Freitag, 27. Juli 2012

Die Glut [Rezension]

Wenn schon die Sonne draußen wieder einmal glüht, musste ich mir auch ein dazu passendes Buch suchen."Die Glut" stopfte ich schon vor einigen Jahren mit 9 anderen Büchern gierig in meinen Rucksack, nachdem ich sie alle recht billig in einer Morawa-Ramschkiste entdeckt hatte. Seitdem ist dieses Büchlein (nach den ganzen Fantasyschinken ist es das für mich) allerdings unberührt und abseits in einem Regal gestanden. Aber auch das Warten passt sehr gut zu diesem Werk.

Handlung:


Nachdem Henrik einundvierzig Jahre auf die Rückkehr seines Jugendfreundes Konrád gewartet hat, kündigt dieser sich endlich für einen Besuch an. Henrik lässt auf seinem alten Schloss alles so herrichten wie zu dem Zeitpunkt an dem Konrád, nach einem Jagdausflug, Hals über Kopf verschwand.

Die beiden Freunde begrüßen sich reserviert und in einem Monolog von Henrik erfährt der Leser Stück für Stück was sich an dem damaligen, 'lebensveränderten' Tag von Konráds Flucht ereignet hat, an der auch Krizstina, die Frau Henriks eine große Rolle spielte.


Mistys Meinung:


Auf der Umschlagsrückseite wird das Buch als "Eine literarische Wiederentdeckung ersten Ranges" gelobt. Ob ich mich diesem Lob anschließen mag, habe ich noch nicht entschieden. Mir gefällt die Rahmenhandlung, der Monolog und die Sprache erinnern mich an eine Mischung aus Amélie Nothomb und Iréne Némirovsky. Die Ansichten und Gedanken der Figur Henrik -seien diese jetzt identisch mit denen des Autors oder schlicht von ihm der Figur gegeben- zeigen sich jedoch zum Teil übertrieben absolut und nicht selten auch etwas sexistisch. Da sich das Buch fast auschließlich auf seinen Monolog stützt kommt man nicht umhin auch die anderen Gedanken Henriks damit in Verbindung zu bringen.

Trotzdem ist "Die Glut" ein durchaus interessantes Buch, das Themen wie Freundschaft, Verrat und Einsamkeit ziemlich philosophisch und gleichzeitig praktisch behandelt, die Ideen der Hauptfigur Henrik dazu sollten dabei jedoch kritisch beäugt werden.

So, dann mache ich mal vorsichtig die Friedhofstore wieder auf und zieh dieses Buch herein.

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Titel: Die Glut
Autor: Sándor Márai
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 218 Seiten

Kommentare:

  1. Dieses Buch macht dem Friedhof ja alle Ehre ;-)

    Bei dem Autor ist es so, dass mir der Name zwar geläufig ist, ich aber noch nie auch nur ansatzweise darüber nachgedacht habe, etwas von ihm zu lesen...

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  2. Mhmm, mir hat er vorher gar nichts gesagt, dabei hat er eine ganze Menge Bücher geschrieben. Wurden alle so in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts publiziert. Laut Nachwort (geschrieben 1999) sind die Bücher scheinbar bis heute in Ungarn verboten (Márai ist ungarischer Autor.)

    Ich selbst muss mir überlegen ob ich weitere von ihm lesen möchte...von dem sogenannten "zerrissenen" Leben seinerseits merke ich nämlich schon in diesem Buch etwas ;)

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