Mittwoch, 5. September 2012

Die Rosenzüchterin [Rezension]


Trotz oder gerade wegen meiner Büchersünden halte ich an der Challenge fest und habe mit "Die Rosenzüchterin" jetzt das dritte Buch gelesen, das immerhin auch schon fast 2 Jahre in unbetretenen Friedhofsreihen stehen musste. Mit seinen 600 Seiten hielt es mich - mit parallelem Pokémontraining- jetzt auch eine ganze Weile beschäftigt.


Inhalt:


Auf einer der Kanalinseln Englands lebt Beatrice Shaye beinahe ihr ganzes Leben lang in dem Haus ihrer Familie mit der unerwünschten Witwe Helene. Sie hat sich tief in sich selbst verkrochen und verbirgt ihren Gram über die Vergangeheit hinter einer kühlen Fassade.

Erst als Franca, eine junge, gescheiterte Lehrerin, sich in ihrem Haus einmietet fühlt sie sich plötzlich fähig über ihr Leben zu erzählen und verfasst zahlreiche Briefe in denen sie über die Besatzung der Insel während des Zweiten Weltkriegs berichtet. Franca zeigt sich sehr interessiert und offenbart selbst ihren chaotischen Alltag, der von ihrer Tablettenabhängigkeit gezeichnet ist. Gemeinsam verarbeiten die Frauen ihre Vergangenheit und versuchen mit der Gegenwart umzugehen, in der sich bald gefährliche Ereignisse anbahnen.

Mistys Meinung:


Ich war überrascht in dem Buch, das ich aufgrund des Titels eher als kitschverdächtig eingestuft hätte, Charaktere mit wirklichen Problemen anzutreffen. Abhängigkeit von Tranquilizern, schwere Alkoholsucht, Geldprobleme - die Protagonisten, auf die man zu Beginn dieser Geschichte haben sich beinahe alle in gröbere Existenzprobleme verstrickt und geben so natürlich jeweils einen interessanten Konflikt her. Die Autorin nimmt sich sehr viel Zeit dem Leser einen umfangreichen Eindruck über die Figuren zu vermitteln, lässt diese selbst zur Sprache kommen und auch andere darüber nachdenken und werten. So wird ein Blick von mehreren Seiten möglich, der in Summe trotzdem stimmig erscheint und dadurch eine große Anteilnahme beim Leser erzeugt. Allerdings erschienen mir einige der Figuren dabei zu typenhaft gezeichnet und einige ihrer Verhaltensänderungen zu naiv herbeigeführt.

Die Sprache ist eher einfach gehalten, führt aber die meiste Zeit gut durch die Geschichte. Allein bei den Dialogen schmerzte mich wieder einmal der Versuch über die Figuren übertrieben viel Information in den Leser zu pumpen. Es wirkt einfach nicht natürlich, wenn eine ältere Frau im Erzählen über den Krieg zunächst mit einem historischen Prolog inklusive aller Jahreszahlen, einflussreicher Politiker und wichtiger Schlachten beginnt, ehe sie zum persönlichen Teil übergeht. Abgesehen davon finde ich den geschichtlichen Teil der Geschichte recht interessant und sonst auch gut mit dem Leben der Protagonisten verbunden.

Ich halte das Buch zwar nicht für "psychologisch überaus raffiniert", wie es auf der Rückseite angepriesen wird, dazu ereignen sich die Lebensänderungen der Figuren zu einfach und viele davon würden wohl in den Bereich großer medizinischer Unwahrscheinlichkeit fallen. Den Handlungsverlauf finde ich jedoch durchaus spannend und bin dazu geneigt mir ein weiteres Buch der Autorin zu kaufen.

Fazit:


Ein spannender Schmöker, der aufgrund der Probleme mit denen die Protagonisten zu kämpfen haben sehr dazu anregt die Handlung zu verfolgen. Allerdings mangelt es der Geschichte zuweilen etwas an Realitätsnähe aufgrund der expositorischen Dialoge und dem späteren Handlungsverlauf.

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Titel: Die Rosenzüchterin
Autorin: Charlotte Link
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 605 Seiten

1 Kommentar:

  1. Ihre Bücher finden so großen Anklang in einer breiten Leserschaft, weil sie einfach zu lesen sind. Und gute Unterhaltung sind die Romane von Carlotte Link ja.

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