 13. Dezember 2015

Wer die Nachtigall stört [Hörbuch-Rezension]

Der Dezember ist dieses Jahr für mich erstmals eine sehr arbeitsreiche Zeit, trotzdem begegne ich ihm so gut gelaunt wie seit meiner Kindheit nicht mehr. Das Weihnachtsgeschäft ist zwar sehr stressig, aber die Blütezeit des Buchhandels miterleben zu dürfen macht mir trotzdem großen Spaß. Aktuell entspanne ich mich Abends allerdings lieber mit einem Hörbuch, denn normalen Seiten, so habe ich aber auch endlich diese langen Kapitel hinter mir.



Inhalt:


Die beiden Kinder Scout und Jem Finch wachsen im Alabama der 1930er Jahre heran und genießen das privilegierte Leben wohlhabender Weißer zu dieser Zeit. Spielerisch bewegen sie sich in ihrem kleinen Universum, das sich hauptsächlich auf den eigenen Haushalt und die Nachbarshäuser beschränkt. Ihr größter Verlangen besteht darin einmal den sich stets versteckt haltenden Nachbarn Boo Radley zu Gesicht zu bekommen. Während sie wilde Pläne aushecken und sich Träumereien hingeben, um diesen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen, begegnet ihnen die politische Realität dieser Zeit mit aller Härte.


Mistys Meinung:


Dieses Buch ist mir in meiner Leselaufbahn bereits recht oft begegnet und da es gewissermaßen als einer der modernen Klassiker gilt, nahm ich mir stets vor es eines Tages zu lesen. Nach der überraschenden Erscheinung von "Gehe hin, stelle einen Wächter" entdeckte ich, dass es die Nachtigall auch als Hörbuch gab und ergriff auf diesem Weg endlich Initiative.

Was die eigentliche Rezension angeht, fällt es mir ein wenig schwer mich zu äußern. Deswegen formuliere ich jetzt erst einmal ganz simpel vorneweg: Mir hat diese Geschichte nicht gefallen. Ich habe eine Weile überlegt, ob dies am Medium des Hörbuchs liegen könnte, bin aber zum dem Schluss gekommen, dass ich als Buch wohl noch weniger damit hätte anfangen können, da ich die Handlung ohne die Aufbereitung der Leserin Eva Mattes noch langweiliger gefunden hätte.

Das Hörbuch an sich finde ich soweit ganz gut gestaltet und mochte die Stimme der Leserin auch über weite Teile, nur die Geschichte an sich gab für mich einfach zu wenig her. Das führte dazu, dass ich über 2 Monate gebraucht habe, bis ich das Hörbuch wirklich fertig gehört hatte. Natürlich erkenne ich den ernsten Einschlag der Geschichte, die auf ihre Weise mithilfe der Figuren stark die Ungerechtigkeit des Rassismus in den Südstaaten der USA aufzeigt und bereits erste Ansätze zu einem Umdenken aufzeigt, aber das ändert für mich nichts daran, dass ich mich mit dem langsamen Handlungsaufbau gar nicht zurecht gekommen bin.

Lange Zeit wartet man als Leserin/Hörerin nunmal darauf, was es mit dem mysteriösen Boo Radley auf sich hat und die Autorin konzentriert sich zunächst ausgesprochen stark auf diesen Teil der Geschichte, sodass man etwas Außergewöhnliches und Gruseliges in dieser Richtung erwartet. Dann schwenkt sie jedoch überraschend zur Thematik des Rassismus. Somit wartete ich eine gefühlte Ewigkeit, wie sich der ganze Bogen denn nun letztlich wieder schließen würde. Dies passiert gegen Ende hin auch, allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits kein Interesse mehr daran.

Irgendwie sieht man sich ein wenig gezwungen sich schlecht zu fühlen, wenn man Bücher oder Texte kritisiert, die ein ernstes menschenrechtliches Thema zum Inhalt haben. Für seine Zeit mag der Zeitgeist des Buches auch durchaus bermerkenswert gewesen sein, aber literarisch taugt es für mich leider nicht genug.

Fazit:


Wenngleich die Geschichte bereits gekonnt Kritik an den Umständen ihrer Zeit übt, ist die Handlung für mich nicht überzeugend und langweilte mich in weiten Teilen zu sehr.

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Titel: Wer die Nachtigall stört
Autorin: Harper Lee
Sprache: Deutsch
Gelesen von: Eva Mattes
Hörbuch-Dauer: 12h 22 min

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