Montag, 11. August 2014

Schiffbruch mit Tiger [Rezension]

Ahoi! Sehr lange schon dümpelte dieses Buch auf meinem SuB herum, seit ich es auf einem Flohmarkt ziemlich günstig angeln konnte. Doch nun kenne ich die Geschichte von Pi auch endlich, seit diese durch den Film sehr bekannt geworden sein dürfte. Im übrigen erfüllt das Buch einen weiteren Challengepunkt "Lest für die Kategorie Rudern ein Buch, auf dessen Cover Wasser zu sehen ist."




Inhalt:


Als Piscine Patels Eltern beschließen von Indien nach Kanada zu ziehen bedeutet dies für ihn zunächst noch ein großes Abenteuer, besonders, da der ganze Tierbestand eines Zoos mit auf die Schiffsreise genommen wird. Als dieses Schiff jedoch eines Nachts plötzlich sinkt wird dieses Abenteuer für den jungen Pi zum Albtraum, besonders da er sich als einziger menschlicher Überlebender auf einem Rettungsboot mit einem ausgewachsenen bengalischen Tiger widerfindet.


Mistys Meinung:


Ich weiß nicht genau wo ich beginnen soll, aber besten wohl damit, was ich mir von diesem Buch erwartet hätte. Wenn vom Titelblatt schon tönt "Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt", erwarte ich als Leser, dass dies in der Geschichte auch entsprechend versucht wird. Sei es mit Religionsfragen, Philosophieren über Gott...ganz ähnlich wie dies ausführlich und ziemlich gelungen bei dem Roman Tolstois Alptraum geschieht. Allerdings gerät dieser -an und für sich ja wichtige- Punkt dieser Geschichte sehr schnell ins Hintertreffen. Dass der junge Pi sich in Indien gleich drei Religionen anschließt erachte ich für den Handlungsverlauf als ziemlich unnötig und fand es nicht besonders amüsant um ehrlich zu sein. Die nächsten 250 Seiten haben nur sehr sporadisch mit Glauben zu tun, nämlich dann wenn der Protagonist kurz betet. Und würde ich mich in der misslichen Lage befinden über 200 Tage auf dem pazifischen Ozean zu treiben käme ich wohl irgendwann auch auf diesen Gedanken...

Zudem hätte ich erwartet, dass die Angelegenheit sich mit einem Tiger auf einem Rettungsboot zu befinden -wie der Klappentext auch verkündet- etwas humor- und vor allem phantasievoller ausgemalt werden würde. Stattdessen hält der Autor sich sehr realitätsnah, schlägt dann jedoch doch um, was ich für einen äußerst merkwürdigen Schwenk hielt und ähnlich seltsam wirkt wie in der Geschichte Pandora im Kongo. Nur um das ganze zuletzt ohnehin noch einmal zu relativieren à la "ist wahrscheinlich doch nicht wahr gewesen". 

Ich habe keine Ahnung wie der Film umgesetzt wurde und ob möglicherweise die weniger gelungenen Teile schlicht weggelassen wurden, aber der Roman ist für mich in Summe einfach nicht stimmig. Ich bevorzuge es, wenn ein Wahrheit/Realitäten Konzept konsequent durchgehalten wird, das "war-ja-gar-nicht-wirklich-so-oder-doch?" Konzept geht -zumindest bei diesem Buch- für mich überhaupt nicht auf.

Um doch noch ein paar gute Haare an dem Tiger und der Erzählung zu lassen, lässt sich sagen, dass der Unterhaltungsfaktor größtenteils gehalten werden kann und der Schreibstil halbwegs flüssig zu lesen ist (dass sich das Repertoire an Möglichkeiten auf einem Rettungsboot auf dem Ozean von selbst erschöpft sollte aber auch jedem Leser bewusst sein)...


Fazit:


Keineswegs so "gewitzt und höchst lehrreich" wie auf dem Cover motiviert verkündet wird. Angenehme Unterhaltungslektüre, deren Konzept mich jedoch nicht überzeugen konnte.

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Titel: Schiffbruch mit Tiger
Autor: Yann Martel
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 383 Seiten

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