Donnerstag, 10. Oktober 2013

Die Verwirrungen des Zöglings Törleß [Rezension]

Wie bereits vorangekündigt kommt es bei mir endlich wieder zu vermehrten Lesestunden und so kann ich nun meine erste Rezension seit langem posten. In Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" habe ich bereits desöfteren reingeschnuppert, letztlich fehlte mir aber doch der Mut mich diesem umfangreichen Werk zu stellen. - So kam mir sein Debütroman "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" sehr gelegen.




Inhalt:


Auf sein Drängen hin wird der junge Törleß von seinen Eltern auf einem Provinzinternat untergebracht, auf dem ihn zunächst großes Heimweh plagt. Schließlich weicht dieses jedoch, allerdings nicht ohne durch anderen seelischen Unmut ersetzt zu werden. Törleß versucht dem zu entgehen und versucht sich mehrmals zu erklären was in seinem Inneren vorgeht. Dabei gerät er an die beiden anderen Konviktschüler Beineberg und Breiting, die ihre eigenen Unzufriedenheiten grausam an schwächeren Mitschülern auslassen. Als der Mitschüler Babini aufgrund eines Diebstahls Opfer ihrer Tyrranei wird hat dies auch für Törleß ungeahnte Folgen.

Mistys Meinung:


Als Einstiegswerk nach zwei Monaten fast gänzlich ohne Lektüre forderte mich dieses Werk die ersten Seiten ordentlich und es war doch einiges an Konzentration notwendig um mit der dichten Schreibweise, die mit vielen verschlungenen Nebensätzen einhergeht, zurecht zukommen. War dies jedoch getan konnte ich den Schreibstil nur genießen und er tat einen Großteil daran, dass ich dieses Buch nur empfehlen kann.

Das Buch, das zu einem Großteil aus den sehr tiefgründigen Reflexionen der aufwachsenden Schüler besteht (denn auch die Vorstellungen Beinebergs und Breitings werden vermehrt beschrieben) sorgt zwar etwas für Verwirrung, wobei es seinem Titel sehr gerecht wird. Vorallem die Gedanken und Gefühle von Törleß sind mitunter recht philosophisch und manchmal fast ein wenig zu verschlungen. Bei konzentriertem Lesen gelingt es jedoch im Laufe des Buches, ebenso wie der Figur selbst, diese Gedankengänge zu entknoten und die Bedrüfnisse des Schülers zu verstehen.

Dabei fand ich jedoch den Handlungsverlauf überaus überraschend und sehr spannend. Wirklich erstaundlich war dabei jedenfalls der explizite Umgang mit der Homoerotik, deren Vorkommen ich in einem Buch dieser Zeit (das Buch wurde 1906 veröffentlicht) nicht in derlei Form erwartet hätte. Doch auch gerade der Aspekt der Wahrnehmung, die psychologischen Prozesse und nicht zuletzt die Ethik, die bei der Hauptfigur oftmals zu kurz kommt macht den Fortlauf der Geschichte besonders lesenswert. Dabei Erinnerte mich manche Passage an "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" von Rilke und ebenfalls an Goethes Werther und behielt trotzdem einen ganz eigenen, sprachlich sehr hochwertigen Erzählstil.

Die Ausgabe der Suhrkamp BasisBibliothek enthält übrigens ein sehr ausführliches Nachwort, dass das Verständnis bzw. die Auslegung erleichtert. Wenn auch die Worterklärungen des Textes am Seitenrand eher unnötig sind.

Leseprobe:


"»Ich denke, du konntest es an deinem Professor sehen. Du, - wenn du auf so etwas kommst, schaust dich sofort um und fragst, wie stimmt das jetzt zu allem übrigen in mir? Die haben sich einen Weg in tausend Schneckengängen durch ihr Gehirn gebohrt, und sie sehen bloß bis zur nächsten Ecke zurück, ob der Faden noch hält, den sie hinter sich herspinnen. Deswegen bringst du sie mit deiner Art zu fragen in Verlegenheit. Von denen findet keiner den Weg zurück. Wie kannst du übrigens behaupten daß ich übertreibe? Diese Erwachsenen und die ganz Gescheiten haben sich da vollständig in ein Netz eingesponnen, eine Masche stützt die andere, so daß das Ganze Wunder wie natürlich aussieht; wo aber die erste Masche steckt, durch die alles gehalten wird, weiß kein Mensch. [...]«"*

*Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. Berlin: Suhrkamp Verlag 2013, S.117
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Titel: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Autor: Robert Musil
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 289 Seiten

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