Donnerstag, 13. November 2014

Das Ungeheuer [Rezension]

Da suche ich einige Zeit auf diversen Buchseiten nach einem Buch, das den Tag "Roadtrip" für meine Challenge trägt und dann entdecke ich zufällig, dass ich ja bereits ein Buch angelesen habe, welches ja genau einen solchen Roadtrip enthält. Allerdings ist mir das zunächst gar nicht aufgefallen, da es grundsätzlich einen sehr ernsten Inhalt hat, was jedoch auch nichts daran ändert, dass die Hauptfigur das ganze Buch mit dem Auto durch die Gegend reist. Somit also ein weiterer Challengepunkt abgeschlossen.




Inhalt:


Nach dem Selbstmord seiner Frau gibt sich Darius Kopp zunächst ganz seinem Kummer hin, wird lethargisch und verlässt das Haus nicht mehr. Nach einem Jahr macht er sich jedoch mit ihrer Asche auf um sie an einem passenden Ort zu verstreuen. Auf seiner Reise erfährt der Leser Stück für Stück über die Vergangenheit der beiden tragischen Figuren.

Mistys Meinung:


Ich fand dieses Buch eigentlich von Anfang an sehr faszinierend und war besonders vom eigentümlichen Format begeistert. Zunächst war ich sehr verwundert, warum denn die Seiten nur in der oberen Hälfte bedruckt waren, bis ich feststellte, dass an manchen Stellen des Buches auch die untere Seite -abgetrennt von der oberen- gefüllt ist und zwar mit der Geschichte der weiblichen Hauptfigur, sodass auch sie zur Sprache kommt.

Eine solche tolle Aufteilung ist mir bisher noch nie begnet und ich finde die Idee wirklich brilliant, wobei sie den Leser natürlich vor die knifflige Entscheidung stellt, wie man beim Lesen denn nun vorgehen soll. Zunächst den gesamten Teil des männlichen Protagonisten lesen, oder eher etappenweise von beiden? Ich denke es ist egal für welche Lesart man sich schließlich entscheidet, die Geschichte funktioniert in jedem Fall sehr gut. Allerdings ist sie auch von einer Schwere, die mich zunächst mehrmals so einschüchterte, dass ich das Buch einige Zeit wieder zur Seite legte.

Das Kernthema dieses Buches ist nämlich die schwere Depression, an der Flora, die Frau von Darius leidet und entsprechend traurig und hoffnungslos erscheinen auch jene Teile des Buchs, die aus ihrer Sicht beschrieben sind. Zudem ist auch Darius kein positiver Gegenpol, auch er verliert sich in seiner Verwirrung und Hoffnungsloskeit. Die Autorin beschreibt dies jedoch auf sehr wunderbare Art und Weise, sodass mich ihre Ausführungen wirklich sehr fesseln konnten. Ich musste mich dabei mehrmals wundern, ob sie selbst schon persönlich mit dem Thema in Berührung gekommen ist, oder sich einfach nur wirklich gut informiert hat. Es geht mir bei dieser Frage nicht darum, ob sich ein biographischer Anteil von ihr finden lässt, sondern mir selbst lief an manchen Stellen eine Gänsehaut über den Rücken, so treffend waren die Gedanken und die Verzweiflung von Flora formuliert. Ich denke sehr viele Leser, die selbst davon betroffen sind oder waren, werden sich sehr gut mit zahlreichen Textpassagen identifizieren können.


Neben den vielen traurigen Beschreibungen, die man von Floras Beschreibungen erhält finden sich jedoch auch einige treffende zynische Bemerkungen, die -zumindest in dieser Geschichte- aufzeigen, wie einem Menschen in ihrer Situation von Seiten der Gesellschaft begegnet wird. Auf jeden Fall auch eine Anregung zum Nachdenken wert.

Fazit:


Überaus interessante Aufteilung der Geschichte zweier Figuren, die auf ihre Art versuchen sich dem Leben zu stellen. Für jeden, den das Thema der Depression nicht abschreckt eine interessante (Lese-)Erfahrung.

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Titel: Das Ungeheuer
Autorin: Thérezia Mora
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 688 Seiten

1 Kommentar:

  1. Und nochmal Hallo :)

    Titel und Cover passen ja mal so gar nicht zusammen. Jedenfalls würde ich ein Riesenrad nicht mit einem Ungeheur verbinden. Aber gerade deswegen weckt das Buch schonmal Interesse.

    Die Aufmachung klingt ja sehr spannend. Ein weiterer Punkt, weshalb man Prints den Ebooks vorziehen könnte :D Solche tollen Spielereien sind elektronisch einfach nicht möglich.

    An sich finde ich das Thema echt spannend, zumal ich vor einigen Monaten auch irgendwo einen spannenden Artikel zu dem Thema gelesen habe und mich unbedingt näher damit befassen wollte. Allerdings habe ich hier Sorge, dass es mir zu... schwer und erdrückend ist. Schade, eigentlich.

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