Samstag, 11. April 2015

Judas [Rezension]

Wenn ich auch schon wieder mal nicht selbst auf die Leipziger Buchmesse fahren konnte, so habe ich es dieses Jahr zumindest geschafft, einen der Messegewinner zu lesen. Judas kommt aus der Kategorie der besten Übersetzung und konnte mich so ein wenig darüber hinweg trösten, dass ich zuhause bleiben musste, während andere die Messe in vollen Zügen genießen konnten.

Inhalt:


Das Leben des jungen Studenten Schmuel Asch ändert sich mit einem Male, als ihn seine Freundin im Winter 1959 verlässt, um ihren Exfreund zu heiraten und gleichzeitig müssen Schmuels Eltern die finanzielle Unterstützung für sein Studium streichen. Aus der Not heraus nimmt er daher eine Anstellung in einem alten jerusalemer Haus an, die darin besteht, dass er den alten Hausherrn pflegt und ihm Gesellschaft leistet. Dadurch findet er wieder die Gelegenheit sich mit seiner Forschungsarbeit "Jesus in der Perspektive der Juden" zu beschäftigen und findet in dem alten Mann einen rhetorischen Widersacher.

Mistys Meinung:


Ich selbst habe mich bisher ehrlich gesagt noch recht wenig mit dem Judentum beschäftigt und mein weniges Wissen beschränkt sich auf den kurzen Jiddisch-Unterricht, den ich auf der Universität einmal versucht habe. Insofern enthielt dieses Buch viele wissenswerte Informationen und der Autor geht mithilfe seiner Figuren der Frage nach, ob sich ein Jerusalemer Judenstaat friedvoll hätte errichten lassen und geht in den Argumentationen dabei bis zu den Ursprüngen des Neuen Testaments zurück. Diese Aufbearbeitung hielt ich für sehr gelungen, wobei ich zugegebenermaßen nicht alle Themengebiete davon verstanden habe - doch der Autor nennt einige Quellen, mit denen man sich als Leser im Anschluss durchaus noch beschäftigen könnte.

Abgesehen von diesen recht geschickt verarbeiteten Fragestellungen ist dieses Wekr vor allem aber auch ein fiktiver Roman, der seine Figuren, darunter natürlich vor allem den Protagonisten Schmuel, vielfältig auftreten lässt. Schmuel ist ein liebenswerter Antiheld, dessen Marotten man zu schätzen lernt, wobei man nicht umhin kommt ihn für seine Lage mehrfach zu bemitleiden. Interessant und gleichzeitig abwechslungsreich fand ich es, dass der Autor dank der Figur von Atalja (die verwitwete Schwiegertochter des Mannes in dessen Haus Schmuel einzieht) auch eine Liebesgeschichte in die Handlung einflicht, wodurch ein spannender und zugleich irgendwie merkwürdiger Konstrast zum restlichen Inhalt geschaffen wird. Diese Beziehung wirkt jedoch nicht profan, vielmehr wird sie den zu den den vielen Konflikten von Schmuel hinzugefügt.

Dies alles geschieht jedenfalls in einer für mich recht faszinierenden und schönen Sprache, definitiv ein Lob also für die Übersetzerin - ich kann mich nicht erinnern schonmal eine Übersetzung aus dem Hebräischen gelesen zu haben, aber dieses Werk ist im Deutschen sehr schön zu lesen.

Für diese hochinteressante, inhaltlich sowieso sprachlich etwas andere Geschichte sollte man sich definitiv ein wenig Zeit nehmen, um all den informationsreichen Diskussionen der Figuren und deren politischen Umfeld folgen zu können, dann kommt man als Leser auf jeden Fall auf seine Kosten.

Fazit:


Ein sowohl sprachlich als auch inhaltlich sehr interessantes Buch, dessen Figuren und Inhalt zum Nachdenken anregen und viel spannende Informationen für den Lesen bereit halten.

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Titel: Judas
Autor: Amos Oz
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 335 Seiten

Kommentare:

  1. Hey Misty,

    das Buch klingt wirklich interessant, ich lese ja zwischendrin gern mal Bücher die sich mit anderen Kulturen oder Religion auseinandersetzen.

    Allerdings brauch ich ja dann wirklich eine Geschichte drum herum, so mehr oder weniger reine Fakten und Diskussion, also eher Uni-Lektüre ist ja nicht so meins.
    Was denkst du, geht "Judas" noch als anspruchsvolle Unterhaltung durch? ;)

    Grüße,
    Julia

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    1. Hallo Julia,

      ja, dieses Buch geht definitiv als anspruchsvolle Unterhaltung durch :) Also denke, dürfte dir gefallen^^

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