Donnerstag, 12. Dezember 2013

Der Märchenerzähler [Rezension]

Aus Ärger über das vorherige Buch, das mich wenig begeistern konnte habe ich mir am Bahnhof zum Nikolaus selbst zwei Bücher gekauft um mich von der schlechten Lektüre aufzuheitern. Lange bin ich im Buchladen herum gestakst, habe viele Bücher hervor gezogen und wieder zurück gelegt. Bei den Jugendbüchern schließlich habe ich zugegriffen. Darunter Der Märchenerzähler. Am Rande hatte ich mitbekommen, dass dieses Buch in der Bloggerwelt einiges an Resonanz gefunden hatte, wusste jedoch sonst nicht mehr. Aber bald schon sollte ich es erfahren...





Inhalt:


Anna lebt in einer Seifenblasenwelt wie sie diese selbst beschreibt. In einer heilen, aber zugleich blinden Welt. Durch Zufall gerät sie an ihren Klassenkollegen Abel, den sie bisher nie wirklich bemerkt hatte und lernt mit einem Mal eine ganz andere Welt kennen. Einerseits ist sie schockiert von den Verhältnissen in denen er lebt, anderseits begeistert von seinem Talent alles in eine Geschichte zu packen. Er spinnt sein Leben in ein Märchen, dem sie begeistert folgt und ahnt kaum etwas von den Schattenseiten, die zwangsweise vorkommen müssen.

Mistys Meinung:


Jetzt mal im Voraus; Ich lese ohne es besonders zu finden. Viele sind immer wieder erstaunt über die große Anzahl an Büchern, die meine Regale säumen, doch die meisten Buchblogger werden verstehen wenn ich darüber nur die Achseln zucken kann und es als absolut natürlich empfinde nunmal zu lesen. Ich lese nicht, weil ich nichts anderes mit meiner Zeit anzufangen wüsste, sondern weil ich es mittlerweile brauche und das eigentlich seit ich überhaupt lesen kann. Das Verhältnis zu den Büchern und ihren Geschichten hat sich jedoch im Laufe der Zeit verändert und mittlerweile hat sich eine gewisse Gleichgültigkeit eingeschlichen. Natürlich genieße ich die Lektüre, sammle viele wertvolle und kluge Zitate und viele Schmunzler. Aber so wie früher, wo ich nicht essen, schlafen wollte weil mich ein Buch so gefesselt hat ist es wirklich kaum mehr. Ich lege ein Buch auch schnell mal wieder aus der Hand, es sei denn...

Auch wenn ich von diesem Buch ursprünglich nichts anderes als ein angenehmes, vielleicht spannendes Jugendbuch erwartet hätte hatte es mich eigentlich von der ersten Seite an. Natürlich -im Vergleich zu Warrior Cats glänzt jede Geschichte ganz schnell, doch war mir anhand der feinen, angenehmen Sprache der Autorin sofort bewusst, dass ich ein Buch in Händen hielt, das ich höchstwahrscheinlich sehr schätzen würde.

Da ahnte ich jedoch noch nicht, was diese Geschichte alles zu bieten haben würde. Von einer Jugendgeschichte zu einem sozialkritischem Report sprang die Handlung in eine Kriminalgeschichte, gab die Ahnung einer Liebesgeschichte, fiel über in einen Thriller und zeigte zugleich Elemente eines grausamen Märchens. Wie kann ein Buch all diese Genres vereinen und trotzdem funktionieren? Das habe ich mich wiederholt gefragt und dabei oft argwöhnisch die Augenbraue gehoben, nur um sie dann ergebens zu senken und mir einzugestehen, dass es eigentlich wunderbar funktioniert.

Zunächst musste ich das Buch trotzdem wieder aus der Hand legen, da mir das Märchen, das von der Figur Abel erzählt wird zu nah an der Geschichte des kleinen Prinzen war, die mich schon immer ziemlich verstört hat. Doch diese kurze Phase verging sehr schnell und ich fand mich nurmehr lesend, konnte nicht aufhören, hoffte, bangte für die Figuren, war entsetzt, über alle Maßen schockiert dann berührt und auf einmal war es wirklich halb Vier in der Früh und ich hatte die letzte Seite erreicht. Und dann hielt mich die Geschichte in Gedanken noch immer wach.

Die Autorin schafft es wirklich meisterhaft all diese widersprüchlichen Elemente zu vereinen, ohne dass dadurch eine zu große Diskrepanz entsteht, schafft große Spannung und weiß sie gekonnt aufrecht zu erhalten. Die wiederholte Dramatik erschien mir zum Schluss etwas zu gesteigert und erinnert mich etwas an die überspitzten Geschichten, die ich selbst in meiner Schulzeit produziert habe, aber diese Geschicht ist Meilen davon entfernt in ihrer Qualität und daher stehe ich ihr diese Steigerung auch ohne weiteres zu. Ein Juwel von einem Jugendbuch und mein Jahreshighlight.

Fazit:


Unerwartet vielseitig, tiefgründig, schockierend und mitreißend. Wer nach einem guten Jugendbuch sucht hat in diesem definitiv eines der besten gefunden. Lesen!

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Titel: Der Märchenerzähler
Autor: Antonia Michaelis
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 448

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