Samstag, 22. Juni 2013

Er ist wieder da [Rezension]

Sehr lange habe ich dieses Buch mit mir herum geschleppt und immer nur ein kleines Stück weitergebracht, was jedoch wirklich nicht am Inhalt gelegen hat, sondern an den vielen Aufgaben die ich sonst zu erledigen hatte. Und jetzt habe ich es endlich auch noch geschafft eine Rezension auf dem Friedhof zu hinterlassen.

Inhalt:


66 Jahre nach seinem letzten Auftritt in der Weltgeschichte erscheint einer der bekanntesten und verpöntesten politischen Figuren plötzlich wieder auf der Bildfläche: Adolf Hitler. Er erwacht in einem Deutschland, dass von einer Frau geleitet wird und "der Türke" ist überall. Kurzerhand beschließt er sich nicht weiter über seine Wiederkehr zu wundern, sondern die Chance zu nützen um erneut zu versuchen Deutschland an die Weltspitze zu bringen.

Mistys Meinung:


Ich habe noch keine der anderen Rezensionen über dieses Buch gelesen, die wirklich überall im Internet herum geistern um meine eigene Einschätzung für das Werk -so bekannt es auch sein mag- nicht zu beeinflussen. Rein vom Klappentext her hätte ich erwartet, dass die Geschichte eine Satire auf Hitler und den Nationalsozialismuw wäre, ähnlich wie Chaplins Film "Der große Diktator". Dementsprechend war ich überrascht, dass die Hitler-Figur im Buch vielmehr seinen Auftritt als Schelm findet und seine (neue) Umgebung parodisiert.

Die Idee ist natürlich gewagt und nicht zuletzt makaber - nicht nur einmal wird der Leser gereizt sich missbilligend zu räuspern, aber ich habe es in Summe überaus genossen, dass auf diesem Hintergrund eine derart gelungene Gesellschaftssatire gebaut wird. Ich hatte mehrmals Stellen, da ich am liebsten "ja, genau! - so ist es wirklich!" gerufen hätte und das ganze wird umso auffälliger, da die Misstände beziehunsweise lächerlichen Umstände durch einen geschichtlichen Charakter aufgezeigt werden, der selbst die Projektion so ziemlich allen Schlechtens jeher darstellt.

Zudem fand ich es äußerst angenehm, dass in diesem Buch einer der wenigen Fälle auftritt in dem der Nationalsozialismus nicht nur gnadenlos dämonisiert wird, sondern etwas kritischer mit Geschichte umgegangen wird. Da man durch den wiedergekehrten Hitler selbst das Geschehen betrachten darf und seine Gedanken und Reflektionen keineswegs ausschließlich unmenschlich und wahnsinnig sind, kann man auch gar nicht umhin Sympathie für den Protagonisten aufzubauen. Dieser Umstand führt nicht nur einmal zu einem inneren Konflikt und zeigt umso besser auf, wie es wohl Menschen der damaligen Zeit gegangen sein mag und dass es auch aus heutiger Sicht nicht so einfach sein sollte das Kapitel mit dem Kommentar "waren alles wahnsinnige Verbrecher" abzutun.

Fazit:


Sehr interessantes Satire-Experiment, dass wirklich sehr gekonnt moderne mit vergangenen Konflikten verbindet und dafür sorgt, dass man als Leser etwas kritischer an Geschichte heran tritt.

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Titel: Er ist wieder da
Autor: Timur Vermes
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 396 Seiten

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